Seit September vergangenen Jahres klafft mitten in der Innenstadt von Rheinfelden eine Lücke, wo einst das Teelädele und die benachbarte Modeboutique Look standen. Am Montag hat die Top Invest GmbH nun mit den vorbereitenden Arbeiten am Neubau an der Karl-Fürstenberg-Straße begonnen. Dass es sich so lange hingezogen hat, liegt laut Rolf Brugger am zähen Genehmigungsverfahren. Das hat nun immense Auswirkungen.

Mehr oder weniger von der Hand in den Mund – so beschreibt Rolf Brugger das aktuelle Vorgehen am Projekt. Denn weder sei gesichert, ob genügend Handwerker zu finden seien, noch, ob das benötigte Material rechtzeitig zur Verfügung stehe. Letzteres betreffe nicht unbedingt den Rohbau, sondern vor allen Dingen den anschließenden Ausbau des geplanten Wohn- und Geschäftshauses. „Isolierungen, Platten, Fenster“, listet Brugger auf.

Ebenfalls kaum abschätzen ließen sich derzeit die finanziellen Auswirkungen der Verzögerung. Mit zehn Millionen Euro hatte die Top Invest GmbH kalkuliert, wie sich diese Summe weiter entwickeln werde, sei schwer zu sagen. Das wird auch Auswirkungen auf die Wohnungspreise haben. „Wir forcieren derzeit die Ausschreibungen, um Planungssicherheit zu haben“, erklärt Brugger im Gespräch mit dieser Zeitung.

Als die Top Invest GmbH 2019 das Projekt startete, ging Brugger davon aus, dass es sich um eine Lückenbebauung handeln würde. „Dann wären wir jetzt schon fertig und bezogen“, sagt er. Aber es kam anders, denn das Wohn- und Geschäftshaus war mit dem damals gültigen Bebauungsplan „Stadtgebiet Teilbereich IV“ nicht kompatibel. Dieser wurde in mehreren Runden so angepasst, dass er auch die Steffen-Häuser am Oberrheinplatz umfasst, deren Ensemble-Charakter mit sehr engmaschigen Vorgaben an künftige Bauherren bewahrt werden soll. Die Sorge um diese historischen Gebäude und das künftige Aussehen der Fußgängerzone hatte die Stadt 2020 stark beschäftigt. Als im September
2021 die Bagger anrückten, um Teelädeli und Modeboutique abzureißen, ging Geschäftsführerin Caroline Donche-Brugger noch davon aus, dass Ende Jahr mit den Bauarbeiten begonnen werden könne. Dass ein weiteres halbes Jahr ins Land gezogen ist, liegt laut Brugger am Genehmigungsverfahren: „Das ist für alle Investoren ein großes Problem.“

Angesichts des Ukraine-Krieges und den damit verbundenen Lieferengpässen und Preissteigerungen, hätte es es nur eine Alternative gegeben. „Das Projekt ruhen lassen“, so Brugger. Aber dann wäre wahrscheinlich über Jahre die „fürchterliche Brache“ mitten in der Fußgängerzone geblieben. Genau diese Brache hat ebenfalls für Kritik gesorgt und auch Brugger wurde mehrfach darauf angesprochen. Dass die beiden Häuser so frühzeitig abgebrochen wurden, habe jedoch Gründe gehabt. „Gerade das Teelädele war in einem sehr schlechten Zustand und baufällig.“ Es sei daher nicht zu verantworten gewesen, sie länger leer stehen zu lassen.