100 Jahre alt und dennoch zeitgemäß, lebendig, vielseitig engagiert, kreativ und mutig: So präsentiert sich die Arbeiterwohlfahrt in ihrem großen Jubiläumsjahr, das deutschlandweit gefeiert wird. Mit einem Familienfest am Samstag im Bürgersaal, reihte sich auch der Awo-Kreisverband Lörrach in die Feierlichkeiten ein. Dabei traten erstmals alle zwölf Ortsvereine des Landkreises gemeinsam als Gastgeber auf.

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Viele Mitglieder der Ortsvereine waren unermüdlich und mit spürbarem Herzblut um das Wohl der Gäste bemüht, insbesondere bei den bunten kurzweiligen Mitmachangeboten für Kinder und Erwachsene. Beim Basteln, Malen oder Spielen entwickelte sich ein fröhliches Miteinander von Groß und Klein.

Für das leibliche Wohl sorgten die Dinkelberger Landfrauen unter anderem mit vielen köstlichen „geburtstagsfähigen“ Torten. An den herbstlich liebevoll dekorierten Tischen hatten auch die Rentnerinnen und langjährigen Awo-Mitglieder Evi Bergen, Chantal Sautter und Inge Zamzow Platz genommen: „Weil wir immer dabei sind, wenn die Awo einlädt. Es macht uns viel Spaß, und es wäre schade, wenn es die Awo nicht gäbe.“

Klein und Groß kamen zusammen.
Klein und Groß kamen zusammen. | Bild: Claudia Gempp

Klangvoll eröffnet wurde das Fest vom „Roten Chor“ des SPD-Kreisverbandes mit einem Lied von Hannes Wader, dessen Text das soziale Wirken der Awo treffend beschreibt: „Gut wieder hier zu sein, mit meinen Wünschen und Fragen fühle ich mich nicht allein.“ Mit rhythmischen Trommelklängen auf der Djembe umrahmten Peter Munda of Uganda und sein Freund die Vorstellung der von Klaus Weber, Vorsitzender Ortsverein Minseln, ansprechend gestalteten Jubiläumsbroschüre.

Kreisvorsitzende Hannelore Nuss bedankte sich zum Auftakt bei allen, die zum Gelingen des Festes beigetragen haben und freute sich, dass auch Kreis- und Gemeinderäte gekommen waren, um ihre Wertschätzung auszudrücken, allen voran Landrätin Marion Dammann und Oberbürgermeister Klaus Eberhardt.

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Eigentlich, so die Landrätin, wäre es ihr lieber, „könnten wir dieses Fest heute nicht feiern, aber Fakt ist, wir brauchen die Awo mehr denn je“. Die Kreisverbände würden den Schwerpunkt auf Menschen ohne Perspektiven legen, indem sie ihnen auf vielfältige Weise „unter die Arme greifen“. Der Sozialstaat würde an der einen oder anderen Stelle nicht funktionieren und deshalb „ist die Awo ein wichtiger und verlässlicher Partner für den Landkreis“. Ihre Grundwerte seien Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit. Eben diese Werte würden zeigen, dass alle aktiv dafür eintreten müssen.

Einsatz für sozial Benachteiligte

Auch Eberhardt sprach die Werte an. Die Awo setze sich seit 100 Jahren konsequent für sozial benachteiligte Menschen ein. Er lenkte seinen Blick zurück in die bewegende Geschichte und auf Persönlichkeiten der Awo, die am 13. Dezember 1919 in Zeiten größter Not von der Sozialreformerin, Sozialdemokratin und Frauenrechtlerin Marie Juchacz (1879 bis 1956) gegründet wurde. Nach der Einführung des passiven Wahlrechts hielt sie am 19. Februar 1919 als erste Frau eine Rede in der Weimarer Nationalversammlung. Die Linderung der Not, sei noch vor der Stabilisierung der deutschen Demokratie das oberste Ziel gewesen.

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Die engagierte Gründerin habe der Awo das Leitmotiv mit auf den Weg gegeben: „Neue Zeiten bringen neue Ideen und machen neue Kräfte mobil.“ Diese Worte hätten auch nach 100 Jahren nichts an Aktualität eingebüßt. Mit ihren vielfältigen Angeboten würde der Awo Ortsverband Rheinfelden als einer der ältesten Kooperationspartner die Stadt entlasten. „Sie bereichern die Familien- und Sozialpolitik“, sagte Eberhardt. Mit einem Geldgeschenk bedankten er sich dafür, wie sich die Awo „mit großem Engagement, Herzlichkeit und Selbstverständnis für Menschen einsetzt, denen es nicht so gut geht“.

Ausführlich lenkte auch Hannelore Nuss den Blick auf Leben und Wirken von Marie Juchacz und woher diese in einer schwierigen Situation den Mut genommen hatte, an einen eigenen Wohlfahrtsverein der Arbeiterschaft zu denken. „Wir als Awo gehen auf den Wegen unserer Gründerin weiter und zeigen Mut: Beispiele seien die Eröffnung der Sozialkaufhäuser Rheinfelden, Schopfheim und Grenzach-Wyhlen.

Daher würde sie sich freuen, „wenn wir durch unsere Arbeit noch viele Menschen gewinnen können, die sich einbringen und uns unterstützen“. Abschließend sprach Nuss den großen Wasserschaden im Schatzkästlein an, der die Organisation vor finanzielle Herausforderungen stellt. Eine weitere große Bitte richtete sie an Landrätin Dammann: „Wir müssen ganz viel entsorgen und wünschen uns, dass wir ohne Probleme und ohne Abweisung die Sachen auf den Recyclinghöfen abladen können.“