Von Klassik bis Rock, vom Sketch bis zum Volkstanz: Ein buntes Programm flimmerte am Freitagabend bei der Online-Kulturnacht über die Bildschirme. Statt über die Plätze zu flanieren und von Bühne zu Bühne zu wandern, konnten die Kulturfans zu Hause auf dem Sofa originelle Videos, Aufzeichnungen und Trailer genießen: Ein alternatives Format in Corona-Zeiten, mit dem das Kulturamt den Künstlern eine virtuelle Plattform bot.

Live-Moderation im Bürgersaal

Der Bürgersaal wurde am Freitagabend in ein Sendestudio umfunktioniert. Kulturamtsleiter Claudius Beck fungierte auf der Bühne als Moderator bei dem zweistündigen Livestream. Souverän und gut aufgestellt erzählte er einiges über die Mitwirkenden und führte sympathisch locker durch diese etwas andere Kulturnacht.

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40 Beiträge von Musikern, Bands und Ensembles waren eingereicht worden, 27 konnten gesendet werden. An den Monitoren und Pulten saßen die Veranstaltungstechniker Philipp Schuler und Simon Weiler, während Wolfgang Panzer an der Kamera das Live-Geschehen auf der Bühne filmte.

Tolles Duo live auf der Bühne

Große Klasse waren die beiden jungen Rheinfelder Musiker, die live auf der Bühne zwischen den Online-Beiträgen spielten: Denis Liske am Flügel und Matthias Haller am Schlagzeug sorgten mit eigenen Stücken, Arrangements bekannter Titel und Improvisationen für jazzigen Drive.

Schlagzeuger Matthias Haller sorgte für den jazzigen Drive.
Schlagzeuger Matthias Haller sorgte für den jazzigen Drive. | Bild: Roswitha Frey

Mit viel Rhythmusgefühl legten sie sich in Nummern wie „Fly me to the Moon“, „Hit the Road Jack“ und „Sunny“ ins Zeug. „Die Jungs an Piano und Schlagzeug sind Spitze“, lautete ein begeisterter Online-Kommentar über die jungen Jazzmusiker, die an der Rheinfelder Musikschule ausgebildet wurden, im vergangenen Jahr Abitur gemacht haben und im Herbst ihr Musikstudium beginnen.

Rückblick auf frühere Kulturnächte

Der Abend startete mit einem Blick zurück auf Impressionen aus den Kulturnächten 2014 und 2017, bei denen ordentlich Trubel herrschte. Da die Gruppen, Chöre, Bands und Blasorchester, die dieses Mal teilnehmen sollten, derzeit nicht proben und auftreten dürfen, behalfen sie sich mit Aufzeichnungen von früheren Auftritten. So sah man dynamische Tanzperformances des „Just Feel Good Studios“ und eine spektakuläre nächtliche Feuershow der jungen Artisten des Zirkus Papperlapapp.

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Der Gesangverein Minseln war mit einem munteren Trinklied, einem Ausschnitt aus dem Jahreskonzert 2019, dabei, und der Chor Tonart Nollingen sandte ein rätoromanisches Lied. Unter dem Motto „Wir halten zusammen“ schickte der Musikverein Degerfelden ein Video-Mosaik der Musiker, die einzeln zu Hause spielen.

Große musikalische Bandbreite

Das Ensemble Zukunftsmusik plädierte in dem Lied „Colours of the Wind“ für einen respektvollen Umgang mit indigenen Völkern und der Schöpfung. Eindringlich klang der Song „Wozu?“ des jungen Rappers Gasuan Majied. Der 18-Jährige, der als Flüchtling nach Deutschland kam und seit fünf Jahren in Rheinfelden lebt, hatte seine Performance vor dem Corona-Ausbruch im Bürgersaal aufgezeichnet. Als Kooperation von 20 Musikern aus der Region lief der Beitrag der Gruppe „Die rollenden Steinchen“, die in dem Lied „Die Welt steht still“ das Leben in der Corona-Krise beschreibt.

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Sängerin Anna Lu und Gitarrist Kalle Lüber, die ein neues Album herausbringen, erfreuten die Fans mit einem starken Song. Die Blumenkinder Tina & Jo animierten mit einem Beatles-Hit zum Mitsingen, und bei einem Live-Mitschnitt der „New Redhouse Jazzgang“ ging der Bluessound in die Beine. Gleich mit sechs Beiträgen von Lehrkräften und Schülern beteiligte sich die Musikschule. Ob das Duo Carl-Martin Buttgereit (Klavier) und Tobias Schlageter (Geige), das Streicher-Gespann Ana Surgik und Bernd Schöpflin, Nachwuchstrompeter Noah Behringer, Jana Schneider mit einer eigenen Komposition oder die Geschwister Felix und Anna Petraschka, die hingebungsvoll im heimischen Wohnzimmer musizierten – bei diesen Klängen war man ganz Ohr. Wer es rockiger mag, horchte beim Punkrock der Band DMP und dem schnörkellosen Rock von „Show me your Lips“ auf.

Bissige Satire

Einen aktuellen Sketch von einer Terrasse am Rhein schickte das unverblümt frech und bissig lästernde Frauenduo „Gänseblümchen“. Aus der heimischen Küche meldete sich Kabarettistin Patrizia Moresco, die sich nach langer Zwangspause riesig auf die Auto-Comedy am 20. Juni in Rheinfelden freut: „Ich will eure Blinker sehen!“

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Grüße aus den Partnerstädten

Virtuelle Grüße gab es aus den Partnerstädten, etwa von der Musikerin Patsy Hunt aus Vale of Glamorgan. In Zeitraffer ließ der „Male Voice Choir“ aus Barry die Besuche in Rheinfelden von 1967 bis 2018 Revue passieren. Mitglieder der Volkstanzgruppe aus Neumarkt tanzten einzeln in ihren Wohnzimmern und Gärten. Sänger vom Projektchor aus Rheinfelden Schweiz nahmen – mit viel Abstand – ein Volkslied auf.

Die Resonanz

Gute zwei Stunden lang konnte man das facettenreiche Rheinfelder Kulturschaffen häppchenweise online genießen. 130 Zuschauer verfolgten am Freitagabend den unterhaltsamen Live-Stream und kommentierten per Chat, dass sie es sehr schön fanden und es ihnen Spaß gemacht habe. Auf dem Video der Kulturnacht, das auf Youtube zu sehen ist, wurden bis Sonntagmittag mehr als 1000 Aufrufe verzeichnet.

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