Die Stadt hat besonders hartes Wasser, das sehen die Einwohner täglich an den Kalkablagerungen im Wasserkocher. Die Stadt erwägt daher den Bau einer zentralen Enthärtungsanlage für die Trinkwasserversorgung. Diese würde rund sechs Millionen Euro kosten und den Wasserpreis für die Bewohner anheben. Der Bau- und Umweltausschuss hat sich nun trotz angespannter Haushaltslage dafür ausgesprochen, die Idee weiter zu verfolgen.

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Schon im September hatte Klaus Rhode von der Regioaqua GmbH dem Ausschuss präsentiert, wie eine solche Enthärtungsanlage aussehen könnte. In der jüngsten Sitzung wurde nun nachgereicht, welche Auswirkungen die Anlage auf den Wasserpreis hätte. Von 1,53 Euro pro Kubikmeter in diesem Jahr würde der Preis voraussichtlich auf 1,63 Euro im Jahr 2023 steigen, 2026 läge er dann wohl bei 1,83 Euro pro Kubikmeter. Dabei hat Rhode auch schon die Investitionskosten für die anderen bereits beschlossenen Wassermaßnahmen eingerechnet, nämlich die Neubauten der Hochbehälter in Nollingen, Minseln und Eichsel. Eine gewisse Unsicherheit bleibe aber in dieser Berechnung mit Blick auf die Veränderung des Zinssatzes. Der durchschnittliche Wasserpreis in Baden-Württemberg liegt laut Rhode bei 2,70 Euro pro Kubikmeter, inklusive Zählergebühr.

Blick auf Investitionskosten

Die Investitionskosten für eine zentrale Enthärtunganlage lägen bei rund 4,4 Millionen Euro, dazu kämen Betriebskosten von rund 400.000 Euro und Kosten von gut 1,2 Millionen Euro für die Infrastrukturanpassung. Sollte sich der Gemeinderat für dieses Projekt entscheiden, könnte die Anlage frühestens Ende 2024 fertig sein, so Rhode. Ein geeigneter Standort wäre der stillgelegte Tiefbrunnen 2 westlich des Freibads, da dort bereits Wasser- und Stromleitungen vorhanden seien. „Wir haben knackehartes Wasser“, sagte Rhode, vor allem in der Kernstadt und den Ortsteilen im Tal. Auch das Einleiten von weicherem Wasser aus der Schweiz mache sich kaum bemerkbar.

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„Für uns ist das durchaus darstellbar“, befand Oberbürgermeister Klaus Eberhardt. Der Wasserpreis mache keinen erheblichen Sprung, daher plädierte er dafür, die Anlage weiter zu verfolgen. Im Ausschuss hingegen zeigte sich ein gemischtes Bild. Rainer Vierbaum (CDU) befürwortete die Anlage ebenfalls: „Ich gebe jedes Jahr 60 Euro für Salz aus, wenn ich da die Erhöhung gegenrechne, spare ich – auch an Schlepperei der Salzsäcke.“ Das harte Wasser der Kernstadt solle dem weichen auf dem Dinkelberg angeglichen werden, so Vierbaum. Wichtig sei es aber, die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig zu informieren. Viele hätten privat in eine Enthärtungsanlage investiert und müssten bei einem steigenden Wasserpreis doppelt zahlen. Dieter Meier (CDU) kam für den einzelnen Haushalt auf „überschaubare“ Mehrkosten von 24 Euro im Jahr. Karin Paulsen-Zenke (SPD) führte die erhöhten Kosten für die Reparaturen verkalkter Leitungen und den vermehrten Verschleiß der Haushaltsgeräte an.

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Angesichts der geringen Preiserhöhung sei das Projekt „verlockend“ – aber auch mit Blick auf die drei neuen Hochbehälter sei eine zentrale Anlage „ein Luxusprojekt, das wir uns jetzt nicht leisten können“. Auch Reinhard Börner (Freie Wähler) merkte an, es würden nicht alle gleichermaßen profitieren, aber alle den erhöhten Preis zahlen. Heiner Lohmann (Grüne) erinnerte daran, dass die Idee bereits zwei Mal abgelehnt worden sei – bei besseren Haushaltslagen. Die Planungen für eine zentrale Anlage sollen nun in die Beratungen für den Wirtschaftsplan 2022 aufgenommen werden. „Dann kann der Gemeinderat entscheiden, ob wir das nochmal schieben.“