In einer Serie stellen wir Kirchen vor. Die katholische St. Gallus-Kirche in Eichsel bestand womöglich schon im neunten Jahrhundert. Mit der Kirche eng verbunden ist die Legende um die drei heiligen Jungfrauen Kunigundis, Mechtundis und Wibranda.

  • Geschichte: Laut der Legende gehörten Kunigundis, Mechtundis und Wibranda zur Gefolgschaft der Heiligen Ursula, die im fünften Jahrhundert eine Wallfahrt nach Rom unternahm. Auf der Rückreise erkrankten die drei Begleiterinnen. Sie verstarben auf dem Dinkelberg und wurden bei der Kirche in Eichsel beigesetzt. Aufgrund von Wunderheilungen wurden die drei Jungfrauen 1504 heilig gesprochen. Seit dieser Zeit findet auch im Juli der Eichsler Umgang statt.
Seitenaltar mit den Gebeinen der heiligen drei Jungfrauen.
Seitenaltar mit den Gebeinen der heiligen drei Jungfrauen. | Bild: Horatio Gollin

Auf der linken Seite im Chorraum bedeckt eine Bodenplatte die ehemalige Grabstätte der drei Jungfrauen, die 1504 aus dem Grab genommen und in Reliquienschreine gebetet wurden. Der rechte Seitenaltar ist den Jungfrauen gewidmet, wo heute ihre Gebeine zu sehen sind. Ob die Knochen wirklich den Jungfrauen zuzuordnen sind, ist nicht bestätigt, schränkt Hans Strobel ein, der bis 2015 dem Kirchengemeinderat angehörte. Die beiden Seitenaltäre und der Hauptaltar wurden 1899/1900 durch die Kunstwerkstätte Marmon aus Sigmaringen errichtet. Der Hauptaltar ist mit Szenen aus der Passionsgeschichte geschmückt. Auf dem linken Seitenaltar steht eine Maria-Königin-Statue.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Architekt: Durch einen Blitzschlag geriet das Pfarrhaus 1719 in Brand und alle Unterlagen fielen den Flammen zum Opfer. „Einen Architekten oder Baumeister zu benennen ist bei der Sachlage ausgeschlossen“, sagt Strobel. Man nimmt an, dass eine erste kleine Kirche bereits um das Jahr 900 bestand, obgleich Eichsel erstmals 1192 urkundlich erwähnt wird. Für 1286 ist eine Erweiterung belegt. 1810 wurde mit langwierigen Renovierungsarbeiten begonnen und 1899 bis 1900 wurde der Chorraum erweitert. 1978 und 1979 erfolgte eine weitere Renovierung der Kirche mit der Wiederherstellung des ursprünglichen gotischen Zustandes. „Dabei ist durch die neu eingezogene Kassettendecke die ursprüngliche übermalte Decke abgedeckt worden“, erläutert Strobel.
Das könnte Sie auch interessieren

Beim Kirchturm ist nicht ausgeschlossen, dass es sich ursprünglich um einen Wehrturm handelte. 1852 wurde der Turm aufgestockt. Die älteste der vier Glocken stammt von 1687 und ist der Heiligen Kunigundis geweiht.

  • Name der Kirche: Auf einem Fenster links vom Altar ist der Heilige Gallus dargestellt, der Patron der Kirche ist. Strobel erklärt, dass bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts die irische Herkunft des Heiligen als sicher galt. Die neuere Forschung nimmt an, dass er zwar irische Vorfahren hatte, aber aus dem deutsch-französisch-sprachigen Raum Vogesen-Elsass stammt. Gallus ist bekannt für die Missionierung der Menschen im Bodenseeraum und als Begründer des Kloster St. Gallen. Er soll auch mit Tieren geredet haben und wird er häufig mit einem Bären dargestellt wie auf dem Fenster im Chorraum der St. Gallus-Kirche. Das Fenster daneben zeigt die Heilige Ursula und die Fenster rechts vom Altar zeigen die Heiligen Bernhard von Baden und Konrad von Konstanz.
  • Besonderheiten: Im Kirchenschiff ist neben dem Ausgang eine Madonna mit Kind platziert, die aus der erste Hälfte des 16. Jahrhunderts stammt und in den 1980er Jahren restauriert wurde. Die 1978/79 neu eingesetzten Fenster hat der Freiburger Künstler Hans Günther van Look gestaltet. Der Zelebrationsaltar und der Ambo wurde 1981 vom Rheinfelder Bildhauer Leonhard Eder erschaffen, berichtet Strobel. Erwähnenswert ist auch die auf 1829/30 datierte Orgel von Franz Joseph Merklin aus Oberhausen. Das Instrument wurde mehrfach umgebaut etwa 1876 durch Fridolin Merklin und 1898 durch August Merklin. Viele Merklin-Orgeln stehen heute unter Denkmalschutz. „Unsere Eichsler Orgel wurde nach der 1981 erfolgten Rückversetzung in die ursprüngliche Fassung durch die Firma Fischer und Krämer aus Endingen ebenfalls unter Denkmalschutz gestellt“, sagt Strobel.
Das könnte Sie auch interessieren
  • Nutzung: Die St. Gallus-Kirche als eines der Gotteshäuser in der Seelsorgeeinheit Rheinfelden wird für Gottesdienste genutzt. „Aufgrund ihres Charmes wird sie aber auch von vielen Paaren beider Konfessionen zur kirchlichen Trauung genutzt“, erklärt Marco Kummer vom Pfarrgemeinderat. „Hierbei bietet das Ensemble mit dem wunderschönen Pfarrhaus, dem Pfarrgarten und der Pfarrscheune einen würdigen Rahmen, letztere wird dann auch gerne für die Feierlichkeiten genutzt.“ Seit vielen Jahren findet auch schon die traditionellen Silvesterkonzerte in der St.-Gallus-Kirche statt.