Das Corona-Jahr 2020 erschwert auch die Arbeit des Rheinfelder Integrationsmanagements: Viele Projekte konnten nicht wie geplant stattfinden. Gleichzeitig war der Bedarf an Beratung in diesem Jahr ungleich größer. Das zeigte der Bericht von Dario Rago, Leiter der Stabsstelle Integration und Flüchtlinge, im Sozialausschuss. Insgesamt gelinge die Integration gut, die Arbeit der Stabsstelle bleibe aber weiterhin wichtig.

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Aktuell leben 359 Geflüchtete in Rheinfelden, für die das städtische Integrationsmanagement zuständig ist. Dazu kommen die Menschen, die in der Gemeinschaftsunterkunft (GU) in der Schildgasse leben – für die ist jedoch das Landratsamt zuständig. Von den 359 Menschen leben 57 Prozent zentrumsnah, sagte Rago: „Das ist bemerkenswert, in anderen Kommunen leben viele Geflüchtete eher in Randbezirken.“

Die Zahl an Geflüchteten in Anschlussunterbringung sei in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Und das obwohl der Stadt vom Kreis keine weiteren Menschen zugewiesen worden seien: „Rheinfelden hat sein Pensum übererfüllt“, so Rago. Aber viele Menschen fänden hier privat eine Wohnung und blieben nach ihrer Zeit in der GU in Rheinfelden.

Syrien bleibe mit 43 Prozent das häufigste Herkunftsland – gefolgt von der Türkei (16 Prozent) und verschiedenen afrikanischen Staaten (zusammen elf Prozent). Diese beiden Gruppen würden immer größer, so Rago. In der GU sei das Verhältnis bereits andersherum, weniger Syrer, dafür mehr Türken und Afrikaner. „Die Struktur der Geflüchteten wandelt sich“, sagte Rago. Er sieht „die politische Landschaft in der Türkei“ als Erklärung.

Wie schon in den vergangenen Jahren sei die Mehrzahl der Geflüchteten männlich (57 Prozent). „Unsere Geflüchteten sind sehr jung“: Rund 70 Prozent seien höchstens 35 Jahre alt, mehr als 30 Prozent seien minderjährig. Ungewöhnlich, aber sehr erfreulich sei, dass die Mehrheit selbst privaten Wohnraum finde: 316 Menschen, also 88 Prozent, leben in direkten Mietverhältnissen, so Rago. „Das kann sich sehen lassen, auch mit Blick auf die Integration der Menschen.“ Es gebe in Rheinfelden einen Markt mit passenden Wohnungen: Vermieter mit eigener Migrationsgeschichte seien offener, auch gebe es Wohnungen, die so nicht auf dem freien Markt angeboten werden könnten.

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Das Integrationsmanagement in Rheinfelden besteht aus drei Vollzeitstellen, wobei 0,4 Stellenanteile davon für Schwörstadt zuständig sind. Die drei Stellen seien auch für 2021 und 22 durch Landesmittel finanziert. Die Manager betreuen die Geflüchteten in Fragen des Alltags – wobei das Ziel „Hilfe zur Selbsthilfe“ sei, so Rago. Im Jahr 2020 seien bislang 1475 Beratungsgespräche geführt worden – rund 28 Prozent mehr als 2019. „Das zeigt die Notwendigkeit des Integrationsmanagements vor Ort“, sagte Rago: Besonders durch Corona sei der Bedarf an Beratung größer.

Gleichzeitig habe man aber durch Corona einiges umstellen müssen. Beratungen sollten möglichst telefonisch oder per E-Mail erfolgen – was bei der Komplexität der Fragen und Sprachbarrieren nicht einfach sei, so Rago. Auch bei den Projekten sei die Stabsstelle „stark getroffen durch Corona“.

Aktuell stehe vor allem das Großprojekt zum Werte-Jahr 20/21 an, so Rago. Vom Land gebe es hier 40.000 Euro Förderung. Insgesamt seien 27 Teilprojekte geplant, laufen oder liefen bereits, etwa die Fotoaktion „Rheinfelden hält zusammen“, eine Wanderausstellung, Jugendgespräche oder der Awo-Einkaufsdienst.

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„Gerade jetzt sind Werte wichtig“, sagte Rago. Auch zukünftig würden die Zahlen weiter steigen, so Rago. Vor allem würden mehr Menschen aus afrikanischen Ländern kommen, die aufgrund ihres asylrechtlichen Status und ihres Hintergrunds oft einen höheren Betreuungsbedarf hätten. „Wir werden das Integrationsmanagement vor Ort weiter brauchen.“

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Dem stimmten die Ausschussmitglieder zu. Die Geflüchteten und das Integrationsmanagement seien ein wichtiger sozialer Bestandteil in der Stadt, sagte etwa Elke Streit (SPD). Sie und Felix Rogge (Grüne) fragten nach einer Statistik zu Ausbildung und Arbeit – die jedoch Rago zufolge schwierig aufzustellen sei, weil das Management nur Zugang zu den Menschen habe, die von selbst den Kontakt suchten. Viele machten vorbereitende Kurse, bevor sie arbeiten können, einige müssten auch auf Anerkennung ihrer Zertifikate warten. Auf Kreisebene hätten etwa die Hälfte der Geflüchteten Zugang zum Arbeitsmarkt, so Rago. Das hänge aber auch vom eigenen Engagement ab: „Wir sehen viele junge Frauen, die sehr motiviert sind.“

Pfarrer Joachim Kruse sagte, es werde deutlich, „wie kraftvoll die Stadt Integration lebt“. Ihn freue besonders, dass die GU mit Landesmitteln neu gebaut wird – so könnten die Menschen dort würdevoller leben. Und auch dass es in der Stadt dagegen keinen Widerstand gebe, freue ihn sehr. Auf Nachfrage von Süleyman Emre sagte Rago, es gebe insgesamt recht wenig abgelehnte Asylsuchende und wenig Abschiebungen – die durch Corona ohnehin ausgesetzt seien.