Kurzarbeit, Homeoffice, Homeschooling, Kindergarten geschlossen – gleich vier Hiobsbotschaften hat die Familie Werbing aus Rheinfelden mit ihren zwei kleinen Töchtern innerhalb eines Zeitraums von gerade einmal ein bis zwei Tagen im März bekommen. Doch die Familie hat sich nicht unterkriegen lassen und betrachtet die Umstände als Glück im Unglück. „Unser großes Plus war es, dass ich sofort im Homeoffice war“, erzählt Vater Sebastian Werbing, der als Einkäufer arbeitet. „So standen wir nicht vor dem großen Problem der Kinderbetreuung.“ Mutter Franziska Werbing ging weiterhin morgens zu ihrer Halbtagsstelle als Sekretärin, während der Papa die zwei Töchter betreute, nachmittags wurde getauscht.

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Froh sind die Eltern auch, in dieser Situation kein Einzelkind gehabt zu haben. „Das wäre sicher deutlich schwieriger gewesen“, sagt Mutter Franziska und erinnert sich, am letzten Tag vor Schließung der Geschäfte noch zwei Eimer Straßenmalkreide gekauft zu haben, denn das Malen sei eine Leidenschaft, die beide Mädels, die siebenjährige Viktoria und die dreijährige Olivie, teilen. Auch sei es der Lockdown gewesen, der sie bewogen hätte, erstmals Bügelperlen zu kaufen, scherzt sie, denn die ganzen sieben Lebensjahre ihrer großen Tochter hätte sie sich bisher geweigert, dies zu tun.

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Die Maßnahmen der Regierung halten die Werbings für durchaus angemessen und richtig, schwierig sei nur die Tatsache gewesen, dass niemand gewusst habe, wie lange es gehen soll. „Natürlich haben wir uns auch gelegentlich gefragt, ob unser Tagesablauf wohl die nächsten Jahre so aussehen soll“, gesteht die Franziska Werbing. „Und als die Welt sich wieder geöffnet hat, habe ich mich dann gefragt, was mit meinen Kindern ist.“

Die Maßnahmen zur Rückkehr zur Normalität seien in diesem Bereich sehr schleppend gewesen, da sind sich beide Elternteile einig. „Einem Betrieb kann man in dieser Situation helfen, indem man ihm Geld gibt, einer Familie nicht“, so Vater Sebastian „Wenn niemand zur Betreuung da ist, dann hilft auch kein Geld. Die Familien wurden mit dem Problem einfach allein gelassen.“

Kinder vermissen ihr Umfeld

Sowohl Viktoria als auch Olivia haben ihre Freunde und ihr gewohntes Umfeld vermisst, auch wenn sich die Schule und auch der Kindergarten sehr viel Mühe gegeben haben, Kontakt zu halten. Besonders bei der dreijährigen Olivia hätte man aber mit der Zeit aber bemerkt, dass der Kindergarten gar nicht mehr präsent sei. „Als Familie hat uns die Zeit aber eher enger zusammengebracht“, bilanziert Franziska Werbing.

Papa springt als Lehrer ein

Viktoria wurde zuhause von ihrem Vater unterrichtet, und auch hier sieht sich die Familie in einer vorteilhaften Situation: Zur Zeit des Lockdowns hätte die Tochter schon fast alle Buchstaben gekonnt, was vieles sehr viel leichter gemacht habe. Den Stoff der Grundschule habe man natürlich auch eher parat als so manches, das in einer weiterführenden Schule gelehrt werde, und noch dazu sei die Unterstützung durch die Klassenlehrerin sehr gut gewesen. „Das Ganze war einfach richtig gut organisiert, so sind wir da hineingewachsen.“

Aktuell geht Viktoria alle zwei Wochen für eine Woche zum Präsenzunterricht mit halber Klassenstärke, dies allerdings findet sie „etwas komisch“ und ist froh, dass ihre Freundinnen in der gleichen Gruppe sind. Papa sei ein guter Lehrer gewesen, sagt sie, freut sich aber dennoch, wenn das in Zukunft wieder ihre Lieblingslehrerin übernimmt.

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