Auf dem Hagenbacher Hof deutet Tage danach noch alles auf das Unwetter der Nacht auf den 16. Juli hin: Sperrmüll, verschmutzte Kleidung und Werkzeug, kaputte, ausgeschwemmte Autos. An den Außenwänden des großen Boxenlaufstalls ist zu erkennen, wie hoch das Wasser stand. Die Familie Vollmer ist schockiert, freut sich aber über die Welle der Solidarität, die vielen Helfer beim Aufräumen. Sogar Essen wird ihnen gebracht. Sorge bereitet ihnen aber die Versicherung.

Jörg Vollmer zeigt vor dem Boxenlaufstall, wie hoch das Wasser stand.
Jörg Vollmer zeigt vor dem Boxenlaufstall, wie hoch das Wasser stand. | Bild: Petra Wunderle

Im Waschraum laufen die neuen, aber gebrauchten Waschmaschinen und Trockner auf Hochtouren, im ganzen Erdgeschoss ist großes Durcheinander, die Aufräum- und Trockenarbeiten sind voll im Gange. Drinnen und draußen wirkt es öd. Und doch ist alles voller Hoffnung, denn es muss weitergehen. „Das Wohl der Tiere ist uns am wichtigsten, der Betrieb muss deshalb nahtlos weiterlaufen“, verdeutlicht Jörg Vollmer. Er und seine Ehefrau Verena Vollmer schätzen sich glücklich über die große Solidarität, die sie von ihren Mitarbeitern, Verwandten, Freunden und unbekannten Menschen erfuhren. Die Politik habe den Hof bei dieser Katastrophe aber noch nicht unterstützt.

Das Auto ist nicht mehr zu gebrauchen.
Das Auto ist nicht mehr zu gebrauchen. | Bild: Petra Wunderle

Verena Vollmer berichtet unter Tränen über das Geschehene und die Hilfe. Die Regenflut krempelte das Leben der Familie um. Wasser und Schlamm kamen vom Waidhof, vom Berg, von der Straße und vom Bach auf den Hof, wo sie eine große Milchwirtschaft mit je 200 Kühen und Jungvieh betreiben und jährlich zwei Millionen Liter Milch produzieren. Das Ehepaar erzählt voller Emotionen, was passiert ist und welche bürokratischen Hindernisse sich vor ihnen auftürmen.

Die Entdeckung

In der besagten Freitagnacht ging Verena Vollmer mit dem Welpen Akira vors Haus. Es regnete leicht, Familie und Mitarbeiter schliefen. Kurz vor 3 Uhr rief der Sohn an und brüllte ins Telefon, die Unterführung, also die Zufahrt zum Hof, stehe mindestens zwei Meter hoch unter Wasser. Er hatte sein bestandenes Abitur gefeiert, die Zufahrt zum Wohnhaus war versperrt.

Die Überschwemmung

Im Hof stand das Wasser etwa einen Meter hoch. In die Erdgeschosse des Wohn- und Nebenhauses, wo die Mitarbeiter wohnen, drang Wasser ein. Verena Vollmer wählte die Notrufnummer 112, schnell waren verschiedene Feuerwehrabteilungen vor Ort. Die Tiere im Boxenlaufstall standen bis zum Bauch im Wasser und gingen von alleine hinaus zum Futtertisch. „Es war ein Wunder, dass unter den Rindern nicht die Panik ausgebrochen ist. Glücklicherweise ist weder Mensch noch Tier zu Schaden gekommen“, sagt Jörg Vollmer im Nachhinein.

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Freundin Nadja Osieka startete eine Whatsapp-Gruppe , über die Katastrophe wurde in sozialen Medien berichtet. „Dann waren da plötzlich 150 Personen in der Gruppe und nach und nach kamen Menschen auf unseren Hof, um mit anzupacken, das war sehr berührend“, beschreibt Verena Vollmer. Auch Geschäftstreibende wie das Lohnunternehmen Keller und Björn Griener aus Wehr kamen mit Baggern, Traktoren und Mulden, Schaufeln und Eimern, bekämpften das Wasser und den vielen Schlamm und begannen, die überfluteten Zimmer auszuräumen und wieder zu putzen.

Die Schäden

Die Flutwelle aus Wasser und Schlamm vernichtete Schuhe, Kleidung, Nahrungsmittel, Haushaltsmaschinen und auch Möbel. 30 Kubikmeter Silage müssen entsorgt werden, wegen der Schäden auf den Feldwegen bot der Förster Soforthilfe an.

Das Aufräumen

Auf dem Hof wird täglich bis zu 17 Stunden gearbeitet. „Ohne die Hilfe ganz vieler Menschen wären wir verloren gewesen. Wir hätten noch wochenlang alles vom Schlamm befreit“, ist Verena Vollmer überzeugt. Nun sollen die Wohnhäuser renoviert sowie Sperrmüll und Geräte entsorgt werden – mit privaten Entsorgern, denn die Menge ist für die Abfallwirtschaft des Landkreises zu groß, teilte sie mit.

Die Versicherungen

Mit den Versicherungen laufe alles, so Jörg Vollmer. Doch er gibt zu bedenken: „Wenn jetzt nichts geht in Sachen Hochwasserschutz, kann passieren, dass der Versicherer von seinem Sonderkündigungsrecht gebraucht macht. Schon jetzt sind gewisse Sachen von der Versicherung ausgeschlossen, da wir am Gewässer und in einer Erdbebenzone leben. Das wäre dann bei einem nächsten Schaden der Todesstoß.“