„Es war ein Abend der Herzensmomente, durch den Segen und die Musik, die in unseren Herzen Widerhall findet.“ Mit diesen treffenden Worten sprach Pfarrer Andreas Brüstle den Besuchern der musikalischen Segnungsfeier für Irmtraud Tarr in der St. Josefskirche aus der Seele. Die Rheinfelder Konzertorganistin spielte im besonderen kirchlichen Rahmen anlässlich ihres Geburtstags erstmals mit ihrem neuen Duopartner, dem in Basel lebenden Bandoneon-Virtuosen Marcelo Nisinman, bewegende Stücke unter dem Motto „Bach trifft Tango“.

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Irmtraud Tarr dankte eingangs den vielen Besuchern, die ihr über Jahrzehnte „die Treue gehalten haben“. Für die Musiker sei es eine schwierige Zeit „mit dem ewigen Stop and Go“. Für diesen Abend haben sie und Nisinman „Tröstliches, Zartes, Filigranes“ ausgesucht, auch Tangokompositionen, denn der Tango habe viel mit Traurigkeit und Melancholie zu tun. „Wir hoffen, dass diese Musik etwas in Ihnen berührt“, schickte Tarr dem Programm voraus.

Berührend und emotional

Sehr berührend, emotional und einfühlsam klang das Zusammenspiel von Bandoneon und Orgel. Da haben sich, wie der Klangeindruck bestätigte, zwei Persönlichkeiten gefunden, die in Temperament, Spielkultur, Feinfühligkeit und dem Gespür für Farben, Stimmungen und Rhythmus wunderbar zusammen passen.

Schon im ersten Song „Nature Boy“ von Eden Ahbez zeigte sich, wie reizvoll die unkonventionelle Kombination Bandoneon und Orgel klingt. Fein getönt und nuanciert klang das Spiel des Duos in zwei Präludien von Ignaz Moscheles nach J.S. Bach – entdeckenswerte melodisch-kontrapunktische Studie.

Melodien berühren die Seelen

Gefühlvoll und klangsensibel agierten die Organistin und der Bandoneonist auch in „Music for a While“ und der „Evening hymn“ des englischen Barockmeisters Henry Purcell, dessen melancholisch getönte Melodien die Seele der Zuhörer berührten. Besonders eindringlich und intensiv war das Spiel des Duos in der vom alten Tango inspirierten lyrischen „Canzone della Strada“ von Mulo Francel, in der Nisinman sein Bandoneon sehnsuchtsvoll, warm und beseelt klingen ließ.

Auch solistisch wusste Irmtraud Tarr bei ihrem Geburtstagskonzert zu bewegen, sei es in dem tänzerischen, freudig-bewegten, rhythmisch vitalen „Joy“ von Diane Bish, sei es im sanft wiegenden „Schafe können sicher weiden“ von Bach und der wehmutsvoll-klagenden Lamentation von Buxtehude.

Den Segen, den sich Irmtraud Tarr gewünscht hatte, nahm sie von der evangelischen Pfarrerin Beatrix Firsching entgegen. Der Segen sei „eine der stärksten Verbindungen von Gott zu uns Menschen“, sagte Firsching bei diesem feierlichen Moment.

Beim Schlussstück, einer Bearbeitung des Liedes „Der Mond ist aufgegangen“, kam zum fantastischen Klangerlebnis von Bandoneon und Orgel ein optisches hinzu: Die Puppenspielerin Claudia Olma agierte prächtig kostümiert als Feuervogel. „Die Musik wird in unseren Herzen nachwirken“, beschloss Pfarrer Brüstle den Abend.