Umzug, Zunftabende, Narrenbaumstellen, Ordensempfang, Nierliessen, Narrenmeile, Guggenkonzert wird es in der Fasnachtssaison 2020/21 nicht geben: Nachdem die Karsauer Narren ihre Dorffasnacht bereits abgesagt haben, akzeptierten auch die Vertreter der Rheinfelder Cliquen an der Jahreshauptversammlung der Narrenzunft das Unabwendbare.

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Zunftrat Rainer Schick verlas die aktuellen Vorschriften der Stadt für Veranstaltungen in Hallen: Einlasskontrolle, zugewiesene Plätze, Datenerfassung, Mundschutzpflicht, maximal 150 Menschen im Bürgersaal (inklusive Veranstalter). Die rund 60 Vertreter der Cliquen, die am Mittwochabend in der Sporthalle der Hans-Thoma-Schule in Warmbach in großem Abstand in Reih und Glied saßen, waren sich einig, dass unter diesen Bedingungen keine Bälle, Konzerte, Partys oder Brauchtumsabende in wirtschaftlich vertretbarem Rahmen würden stattfinden können.

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Auch für Veranstaltungen im Freien sieht es laut Schick nicht besser aus: Es gelten genauso Mundschutzpflicht, Datenerfassung und zugewiesene Plätze; zusätzlich müsse der komplette Veranstaltungsbereich abgezäunt werden. Zwar sei eine solche Veranstaltung zum Beispiel im Tutti Kiesi mit Bühne in der Mitte und unterteilten Bereichen für die Zuschauer vorstellbar; Schick warnte aber: „Wenn sonst nichts stattfinden kann, wäre eine solche Veranstaltung mit Sicherheit völlig überlaufen.“ Auf die Zustände außerhalb der Absperrung hätten die Veranstalter dann kaum Einfluss: „Dann kann schnell die Polizei kommen und die Veranstaltung beenden.“ Nein, es gab keine Neuigkeiten, die den Rheinfelder Narren Mut gemacht hätten, es doch noch mit der ein oder anderen Traditionsveranstaltung zu probieren.

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Entsprechend einstimmig bei wenigen Enthaltungen fiel dann auch die Abstimmung aus, ob Rheinfelden ganz auf die Fasnacht 2021 verzichten solle. „Tradition ist wichtig, aber Gesundheit geht vor“, sagte Oberzunftmeister Michael Birlin mit schwerem Herzen. Dass die Zunftabende und der Große Umzug am Fasnachtssonntag nicht stattfinden werden können, war der Zunftleitung schon im Vorfeld in Gesprächen mit Oberbürgermeister Klaus Eberhardt am 4. August und dem städtischen Ordnungsamt am 16. September klargeworden.

Besonders bitter für Dinkelberggeister

Birlin berichtete, auch das Narrentreffen der Waldstädte in Tiengen sei abgesagt worden ebenso wie der Konvent der fünf zugehörigen Narrenzünfte am Elften Elften. Alle Ehrungen und Ordensverleihungen der Narrenzunft, die 2021 anstünden, werden auf 2022 verschoben. Von den Plaketten wurden laut Birlin zwar 150 goldene gepresst; sie werden aber ebenfalls erst zur Saison 2022 in den Verkauf kommen. Das Sujet soll bis dahin geheimbleiben; laut Birlin ist es aber ein Motiv ohne Jahreszahl. Besonders bitter ist die abgesagte Fasnacht für die Dinkelberggeister, die ihr 50-Jahr-Jubiläum 2021 um ein Jahr verschieben müssen. Cliquenchef Jürgen Zöhner konstatierte gegenüber der Zeitung: „Mit diesen Auflagen ist eine Fasnacht fast nicht durchzuführen.“ Die Clique werde sich trotzdem überlegen, „was sinnvoll ist“. Für ihn sei aber wichtig: „Fasnacht ist Tradition; aber sie findet auch immer für die Bevölkerung statt.“ Eine Fasnacht ohne Zuschauer sei wie Fußballspiele ohne Stadionpublikum.

Schriftführerin Petra Grießl-Birlin riet den Cliquen hingegen, sich trotz allem über die Fasnachtssaison intern zu treffen. „Gerade in diesen Zeiten ist die Gefahr groß, dass sich Mitglieder abwenden“, meinte sie. Das gelte vor allem für Musiken. Grießl-Birlin ist selbst Mitglied der Schmugglermusik der Schmugglergilde Warmbach und entwarf für die Proben ein laut eigener Aussage „Sechs-Seiten-Gesundheitskonzept“ in Anlehnung an den Badischen Blasmusikverband.

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