In Werkstätten wird gehämmert, geschraubt und gebohrt. Praktisches wie Kreatives entsteht dort. In einer Serie werfen wir einen Blick in verschiedene Werkstätten der Region und sind überrascht, was es alles zu entdecken gibt. Heute: Roland Kistner, der als Künstler bekannt für die Rhynasen am Rheinuferweg ist, und in seinem Atelier jetzt auch keltische Keiler fertigt.

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An der Stützmauer kurz hinter der geschwungenen Brücke über den Dürrenbach auf dem Rheinuferweg hängt seit kurzen ein steinerner Eber. Das mit Ornamenten und Runen verzierte Wildschwein stammt aus der Hand des Künstlers Roland Kistner, der den Weg schon mit Drachenfiguren und den Rhynasen bereichert hat. Auch die neue Skulptur hat er unweit in seinem Atelier im Höllhooge-Haus gefertigt.

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Licht fällt durch Fenster in den großen Raum unterm Dach, in dem neben Arbeitsmaterialien und Werkzeugen auch Kunstwerke Kistners und Modelle stehen oder an den Wänden hängen. Auch der Keiler prangt hier schon als Wandtattoo.

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Kistner war der Keiler vor ein paar Jahren als Tätowierung aufgefallen. Auf seine Nachfrage hieß es der Keiler sei keltischen Ursprungs. Kistner begann zu recherchieren und stieß auf zahlreiche Varianten. Der Keiler ist eine Darstellung auf keltischen Schmuckstücken wie Broschen oder Armreifen, der auch auf keltischen Münzen Verwendung fand. Der Keiler wurde über die Jahrhunderte immer wieder von Künstlern und Handwerkern als Motiv aufgegriffen. „Ich finde diese Kraft und Dynamik, die der Keiler ausstrahlt, interessant“, erklärt Kistner.

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Die ursprüngliche Absicht hinter der Darstellung kennt er nicht. Für ihn steht die Freude am Tun im Vordergrund. „Es hat mir gefallen und dann hat es sich verselbständigt“, sagt Kistner. Von der Idee bis zur Realisierung hat es dann noch etwas gedauert. Vergangene Weihnachten fand Kistner die Zeit, das Motiv von einer nur einen Zentimeter großen Münze erst zeichnerisch zu vergrößern und die Skizze auf eine Buchenholzplatte zu übertragen. Zur Erstellung des Holzmodells setzte der Künstler alle Werkzeuge vom Stechbeitel bis zur Fräsmaschine ein. „Ich benutzte alles, was möglich ist, um den Arbeitsprozess zu vereinfachen“, meint Kistner.

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Mit dem Holzmodell fertigte er die Silikonform für den späteren Guss und die Stützform für die elastische, mehrfach verwendbare Silikonform an. Der Keiler ist mit Ornamenten und Runen verziert. Die Runen ergeben auch eine Botschaft, die man mittels einer Übertragung ins lateinische Alphabet übersetzen kann. Beim Holzmodell fehlen die Füße, damit die Formen nicht zu groß werden und das Handling einfacher ist. Für die Füße hat Kistner separate Silikon- und Stützformen erstellt. Die Füße werden nachträglich mit Hochleistungskleber und nicht sichtbaren Alublechen angebracht.

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In die Ornamenten hat Kistner zur Ausrichtung der Füße Positionszeichen eingearbeitet. Zum Gießen benutzt er seine eigene Zementmischung, mit der auch die Rhynasen gegossen werden. Durch ein vorheriges Präparieren der Silikonform mit sogenannten ferritischen Farben kann Kistner die graue Zementmasse mit erdigen Tönen einfärben. Der Keiler tritt auch mit Schattierungen sowie in Rot oder Gelb auf. Vor dem Guss fixiert Kistner eine Schablone auf den Formen, mit der er an festgelegten Positionen Aufhängmöglichkeiten in die Rückseite des Keilers einarbeitet.

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Wahlweise sind das in der Zementmasse eingegossene Gewindestangen oder zwei Löcher für Haken, die er beim Guss mittels Neopren-Haken ausspart, die er nach dem Austrocknen wieder herausziehen kann. Die Positionen korrespondieren mit einer weiteren Bohrschablonen. 28 Tage dauert es bis eine Skulptur durchgetrocknet ist. Schon elf Eber hat er gegossen.

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