Mit den weiterhin hohen Corona-Infektionszahlen werden die Rufe nach mehr Homeoffice immer lauter. Am Freitag sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: „Gehen Sie nicht ins Büro, wenn Sie nicht zwingend müssen.“ Bislang lehnt die Bundesregierung eine Homeoffice-Pflicht für Unternehmen aber ab. Diese Zeitung hat bei den großen Arbeitgebern in Rheinfelden und Grenzach-Wyhlen nachgefragt, wie viele Mitarbeitende aktuell von zu Hause arbeiten – und wie das läuft.

Die Verwaltungen

  • Bei der Stadt Rheinfelden sind laut dem Personalleiter Jörg Höferlin insgesamt 460 Mitarbeitende beschäftigt – dazu zählen aber auch die der Technischen Dienste oder der Kindergärten, die nicht von zu Hause arbeiten können. Von denjenigen, die das können, täten es aktuell 44, wobei 31 davon bereits vor der Corona-Krise teilweise in Telearbeit gearbeitet hätten, erzählt Höferlin. Diese hätten den Anteil der Zeit, die sie von zu Hause arbeiten, teilweise erhöht.

Von den 13, die erst seit Beginn der Corona-Pandemie Homeoffice in Anspruch nehmen, arbeiteten neun ausschließlich von zu Hause. Sie alle hätten von der Verwaltung Laptops bekommen. „Bisher haben wir bei unserer alternierenden Telearbeit überwiegende positive Erfahrungen gemacht“, sagt Höferlin. Wer komplett von zu Hause aus arbeite, vermisse nach einer gewissen Zeit aber die sozialen Kontakte.

  • 260 Angestellte hat die Gemeinde Grenzach-Wyhlen, wobei 76 von ihnen in der Kernverwaltung arbeiten, sagt Bürgermeister Tobias Benz. Wiederum 36 davon arbeiteten derzeit von zu Hause. „Schon als ich hier anfing, haben wir begonnen, eine Homeoffice-Kultur einzuführen“, sagt Benz. 21 Kollegen hätten davon schon vor der Corona-Krise Gebrauch gemacht. „Wir wissen, dass wir als Verwaltung monetär nicht mit der Schweiz oder der Industrie mithalten können, und müssen anderweitig attraktiv sein.“ Daher sei auch die Umstellung in der Krise kein Problem gewesen. Er selbst sei ein Fan vom Homeoffice: „Wenn man den Arbeitnehmern das Vertrauen entgegen bringt, bekommt man es zigfach entgolten“, ist Benz überzeugt. Und die Unternehmen in der Doppelgemeinde gingen in der Krise „sehr verantwortungsvoll“ mit dem Schutz ihrer Mitarbeiter um – „da braucht es keine Appelle“, sagt der Bürgermeister.

Die Unternehmen

  • Etwa ein Drittel der Mitarbeitenden sind bei der Sparkasse im Homeoffice, sagt Vorstandsvorsitzender Rainer Liebenow. „Wir gehören zur kritischen Infrastruktur, wir können nicht alles dicht machen.“ Aber wo es gehe, mache das Unternehmen Heimarbeit „gerne“ möglich. „Ich gehe selbst mit gutem Beispiel voran“, sagt Liebenow. „Sonst wäre es unglaubwürdig.“ Vor zwei Jahren sei man die Digitalisierung angegangen, sodass entsprechende Geräte schon vor der Krise angeschafft gewesen seien. Die Computer seien mit hohen Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet – was aber auch dazu führe, dass Mitarbeitende zu Hause nicht ausdrucken könnten. Auch nach der Krise solle die Möglichkeit zum Homeoffice beibehalten werden.
  • Schwierig ist die Heimarbeit in einer Einrichtung wie dem St. Josefshaus. Nur 60 der rund 860 Mitarbeitenden seien in der Verwaltung tätig, sagt Sprecher Andreas Gräff. Diese nutzten das Homeoffice-Angebot in unterschiedlichem Umfang. „In der Praxis hat sich gezeigt, dass eine Kombination aus Homeoffice und Vor-Ort-Präsenz die beste Lösung für viele Mitarbeiter ist, auch wenn diese Arbeitsform kommunikative Herausforderungen mit sich bringt.“ Ein neues Kommunikationstool sei eingeführt worden, über das unabhängig von der Anwesenheit im Büro kommuniziert werden könne.
  • Bei Energiedienst arbeiten in Rheinfelden rund 450 Menschen, in Wyhlen rund 15, sagt Sprecher Axel Langer. Von denen in Rheinfelden seien etwa zwei Drittel im Büro tätig, in Wyhlen „nur wenige“. Genaue Zahlen, wie viele davon in Heimarbeit tätig sind, habe das Unternehmen nicht – Energiedienst strebe aber an, „wo möglich Homeoffice umzusetzen“. Ziel sei eine Quote von 50 bis 75 Prozent. Dazu sei die benötigte Software und Hardware ausgebaut worden, etwa eine firmeninterne App mit Chatfunktion eingeführt. So habe das Unternehmen „einen großen Fortschritt beim digitalen Arbeiten gemacht“. Bei den Mitarbeitenden in den Kraftwerken oder bei den Stromnetzen seien getrennte Teams gebildet worden.
  • Etwa 60 Prozent der rund 1200 Mitarbeitenden am Standort Rheinfelden von Evonik arbeiten in den Produktionsbetrieben – und können daher nicht ins Homeoffice, sagt Sprecherin Katharina Fraune. Bei allen anderen würden sehr bewusst flexible Arbeitsweisen genutzt. Es gebe eine hohe Bereitschaft zum mobilen Arbeiten. Die bisherigen Erfahrungen zeigten, „dass insbesondere die verwaltungsnahe Tätigkeit ganz überwiegend auch außerhalb des Büros erledigt werden kann.“
  • Bei der Roche Pharma AG hat die Mehrheit der 1500 Mitarbeitenden in Grenzach-Wyhlen die Möglichkeit, mobil zu arbeiten, sagt Sprecher Christian Busch. Das Unternehmen habe eine interne Informationsreihe ins Leben gerufen, um den Mitarbeitenden den Umstieg zu erleichtern. Gleichzeitig brauche es aber bestimmte Mitarbeitende vor Ort, um die Patientenversorgung sicherzustellen.
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  • Etwa 100 der rund 700 Mitarbeitenden bei DSM arbeiten derzeit von zu Hause, sagt Sprecherin Petra van Veen. „DSM Grenzach ist ein Produktionsstandort und natürlich ist für einen Großteil unserer Mitarbeiter die persönliche Anwesenheit notwendig.“ Wo die Heimarbeit möglich sei, seien die Erfahrungen „sehr gut“.
  • Bei BASF sind rund 200 Mitarbeitende beschäftigt, etwa 80 bis 100 arbeiten dauernd oder teilweise von zu Hause, sagt Sprecher Franz Kuntz. „Unsere Erfahrungen und die Rückmeldungen von unseren Mitarbeitenden zeigen, dass man sehr gut von zu Hause aus arbeiten kann.“ Allerdings fehle der soziale Aspekt: „Welchen Einfluss der persönliche Austausch auf Kreativität, Innovation und für das soziale Klima im Unternehmen hat, ist zurzeit nur schwer zu bewerten.“