Alkohol war offenbar der Grund, weshalb ein belangloser Streit in der Nacht zum 12. Mai eskaliert ist. Ein 32-Jähriger Mann holte sich laut Anklage ein Küchenmesser und stach damit auf seinen vermeintlichen Kontrahenten ein, der vier Stichverletzungen erlitt. Nun steht der 32-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht. Weil die Staatsanwaltschaft weitere Zeugen hören möchte, wird der Prozess später fortgesetzt.

Der Vorfall laut Anklage

Der Vorfall ereignete sich in der Asylbewerberunterkunft, wo der Angeklagte, das spätere Opfer und zwei weitere Männer im Zimmer des späteren Opfers zusammensaßen. Man habe getrunken, es wurde Karten gespielt. So wie er sich erinnere, sei er einmal hingefallen und habe dann am Ellbogen geblutet, berichtete der Angeklagte. Das spätere Opfer habe herumgeschrien und sei aggressiv gewesen. Der Angeklagte ging dann in sein Zimmer. „Ich hatte Angst, dass er in mein Zimmer kommt. Ich nahm mein Küchenmesser und habe ihn angegriffen, um mich zu verteidigen“, sagte der Angeklagte. Er habe den anderen nur vom Flur verjagen wollen, weil dieser sich auch früher schon aggressiv gegen ihn verhalten habe.

Das Opfer

Der ebenfalls 32 Jahre alte Verletzte schilderte den Vorfall anders. Zu dritt habe man Karten gespielt, der Angeklagte sei nur dabei gesessen und habe getrunken. „Wir wollten nicht, dass er sich zu uns setzt, weil er immer streitet, wenn er trinkt“, sagte das Opfer. An diesem Abend sei er aber friedlich gewesen. Gegen 4 Uhr hätten die anderen schlafen wollen und dem Angeklagten gesagt, er solle gehen. „Aber er sagte, nein, ich gehe nicht. Ich musste ihn aus dem Zimmer schubsen“, erzählte der Verletzte. Dann sei er ins Bett gegangen, doch später habe es an der Tür geklopft. „Ich habe die Tür geöffnet, und er stach sofort mit dem Messer auf mich ein“, sagte der Verletzte. Drei Mal habe er zugestochen, dann habe er versucht, den Angeklagten zu packen, wobei dieser noch ein viertes Mal gegen seine Schulter stach. Es sei ihm gelungen, den Angeklagten in den Flur hinaus zu stoßen, woraufhin dieser geflohen sei.

Der Sicherheitsmann als Zeuge

Es war etwa 4.30 Uhr in der Nacht, als ein in der Unterkunft Dienst tuender Sicherheitsmann durch Schreie auf die Sache aufmerksam wurde. „Der Geschädigte stand blutüberströmt im Gang, Boden und Wände waren blutverschmiert“, berichtete der Security-MItarbeiter. Zuerst wusste er nicht, wer Opfer und wer Täter war, zumal es dem Geschädigten gelungen war, dem Angeklagten das Messer zu entreißen. Der Geschädigte hielt das Messer in der Hand und machte einen aggressiven Eindruck, der Angeklagte sei verschwunden gewesen. Dieser wurde draußen von einer Polizeistreife festgenommen. Sowohl der Angeklagte wie auch der Geschädigte seien ihm bekannt gewesen. „Bei über 200 Bewohnern haben wir schon ein paar schräge Fälle, und die beiden gehören dazu“, formulierte es der Security-Mann. Mit dem Angeklagten habe es schon öfter Probleme gegeben, wenn er betrunken gewesen sei, einmal habe er 3,3 Promille gehabt, berichtete er.

Die Gutachterin

Vor Gericht sagte der Angeklagte, er habe an diesem Abend vier Flaschen Bier getrunken. Einer Gutachterin gegenüber hatte er jedoch von zwölf Flaschen Bier gesprochen. Um 7 Uhr hatte er noch 2,12 Promille. Der Angeklagte leidet unter Herzproblemen und Bluthochdruck und sollte keinen Alkohol trinken. Doch er hat eine jahrelange Flucht mit schlimmen Erfahrungen hinter sich, berichtete die Gutachterin. Hinweise auf irreale Ängste oder eine Psychose gebe es nicht. Hingegen spreche viel für einen schädlichen Gebrauch von Alkohol, möglicherweise eine Abhängigkeit, so die Rechtspsychologin. Möglicherweise sei seine Schuldfähigkeit bei der Tat eingeschränkt gewesen. Eine Therapie hielt sie für wenig aussichtsreich, weil dem Angeklagten die Problemeinsicht fehle.