Demokratie funktioniert nur, wenn sich die Bürger einbringen und auch einbringen können – vor allem vor Ort. Die Stadt Rheinfelden hat deshalb zusammen mit dem Lörracher Theater Tempus fugit das Projekt „Demokratische Verantwortung stärken“ gestartet, das das Land Baden-Württemberg mit rund 60.000 Euro fördert. Los ging es am Montag mit einem digitalen Kick-Off mit 30 Akteuren der Rheinfelder Stadtgesellschaft.

Das Projekt

„Demokratie heißt, nicht nur wählen gehen können und müssen – Demokratie lebt von Engagement und Courage“, sagte Bürgermeisterin Diana Stöcker zum Auftakt. Und: Demokratie finde nicht nur „oben“ statt, sondern vor allem dort, wo Menschen zusammen leben – in einer Stadtgesellschaft. Mit dem Projekt „Demokratische Verantwortung stärken“ will die Stadt daher die Beteiligung der Menschen ausbauen. Die Partizipation habe durchaus schon einen hohen Stellenwert in Rheinfelden, so Stöcker, etwa im Konzept für Integration und Teilhabe oder beim Wertejahr.

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Das neue Projekt soll nun „alle in der Stadt erreichen“, sagte Dario Rago, Leiter der Stabsstelle Integration und Flüchtlinge. Es gehe darum, das Miteinander zu fördern, den Umgang mit Widerspruch und mit Andersdenkenden. „Gerade in der aktuellen Zeit sieht man, wie brennend das Thema ist“, sagte Rago mit Blick auf die Corona-Pandemie. Insofern freue sich die Stadt über die Förderung des Landesministeriums für Soziales und Integration über rund 60.000 Euro – auch weil das Projekt dadurch den angespannten Haushalt der Stadt nicht belastet.

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Die Stadt Rheinfelden arbeitet dabei eng zusammen mit dem Lörracher Theater Tempus fugit. Immer wieder merke man bei Projekten, so Leiterin Karin Maßen, „dass das demokratische Bewusstsein sinkt“. Viele Schüler hätten beispielsweise wenig Bewusstsein dafür, welche Verantwortung sie für ihre Mitmenschen haben.

Langfristige Strukturen

Das Rheinfelder Projekt soll dabei „keine Eintagsfliege“ sein, sondern es sollen sich langfristige Strukturen entwickeln. Eingebunden werden sollen die verschiedensten Akteure der Stadtgesellschaft, vom Jugendreferat und dem Jugendhaus, dem Tutti Kiesi und den Schulen über das Familienzentrum, die Quartiersarbeit, die Awo, die Kirchengemeinden oder den Freundeskreis Asyl bis hin zur Stadtverwaltung.

Die Umsetzung

Von der Projektidee zeigten sich die Teilnehmenden beim Kick-Off begeistert, wollten aber auch wissen, wie diese denn ausgestaltet werden soll – aber genau das soll sich erst aus der Zusammenarbeit heraus entwickeln. Gemeinsam mit den Akteuren soll geschaut werden, welche Möglichkeiten der Beteiligung es bereits gibt, welche Zielgruppen erreicht werden und wie man das Ganze ausbauen kann. Das könne sowohl auf interne Workshops in den Organisationen hinauslaufen als auch auf externe Angebote für bestimmte Zielgruppen, erklärte Maßen.

Die ersten Ideen

Beim Kick-Off entstanden auch schon erste Ideen: Im Familienzentrum könnte es eine interne Schulung geben zur Frage, wie tolerant und vorurteilsfrei die Mitarbeitenden selbst arbeiten, außerdem könnte es einen Workshop mit Eltern und Kindern geben zur Frage, wie man das Zuhören übt, eine Grundvoraussetzung der Demokratie. Die Quartiersarbeit könnte mit Straßentheater in die Quartiere gehen und sich dabei dem Thema Chancen auf Teilhabe mit Blick auf Kinderarmut annehmen. Bei einem Seniorentreff der Awo könnten junge Schauspielende von Tempus fugit einen Streit inszenieren und so mit den Senioren ins Gespräch kommen zum Thema Konfliktlösung. Besonders die Idee eines Generationendialogs stieß auf große Zustimmung.

Auswirkungen direkt sehen

Gerade für Jugendliche, sagte Andreas Kramer, Leiter des Jugendreferats, sei es wichtig, zu sehen, dass ihre Beteiligung auch konkrete Auswirkungen hat, etwa beim 8er-Rat. Dafür könne man methodisch etwas mit dem Tempus fugit erarbeiten. Auch Anna Hinnah, Leiterin des Jugendhauses, zeigte sich vom Ansatz des Projekts überzeugt: Partizipation sei eine zentrale Säule bei der offenen Jugendarbeit, sodass dies ohnehin schon ein wichtiges Thema für ihre Arbeit sei. „Dabei läuft viel über Diskussionen, denn allein schon öffentlich seine Meinung zu sagen, ist ja der erste Schritt.“ Allerdings: „Die prekäre Gruppe erreichen wir nicht.“ Gemeinsam mit dem Tempus fugit könne man überlegen, wie man eben bestimmte Milieus ansprechen kann.

Zufällige Treffen

Eine weitere Idee, die beim Kick-Off aufkam, sind Treffen von zufällig ausgewählten Bürgern der Stadt, um für andere Meinungen zu sensibilisieren. Dabei sollen vor allem auch die Menschen erreicht werden, die bislang in keinem Netz verankert sind. All diese und weitere Ideen sollen nun konkretisiert werden – damit man am Ende die Vielfalt der Gesellschaft widerspiegeln kann, sagte Maßen.

Der Zeitplan

Nachdem nun also das Projekt offiziell gestartet ist, geht die Projektgruppe aus Mitarbeitenden der Stadt und von Tempus fugit in die Recherche. Gemeinsam mit den Netzwerkpartnern soll überlegt werden, welche Zielgruppen man wie erreichen könnte. Ab 2022 sollen dann die Ideen umgesetzt werden, etwa in Form von interaktiven Workshops. Ende 2023 ist die Auswertung mitsamt einer öffentlichen Reflexionsveranstaltung geplant.