Um zwei Brüder aus dem Schwarzwald, die im 19. Jahrhundert nach London aufbrechen und in höchste royale Kreise und gefährliche Abenteuer geraten, geht es in dem neuen Roman „Die Uhrmacher der Königin“ von Ralf H. Dorweiler. Der frühere Redakteur in Rheinfelden freue sich darauf, sein Ende Januar erscheinendes Buch am 16. Februar auf Einladung der Stadtbibliothek in Rheinfelden vorzustellen.

Die Kontakte in seine alte Wahlheimat und seinen früheren Wirkungsort hält Dorweiler auch nach seinem Wegzug 2020 aufrecht. Mit seiner Frau, der Sängerin Daniela Bianca Gierok, hat er sich an seinem neuen Wohnort Bad Pyrmont eingelebt – dort widmet er sich als freier Schriftsteller nun ganz dem Bücherschreiben. Das Paar fühle sich in der niedersächsischen Stadt wohl, „aber ich vermisse Rheinfelden schon“, so Dorweiler. Er pflegt nach wie vor enge Beziehungen zu Südbaden, weil seine historischen Romane mit dem Schwarzwald zu tun haben und weil er in dieser Region, speziell in Rheinfelden und im Wiesental, treue Leser hat, die gespannt auf jeden „neuen Dorweiler“ warten.

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In seinem fünften historischen Roman setzt er die Reihe fort, in der er sich mit alten Handwerksberufen beschäftigt. Dieses Mal dreht es sich um die traditionsreiche Uhrmacherei, die im Schwarzwald ein wichtiger Wirtschaftszweig war. Die fiktiven Hauptfiguren im Buch sind die ungleichen Brüder Johannes und Ernst Faller aus St. Märgen, die sich auf die Kunst des Uhrenmachens verstehen. Viele Uhrmacher aus dem Schwarzwald reisten, wie Dorweiler bei seinen Recherchen herausfand, damals in verschiedene Länder, um Uhrenhandel zu betreiben. Im „Kloster Museum“ in St. Märgen werden originale Briefe des Uhrenhändlers Andreas Löffler aufbewahrt, der nach England übersiedelte und Briefe an seine Familie im Schwarzwald schickte. Diese Briefe konnte Dorweiler auswerten.

Die Recherchen in St. Märgen konnte der Autor während der Corona-Zeit gut durchführen. Nicht möglich war allerdings eine aktuelle Spurensuche in London, wo ein guter Teil seines Romans spielt. Zum einen wegen des Brexit, zum anderen pandemiebedingt konnte Dorweiler für Recherchen nicht in die britische Metropole reisen, was er bedauere. Doch er kenne London von früheren Aufenthalten, bei denen er die Schauplätze seines Romans in Augenschein nehmen konnte.

Hartes Leben im Südschwarzwald

Wie immer bei Dorweiler vermischen sich fiktive Figuren und Geschehnisse mit historisch Verbürgtem. So beschreibt er das harte Leben im Südschwarzwald Anfang des 19. Jahrhunderts ebenso packend und anschaulich wie die beschwerliche Reise der Brüder Faller anno 1841 per Kutsche nach London und den Transport der wertvollen Uhren, für die es spezielle Speditionen gab.

Der Handlungsstrang in London, wo die Schwarzwälder Uhrmacher ihr Glück und wirtschaftlichen Erfolg suchen, führt bis ins Königshaus. Dorweiler bringt Königin Victoria ins Spiel, die mächtigste Frau ihrer Zeit. In dem Roman taucht sie zuerst als Mädchen auf, das im Kensington Palast eine ebenso behütete wie strenge und schwierige Kindheit erlebt, dann als junge Mutter, die ein Weltreich zu regieren hat. Dorweiler schildert, wie Queen Victoria ein Kindermädchen sucht. Teil der Geschichte wird das junge Kindermädchen Sophia aus dem königlichen Palast, das auf der Suche nach seinem leiblichen Vater ist.

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Eine Rolle spielt auch ein historisch verbürgtes Attentat, das auf Königin Victoria verübt wurde, als sie mit Prinzgemahl Albert in der Kutsche ausfuhr. Die beiden Schwarzwälder Uhrmacher-Brüder werden Zeugen dieses versuchten Attentats und tiefer in die Geschichte verwickelt. Sie haben den Auftrag erhalten, eine kostbare Uhr als Geschenk für Ihre Majestät herzustellen.

Auftritt für zwei Menzenschwander

In Dorweilers Roman erscheinen außerdem noch zwei andere Brüder aus Menzenschwand, die es wirklich gegeben hat: Der weltberühmte Porträtmaler Franz Xaver Winterhalter, dem viele Adelige Modell saßen und der an den englischen Hof berufen wurde, und sein Bruder Hermann. Die Ereignisse zwischen bäuerlichem Milieu im Schwarzwald und dem turbulenten Leben in der Metropole London und am Königshof von Queen Victoria sorgen für prallen Lesestoff auf mehr als 500 Seiten.

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Ralf H. Dorweiler will die liebgewordene Tradition beibehalten, zur Buchpremiere nach Rheinfelden zu kommen. Der Autor verspricht wie gewohnt eine Buchpräsentation der kurzweiligen und unterhaltsamen Art mit einigen Überraschungen. Er hofft, dass die Lesung wie geplant stattfinden kann: „Ich freue mich schon sehr darauf, viele bekannte Gesichter wiederzusehen.“