Immer wieder wünschen sich Rheinfelder Jugendliche, dass der Skatepark in Warmbach erneuert wird. Drei junge Skater erklären, wo genau die Probleme der Anlage sind, was die Faszination des Skatens ausmacht und warum Jugendbeteiligung in der Stadt Rheinfelden ihrer Ansicht nach nicht funktioniert.

Sheval Memedi zeigt eine der Gefahren des Skateparks Warmbach.
Sheval Memedi zeigt eine der Gefahren des Skateparks Warmbach. | Bild: Dora Schöls

Schon von Weitem ist ein Krachen zu hören. Einige Jugendliche sind mit ihren Rollern in der Skateanlage unterwegs. Merle Hein steht daneben und beäugt das Spektakel mit kritischem Blick. „Da skate ich nicht, da habe ich mit einem Skateboard keine Chance. Das haut einen hin.“ Die 15-Jährige zeigt auf die vielen Kieselsteine auf dem Asphalt, herübergeweht von den Steinbeeten nebenan. Wenn die unter die Rollen kommen, ist der Spaß vorbei.

Ein Dauerthema

Der Skatepark in Warmbach ist ein Dauerthema unter den Jugendlichen in Rheinfelden. „Als meine Mutter noch Kind war, war das hier schon nicht so geil“, sagt Merle Hein. Die Anlage sei veraltet, die Rampen heruntergekommen. Nicht einmal eine Bank gibt es, keinen Schatten, keine Toilette, keinen Mülleimer. Im Juli war Hein mit dem Achter-Rat im Gemeinderat, um den Entscheidungsträgern zu sagen: Hier muss etwas passieren. „Aber passiert ist: nichts“, sagt sie.

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Die 15-Jährige ist sichtlich frustriert. Sie glaubt nicht, dass die Gemeinderäte die Jugendlichen ernst genommen haben. „Wir sollten über die Zukunft entscheiden, die wir leben müssen“, sagt Merle Hein wütend. Die Entscheidungsträger seien deutlich älter als sie – die Jugend aber müsse mit den Konsequenzen leben. Auch ihr Freund Sheval Memedi, 16 Jahre, ist unzufrieden: „Die sagen, sie machen was, und dann wartet man und wartet und wartet – und nur die Fußballplätze werden gemacht.“ Da verliere er die Motivation, sich zu engagieren.

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Das kennt Felix Sattler. Der 27-Jährige hat sich schon mit 14 Jahren für eine Verbesserung des Skateparks in Warmbach eingesetzt, wobei die Anlage in Herten ähnliche Probleme habe, sagt er. In Warmbach sei ein Mülleimer aufgestellt worden und die Rampen seien abgespachtelt worden. Die Spachtelreste seien jedoch am Boden gelassen worden: eine Sturzgefahr. „In Rheinfelden wird gesagt, man könne sich einbringen – aber es ist ein enormer Aufwand für wenig Feedback.“ Das sei keine echte Jugendbeteiligung.

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Dabei sei Skaten in der Region beliebt, sagt Sattler, 2018 hat in Basel die Europäische Skateboard-Meisterschaft stattgefunden. Das Schöne am Skaten für den Studenten: „Es ist kein richtiger Sport, man trifft sich und hat Spaß, jeder macht, was er will.“ Ihm habe das Skaten beigebracht, dass Dinge manchmal nicht gleich klappen. „Es fordert eine Selbstdisziplin, die gar nicht so diszipliniert ist.“

Skater kaufen auch ein

Auch für die Städte seien attraktive Skateparks sinnvoll: Als Jugendlicher sei er in den Ferien jeden Tag in eine andere Stadt gefahren, zum Skaten, aber natürlich kaufe man dort dann auch Essen und Trinken. Ein Skatepark sei eine Art offener Jugendtreff. Aus seinem Freundeskreis wohne von den Skatern fast keiner mehr in Rheinfelden, sagt Sattler, auch er ziehe weg – auch wegen der fehlenden Skatemöglichkeiten.

Hobby seit der Kindheit

Auch Merle und Sheval skaten seit ihrer Kindheit. Die Faszination hört man ihnen an: „Man braucht Geschicklichkeit, Konzentration, Gleichgewicht“, sagt Merle Hein. „Und es macht Spaß“, sagt Sheval Memedi. Beim Fußball müsse man aufs Training warten, beim Reiten auf den Reitlehrer. Skaten könne man jederzeit. Und: „Skaten geht ohne Erwachsene“, sagt Lars Lucas, Jugendreferent mit Schwerpunkt Jugendbeteiligung in der Stadtverwaltung. Aber genau dort sieht er auch das Problem der Skater: Sie sind in keinem Verein organisiert, haben keine Lobby, im Gegensatz etwa zu Fußballern.

Andere Prioritäten

Vereinzelt sieht Lucas in Rheinfelden durchaus den politischen Willen, etwas zu verändern. „Aber der Anstoß fehlt.“ Es sei ein Generationenkonflikt, ein 65-Jähriger habe andere Prioritäten. Dabei wäre eine neue Skateanlage gar nicht so teuer – etwa im Vergleich zu einem Fußballplatz, sagt Lucas. „Es geht darum, dass die Interessen der jungen Menschen ernst genommen werden.“

Die Mängel

Und wenn man die veralteten Rampen doch mal testet? „Soll ich sterben?“, erwidert Merle Hein. Sie geht in die Hocke und streicht über den Rand einer Rampe. „Da ist eine Kante, dabei sollte das alles glatt sein.“ Sie steckt einen Fingernagel zwischen Rampe und Asphalt. „Das ist nicht gut.“ Sheval Memedi ergänzt: „Teilweise sind die Rampen sogar klebrig, sodass man hängen bleibt.“ Und überhaupt, alles sei so klein und eng, da mache das Skaten keinen Spaß.

Alternativen

Die Alternative, einfach auf den Gehwegen skaten, sei nicht besser: Tricks ohne Rampen seien für Anfänger nicht einfach. Wer wirklich skaten will, müsse nach Bad Säckingen oder Schopfheim, da gebe es gute Skateparks. In Rheinfelden sehe der Bebauungsplan am Jugendhaus im Tutti Kiesi einen Skatepark vor, sagt Lucas. Dass der Wirklichkeit wird, davon träumt die Jugend seit Jahren.

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