„Ich freue mich total, dass ihr alli zu minere Inthronisierung sind cho. Min große Traum erfüllt sich hüt, euri Königin z’sie für die diesjährige Fasnachtszit.“ Mit diesen Worten stellte sich Selina I und das Narrenvolk feierte sie frenetisch mit einem dreifachen Narro, Narri. Die Insignien der Regentschaft überreichte ihr die Vorgängerin Aylin I, auch Marschall Hansi wurde in sein Amt eingeführt.

Süffisanter Oberbürgermeister

OB Klaus Eberhardt legte seine Finger sowohl in die Wunden des Beuggener Schlosshotels und „die Böcke, die der Schlossherr geschossen hat“ als auch in diejenigen der Weltpolitik. Schräg ankommen würde vieles von May, Trump, Salvini und Orban, in Karsau höre er aber eine Stimme sagen: „Wollen wir auch den Bruch mit den Kanälern, den „Krexit wagen?“ Die Moschtbirekönigin lobte er : „Charmant, jung, fasnächtlich, gut gelaunt. Es gibt keine im Moschtbireland, der nicht staunt.“ Zunftmeister Martin Klein rief er zu, der Karsauer Fasnacht erhalten zu bleiben, sonst würden etwas fehlen.

Martin Klein hat für das kommende Jahr seinen Rücktritt nach 14 Jahren an der Spitze der Zunft signalisiert. Auf Hochalemannisch gratulierte Ortsvorsteher Jürgen Räuber der Moschtbirekönigin und fragte, ob sie was gegen „roti Socke“ habe. Nachdem Selina I mit kräftigen „nei“ antwortete, übergab er einen prall gefüllten roten Socken, um die „Kriegskasse“ ein wenig zu entlasten. Auch Räuber nahm die Miseren der großen und kleinen Politik aufs Korn, mit dem Ergebnis: „Guet z’wüsse, dass es wenigstens no ei Konstanti git unseri Fasnacht.“

Das Programm

Es gab zahlreiche Höhepunkte. Die Vorträge von Charly Forster, Zündhölzli Uwe Wenk sowie von Dennis Räuber und Florian Schmidt gingen unter die Haut. Die Akteure sparten nicht mit spitzen Pfeilen in Richtung Bürokratie und Amtsschimmel. Vor allem die „Rhyfelder Kanäler“ waren wieder eine Zielscheibe. Diese nahmen es gelassen und gaben sich in der Narrenhochburg Karsau eher kleinlaut, weil die Narrenfestung Karsau nur schwer einzunehmen ist. Mit Tanzeinlagen begeisterten die Junggarde, die Zunftgarde, die Bettlerkuchihexen und die Karsauer Wilden, die wie alle Akteure Zugabe-Rufen und großen Beifall erhielten.

Die Söhne Karsaus in Aktion: Sie präsentierten Hits aus dem Jahr 1969.
Die Söhne Karsaus in Aktion: Sie präsentierten Hits aus dem Jahr 1969. | Bild: Heinz Vollmar

Als dann die jungen Wilden noch die Hüllen fallen ließen, glich die Sonnenrainhalle einem Hexenkessel. Zündhölzle Uwe Wenk erinnerte an den Rheinsteg und rief den Narren zu „E Steg am Rhy... mir sin debi.“ Ein Hochgenuss war der Auftritt von Zunftmeister Martin Klein und seinen Kollegen als die Söhne Karsaus, die an den ersten Narrenmarkt in Karsau vor 50 Jahren erinnerten. Sie präsentierten Hits aus den 69ern und brachten die Halle zum Kochen. Einen letzten Glanzpunkt setzten nach Mitternacht die Showgirls der Zunft. Sie präsentierten einen Showtanz, der Selina I zum Mitmachen aufforderte.

Die Besucher

In der voll besetzten Sonnenrainhalle gaben sich Fasnächtler aus dem gesamten Rheinfelder Stadtgebiet, vom Dinkelberg, aus Schwörstadt und umliegenden Gemeinden ein buntes Stelldichein. Unter den Gästen waren unter anderen auch die Schwörstädter Bürgermeisterin Christine Trautwein-Domschat, die Rheinfelder Zunftriege mit Oberzunftmeister Michael Birlin sowie Alt-Ozume Wilfried Markus vertreten. Daneben hatten sich Fasnächtler jeglicher Couleur und die Dinkelberger Cliquen stimmungsvoll versammelt.

Die Stimmung

Hochstimmung trifft für den Zunftabend mit Inthronisation der Moschtbirekönigin zu. Viele der Besucher sprachen nicht nur von einem einmalig schönen Anlass, sondern auch von perfekter Brauchtumspflege wie sie so nur noch in wenigen Gemeinden stattfindet. Die Karsauer Cliquen, die Zunftleitung und die Fasnachtsbarden hielten Narrenvolk und den Regierenden den Narrenspiegel vor, aber auch sich selbst. Für die musikalische Begleitung sorgte die Party-Band Zeitlos.

Durch das Programm führte Gabi Rüsch, die zu einer Marke geworden ist und auch das Bühnenprogramm mitgestaltete.

Gekonnt führte Gabi Rüsch durch das Zunftabendprogramm.
Gekonnt führte Gabi Rüsch durch das Zunftabendprogramm. | Bild: Heinz Vollmar