Energiedienst (ED) und Stadtwerke haben am Freitag eine Absichtserklärung unterzeichnet, in der sie sich zu einer Kooperation in Sachen Nahwärme verpflichten. Damit werden aus Konkurrenten Partner. Ein seltener Vorgang, wie Daniel Weiß, Betriebsführer des städtischen Wärmenetzes, feststellte.

Denn auf dem „heiß umkämpften Energiemarkt“ versuche jeder „seinen Claim“ also seinen Bereich abzustecken. Für den Klimaschutz sei dies jedoch nicht zielführend und dass manche Prozesse so lange dauern, sei nicht immer ein technisches Problem, sondern auch ein „soziales“. Nur wenn sich Unternehmen nicht abschotteten, ließe sich das gemeinsame Ziel, das Klima zu schützen, erreichen. Der Wärmeversorgung komme dabei eine zentrale Rolle zu.

Das könnte Sie auch interessieren

Über einen längeren Zeitraum, so Eberhardt, habe es Gespräche mit ED gegeben; der heimische Energieversorger betreibt seit 2017 sein Nahwärmenetz Grendelmatt und speist seit vergangenem Jahr Prozesswärme von Evonik ein. Die Stadtwerke wiederum beziehen von Evonik Abwärme, um sie in ihr Nahwärmenetz einzuleiten, das seit 2015 besteht und derzeit erweitert wird. Mit Beginn der kommenden Heizperiode sollen die beiden getrennten Netze verbunden sein.

„Das ist mehr als plumper Rohrleitungsbau, dabei geht es um Regeltechnik, Steuerung und Fragen der Hydraulik“, so Stefan Schlachter, technischer Leiter bei ED. Leitungen werden für den Lückenschluss dennoch gebaut, 350 Meter sind nötig, um die Netze zu verbinden. „Im Mai sollen die Pläne für die genaue Trassierung vorliegen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Künftige Baugebiete mit Anschluss

Am Nahwärmenetz der ED hängen bislang 35 Abnehmer, wobei damit nicht einzelne Wohnungen gemeint sind, sondern Wohnblocks, etwa von der Wohnbau, oder Geschäftshäuser. „Perspektivisch soll die neue Flüchtlingsunterkunft angeschlossen werden“, so Schlachter.

Die Stadtwerke bringen rund 100 gebaute Anschlüsse mit, dazu zählen etwa die Schulen, das Bürgerheim, das Rathaus oder neu auch das Hochrheincenter. Auch das Seidenweber-Areal soll angeschlossen werden. Einen Anschlusszwang ans Wärmenetz gibt es nicht, nur bei künftigen Baugebieten – etwa Grendelmatt III – soll das vorgeschrieben werden. Die Kundenwerbung werde man künftig auch gemeinsam betreiben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mit dem Zusammenschluss vergrößere sich das Potenzial der Abwärmenutzung für die Stadt immens, zeigte sich Reichert überzeugt. „Das ist ein recht neues Thema, das geht nur in Partnerschaft.“ Auf die Frage, wer den ersten Schritt zur Kooperation getan habe, verwies Weiß auf eine BUND-Führung zum Thema Wärmenetz im vergangenen Sommer. „Da hatten sich gleich drei ED-Mitarbeiter angemeldet.“ Diese Interessensbekundung sei der endgültige Startschuss gewesen.

An den Stadtgrenzen soll das Wärmenetz nicht stoppen, mittelfristiges Ziel sei ein Wärmeverbund am Hochrhein. ED erstelle aktuell eine Machbarkeitsstudie für das Gebiet zwischen Rheinfelden und Grenzach-Wyhlen, um mögliche weitere Lieferanten für Abwärme zu prüfen.