Herrliche, saftige Weide, schöne Natur, Sonnenschein pur. Dazu Spaziergänger, die innehalten und sich am Anblick der Kühe auf der umzäunten Wiese erfreuen. Ein schönes Kuh­leben, das für Rosa, Trixi, Manu und Boss samt ihrem Nachwuchs Realität ist. Zu dem Familienidyll auf dem Dinkelberg gehört auch ein Adoptiv-Kalb namens Zottel.

Der kleine Zottel

Kurz nach seiner Geburt ist der kleine Zottel zu diesen glücklichen Kühen gekommen, das Schicksal hat es gut mit ihm gemeint, mit dem männlichen Kalb, das sich deutlich von den anderen unterscheidet. Zottel ist der Abkömmling eines Hochlandrindes, er hat ein üppiges, rotbraunes, zotteliges Fell. Er steht auf kürzeren Beinen als seine Stiefgeschwister und er ist im wahrsten Sinne ein kleiner Vagabund.

Die Geburt

Doch der Reihe nach: Anfang August erblickte ein Rinder-Zwillingspaar in Rohrberg, das ist bei Häg-Ehrsberg auf den Höhen des Oberen Wiesentals im Naturpark Südschwarzwald, das Licht der Welt. Da lagen sie beide und standen kurz danach auf wackligen Beinen. Und während sein Geschwisterchen gleich nach der Geburt von der Mutterkuh geleckt wurde und am Euter Milch trinken durfte, wurde Zottel weggeschubst. Da half alles nichts, die Mutter ließ Zottel nicht ans Euter, stieß ihn immer wieder weg.

Die Adoption

Die Landwirte suchten dann eine Adoptivmutter. Diese fanden sie in Gersbach auf dem kleinen Hof von Simon Gerwig und dessen Schwager. Die beiden Hobby-Landwirte züchten Hinterwälder-Rinder und Schweine. Artgerecht, alle Tiere leben vorwiegend großzügig in freier Natur. Die Rinder hatten im Sommer Nachwuchs bekommen und in das Freigehege wurde dann auch der kleine Zottel gestellt. Es war ein gelungenes Experiment, denn weder Zottel, noch seine neuen Geschwister und vor allem nicht die Mutterkühe hatten Berührungsängste. Das Hochland-Kalb wurde von den Hinterwäldern angenommen und Kuh-Mama Rosa nahm sich des Findelkinds an. Im Oktober kam die Herde nach Adelhausen, per Viehanhänger wurden die Kühe und ihre Kälber auf den Dinkelberg gefahren.

Die Wiese

Simon Gerwig ist Adelhausener, die Liebe hat in nach Gersbach geführt, die Verbindung zu seiner Familie in Adelhausen ist groß. Vater Christian Gerwig stellt jeden Sommer und Herbst gerne die saftige Wiese zur Verfügung. Bis der Frost beginnt, bleibt die Herde in Adelhausen, bevor sie dann in den Stall in Gersbach zurückkehrt. Die Rinder fühlen sich wohl auf dem Dinkelberg. Rosa, Zottels Amme, ist alles andere als zickig. Mit Wohlwollen säugt sie ihr leibliches Kind samt Zottel, und wenn sich mal ein Kalb von Trixi, Manu oder Boss an ihr Euter wagt – was selten vorkommt – dann säugt sie sogar diese mit.

Die Pflegemutter

Rosa ist die leichteste der vier Kühe, ihr Euter ist von kleiner Größe, aber sie hat ausreichend Milch, die gut für drei Kälber reicht. „Rosa ist die Leitkuh und sie gibt für ihr Gewicht erstaunlich viel Milch. Deshalb kann sie problemlos zwei Kälber säugen“, sagt Christian Gerwig, der sich täglich mehrmals um die Tiere kümmert und nach dem Rechten schaut. Wenn er sich der Weide nähert, dann rennt die ganze Herde auf ihn zu.

Die Streifzüge

Zottel ist öfter außerhalb des Geheges. Das Kalb ist neugierig. Als einziges Familienmitglied schlüpft es regelmäßig unter dem Elektrozaun durch und geht auf Entdeckungstour. Er entfernt sich aber immer nur so weit, dass es seine Herde noch im Auge behält. Gerwig und die Nachbarlandwirte wissen Bescheid und scheuchen das quirlige Kalb dann dahin zurück, wo es hingehört. Spaziergänger bleiben gerne stehen und beobachten mit Freude die Kuhherde.

Der Mutterinstinkt

Zottel kenne keine Angst, vorwitzig nähert er sich den Fremden. Das wiederum weckt bei Rosa und den anderen Kühen den Mutterinstinkt, sie gesellen sich nah zu Zottel, sie beschützen ihn wie ihre eigenen Kälber. Christian Gerwig berichtet, dass sich die leiblichen Kälber der Mutterrinder nicht weit von ihnen entfernen. Ganz anders Zottel: Er hat seinen eigenen Kopf und ab und zu ein bisschen Freiheit scheint ihm sehr wichtig zu sein.

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