Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland steht auch das Vereinsleben nahezu still. Kein gemeinsames Training, kein gemeinsames Musizieren oder gemeinsame Aktivitäten. Um die Vereinsarbeit aufrechtzuerhalten, müssen kreative Wege gefunden werden. Ein Überblick.

  • Ponyverein Karsau: Große finanzielle Sorgen macht sich Kurt Vollmer, Vorsitzender des Ponyvereins Karsau. Denn die Unkosten laufen weiter, für Futter, Tierarzt, Schmied sowie Pacht, Versicherungen und Strom. Das Vereinsheim musste geschlossen werden, Feste gibt es derzeit nicht, diese Einnahmen fehlen. „Das ist der Ruin des Vereins“, sagt Vollmer. Er weiß, dass viele Menschen derzeit finanzielle Nöte haben. „Aber vielleicht hat der eine oder andere ein paar Euro übrig.“ Wenn alle, die den Verein kennen, eine Spende von mindestens 10 Euro geben, würde der Verein durch die Krise kommen und sein Ziel, in zwei Jahren das 50-jährige Bestehen zu feiern, erreichen. „Es sind viele Kinder hier auf dem Ponyhof groß geworden, viele Eltern waren und sind immer noch mit Begeisterung dabei“, erinnert Vollmer.
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  • TuS Adelhausen: Ingo Kohler, Manager Ringen, hofft, dass bis in drei, vier Wochen Klarheit darüber herrscht, wie es im Sportbetrieb weitergeht. „Wir wissen definitiv nicht, ob es eine neue Bundesligasaison geben wird“, so Kohler auf Nachfrage. Sollte keine Runde zustande kommen, werde es keine Sponsoren und kein Geld geben. „Und wenn es keine Heimkämpfe gibt, haben wir auch da aus dem Bereich Wirtschaftsbetrieb keine Einnahmen.“ Normalerweise sei jetzt die Zeit, in der die Geschäftsführung sehr aktiv im Bereich Sponsoring tätig sei. Unter diesen Umständen aber könne das Marketingteam nicht planen. Vorsitzender Timo Zimmermann erklärt, dass der TuS auch von einer Vielzahl regionaler Betriebe lebe, die unter der jetzigen Situation leiden. „Ich würde mich freuen, wenn unsere Vereinsmitglieder und Ringerfans diese Betriebe unterstützen.“ Außer den Beiträgen der rund 700 Mitglieder komme kein Geld in die Kasse des Vereins.
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  • Schützengesellschaft Rheinfelden: Ein paar Monate, so die Einschätzung des Oberschützenmeisters Tobias Malzer, kann der Verein die jetzige Situation finanziell überbrücken. Der Schießbetrieb wurde eingestellt und im Verein gehe man davon aus, dass seitens der Regierung bis Ende des Sommers keine neue Regelung zur Lockerung der Maßnahmen vorliege. „Da sind wir realistisch“, so Malzer. Deshalb haben die Schützen bereits Mitte März Restvorräte an Arbeitsschutzmaterialen, 20 FFP1- und FFP2-Schutzmasken sowie einfache Arbeitsanzüge an den ärztlichen Bereitschaftsdienst zur Verwendung für die zentrale Abstrichstelle Rheinfelden abgegeben. Mit der Pächterin des Schützenhauses seien noch keine Gespräche geführt worden.
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  • Musikverein Grenzach: Beim Musikverein Grenzach werden die jungen Musikschüler – mit Jugendorchester und Bläserklasse, einer Kooperation mit der Bärenfelsschule, sind das etwa 50 – derzeit per Videochat unterrichtet. „Damit auch die Aktiven weiterhin proben können, bekommen alle die Noten von neuen Stücken in ihrer Stimme zugeschickt“, berichtet der Vorsitzende Alexander Schwarzbauer. Darum kümmert sich Jugendleiter Holger Blunck. Er hat auch eine andere Aktion organisiert, die Gemeinschaft stiften soll. An den vergangenen Donnerstagabenden hatten sich die Musiker verabredet, um, jeder aus dem Fenster seiner Wohnung, das gleiche Stück zu spielen. Die Aktion soll in den kommenden Wochen weitergehen. Neben der Absage vieler Konzerte und möglicherweise auch des Johannimarktes, was große finanzielle Einbußen bedeuten würde, macht Schwarzbauer noch etwas anderes Sorgen: „Nächstes Jahr steht das 125-Jahr-Jubiläum des Vereins an. Die Organisation dafür fällt jetzt natürlich auch flach.“
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  • Verein für Heimatgeschichte: Über finanzielle Einbußen macht sich Vorsitzender Helmut Bauckner weniger Gedanken. „Aber wir sind halt einfach nicht präsent“, sagt er und bedauert, dass viele geplante Veranstaltungen abgesagt werden mussten. So kann etwa die Wanderausstellung über Flucht in die Schweiz im Zweiten Weltkrieg nicht in der Römervilla aufgebaut werden, das Landesjugendorchester kann im Juni nicht auftreten, ebenso wenig die Basler Madrigalisten. Das Museum, das über den Winter geschlossen war, ist nach wie vor zu. „Ich habe die stille Hoffnung, dass wir es vielleicht bald wieder öffnen dürfen“, so Bauckner. Schließlich sei es nur sonntags zugänglich, und meist seien nicht viele Menschen gleichzeitig vor Ort. Bauckner findet aber auch, dass von den Verantwortlichen der Politik sehr gewissenhaft gearbeitet werde und akzeptiert die Schließung. Schlimm für ihn wäre allerdings, wenn er irgendwann selbst nicht mehr die Römervilla betreuen dürfte, weil entschieden wird, dass Risikogruppen in Quarantäne müssen. „Ich bin immerhin 77“, sagt er.
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  • Singgemeinschaft: Zur Risikogruppe gehören auch alle Sänger der Singgemeinschaft aus Männerchor Grenzach und dem Gesangverein Frohsinn Wyhlen. „Wir sind 38 Sänger und alle über 70 Jahre alt, wir müssen also aufpassen“, sagt Eberhard Oberfell vom Vorstand. Viele vermissten das wöchentliche Ritual der Chorprobe und die Gemeinschaft. Damit die Männer dennoch proben können, hat sich Chorleiter Florian Metz viel Mühe gemacht. „Er hat neue Lieder eingespielt und eingesungen, für jede Stimme einzeln und auch gesamt“, erzählt Oberfell. Die Tondateien wurden den Mitgliedern per Mail zugeschickt, für die, die keine E-Mail-Adresse haben, hat Metz CDs gebrannt. „So spürt man trotzdem eine Verbundenheit“, sagt Oberfell.
  • Naturfreunde: Auch die Ortsgruppe der Naturfreunde mit ihren etwa 60 Mitgliedern hat die Krise getroffen. „Besonders schlimm ist, dass wir die Ehwaldhütte und unser Vereinsheim in Grenzach nicht mehr vermieten können“, sagt der Vorsitzende Jürgen Traeder. Dadurch fielen wichtige Einnahmen weg, währen die Kosten für Strom und Wasser weiter liefen. Zum Glück sei der Verein „relativ gut bestückt und stehe darum noch nicht vor der Insolvenz“, beruhigt Traeder. Eines allerdings sei sehr ärgerlich: „Wir hatten gerade begonnen, eine Kinder- und Jugendgruppe aufzubauen, die rund um das Vereinsheim Aktivitäten übernimmt.“ Diese Aktion sei gut angelaufen, gerade bei Sechs- bis Zwölfjährigen habe großes Interesse bestanden. „Ich hoffe sehr, dass die Resonanz auch nach Corona noch bleibt“, so Traeder.

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