Die Adelbergkirche ist schon 121 Jahre alt und steht exakt auf den Grundmauern eines früheren Ökonomiegebäudes. Die erste evangelische Kirche der Stadt wird seit 1937 von der alt-katholischen Gemeinde genutzt.

Die Geschichte

Die Adelbergkirche aus dem Jahr 1899 war die erste Kirche der neu gegründeten evangelischen Gemeinde des noch jungen, im Zuge des Kraftwerksbaus entstehenden Siedlungsgebiets Rheinfelden. Da seinerzeit viele Evangelische zuzogen, wurde die Adelbergkirche schon bald zu klein. 1903 wurde eine Empore errichtet, um mehr Platz für Gläubige zu schaffen, erklärt Werner Nuss von der alt-katholischen Gemeinde. Nuss ist seit 1985 als Mesner und Kirchenbetreuer für die Adelbergkirche zuständig.

Evangelische Gottesdienste wurden bald auch in der Sängerhalle gefeiert – die Kirche war zu klein. Mit der Fertigstellung der Christuskirche zog die evangelische Gemeinde 1937 ins heutige Gotteshaus. Seither nutzt die alt-katholischen Gemeinde die Adelbergkirche.

Der Architekt

Viel ist über den Architekten nicht bekannt. Laut der Bauplanung wurde die Adelbergkirche von G. Wilhelm Ehmig entworfen und steht auf einem ehemaligen landwirtschaftlichen Ökonomiegelände. Seit 1864 als das Ott‘sche Anwesen bekannt. Das Grundstück gehörte den Kraftübertragungswerken Rheinfelden (KWR) und die evangelische Gemeinde zahlte damals 50.000 Goldmark für den Grundstückserwerb und den Umbau des Ökonomiegebäudes zur Kirche. „Die Adelbergkirche steht exakt auf den Grundmauern des Ökonomiegebäudes“, erklärt Nuss.

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Ein Anbau für den Altar wurde dann aber nicht mehr realisiert. 1976 kaufte KWR das Grundstück zurück, die Stadtverwaltung erhielt aber die Nutzungsrechte der Kirche auf unbestimmte Zeit. Zunächst vermietete die Stadt die Adelbergkirche an die alt-katholische Gemeinde und übernahm das Gotteshaus schließlich 2013 für den symbolischen Preis von einem Euro. Aktuell laufen Renovierungsarbeiten am Glockenturm. Im Anschluss soll die Kirche auch barrierefrei hergerichtet werden.

Der Name der Kirche

„Die Kirche heißt Adelbergkirche, da sie auf dem Adelberg steht“, sagt Nuss. Eine Namensänderung ist aber vorgesehen und wurde schon beim Fest zum 120-jährigen Bestehen im Jahr 2019 angekündigt. Kirchenpatron soll der Heilige Jakobus werden, da Rheinfelden auf der Route des Jakobswegs liegt.

In der Rheinfelder Tourist-Info wird der von Pilgern begehrte Stempel schon vergeben, aber Mesner Nuss würde auch gerne an der Adelbergkirche das Abstempeln des Pilgerausweises ermöglichen. „Wenn wir unseren Stempel haben, wollen wir die Kirche nach St. Jakob benennen. Das ist schon beschlossene Sache“, sagt Nuss. Der Stempel könnte dann bei der Eingangstür zur Kirche zugänglich gemacht werden. Die neu angelegte, zur Kirche führende Treppe soll dann auch Jakobstreppe heißen.

Die Besonderheiten

In der Kirche sind noch die originalen Fenster eingebaut, allerdings konnte Werner Nuss nicht herausfinden, von welchem Künstler sie stammen. In der Kirche stehen noch der Altar und die Kanzel aus der Gründungszeit. Dabei handelt es sich um typisch evangelische Einrichtungen, die die alt-katholische Gemeinde gar nicht braucht.

Die Gemeinde wollte die Einrichtung auch schon dem Stadtmuseum Rheinfelden übergeben, das ging allerdings nicht, da die typisch evangelische Kircheneinrichtung denkmalgeschützt ist. Seit zehn Jahren steht in der Adelbergkirche ein aus dem Jahr 1873 stammendes Taufbecken, das Nuss nach der Aufgabe der alt-katholischen Kirche in Zell im Wiesental nach Rheinfelden holte. Seit vergangenem Jahr wird in der Kirche zum Weihnachtsfest eine handgearbeitete Krippe aufgestellt, die Nuss in Bethlehem im Westjordanland erstand.

Die Nutzung

Zu den ökumenisch ausgerichteten Gottesdiensten kommen auch viele nicht der alt-katholischen Konfession angehörende Besucher, sagt Nuss. Regelmäßig seien es rund 40 Gläubige, bei Hochzeiten seien es oftmals sogar 100. Die Adelbergkirche wird auch für Hochzeiten genutzt von Paaren, die sich für ihre Trauung eine schöne Kulisse wünschen.

Seit 2013 wurden in Zusammenarbeit mit dem Tierheim Rheinfelden schon fünf Tiersegnungsgottesdienste angeboten und auch für Rheinfelder Künstler steht die Kirche offen. Es gab beispielsweise schon Veranstaltungen mit dem Glasbläser Wilfried Markus und dem Panflötenspieler Gregor Schmitz. Auch Konzerte finden immer wieder in der Adelbergkirche statt.