Frau Suhr, was bedeutet für Sie kochen heute?

Suhr: Kreativität. Ich will meiner Familie oder Gästen die Natur mit ihrer Vielfalt näher bringen, ich will ihnen etwas Gutes tun mit gesunden und frischen Lebensmitteln aus der Natur.

Derzeit gibt es im Fernsehen viele Kochshows, die Zuschauerquote ist hoch. Können Sie sich diesen Trend vorstellen und sich erklären, warum laut Studie aber dennoch so wenige Menschen selber am eigenen Herd kochen?

Suhr: In den Shows werden fantastische Sachen gezeigt, die immer gelingen, gesund sind und gut aussehen. Viele einzelne Kochschritte werden aber übergangen, auch das Aufräumen und Reinigen wird weggelassen. Probiert man es dann selber aus, stellt man fest, dass es meist zeitintensiv ist, und die Zubereitung nicht so einfach ist, wie es aussieht.

Die Dinkelberger Landfrauen hatten schon mal Kochkurse angeboten, wiederholen sie das?

Suhr: Wir sind bemüht, wir sollten aber eine Schulküche zur Verfügung und sehr viel Zeit haben.

Essen soll vor allem gesund sein. Oder darf es auch mal ungesund sein?

Suhr: Essen soll Spaß machen und nicht von Dogmas geprägt sein, die einem die Lust zum Essen nehmen. Nur wenn ich die Freiheit habe, zu entscheiden, was ich mit Genuss essen kann, habe ich Freude daran. Speisen sind für mich auch von der Jahreszeit abhängig. Im Frühling und Sommer bringt Rohkost viel Energie in den Körper. Momentan, in der kalten Jahreszeit, benötigt der Körper etwas Warmes wie zum Beispiel eine Suppe oder Tees.

Was ist ihr Lieblingsrezept?

Suhr: Ich habe keins, weil ich Köchin aus Leidenschaft bin. Kochen macht erfinderisch und glücklich, und das bin ich gerne.

Heidi Kuder sammelt für das neue Rezeptbüchlein alte Rezepte vom Dinkelberg.
Heidi Kuder sammelt für das neue Rezeptbüchlein alte Rezepte vom Dinkelberg. | Bild: Petra Wunderle

Frau Kuder, warum gehen Sie auf die Suche nach alten Rezepten, was ist der Reiz daran?

Kuder: Hier auf dem Dorf kennen wir viele ältere Menschen. Man kocht noch traditionell, saisonal und regional, und der Trend geht wieder in diese Richtung.

Was will man erreichen mit den alten Rezepten?

Kuder: Wir möchten nicht, dass die alten Rezepte unserer Vorfahren in Vergessenheit geraten. Das ist unser Anliegen.

Können Sie sich vorstellen, auch mal ein Kochbüchlein mit neuen Rezepten auf den Markt zu bringen? Zum Beispiel Gerichte mit Insekten?

Kuder: Nein. Das wäre hier nicht so gut verkäuflich, und wir möchten natürlich einen möglichst hohen Betrag erzielen, den wir, wie gewohnt, von den anderen Buch-Erlösen, dem Verein für krebskranke Kinder in Freiburg spenden.

Haben Sie selber schon mal Insekten probiert, und ist das eine Ernährungsalternative für Sie?

Kuder: Da antworte ich mit zwei Mal "Nein". So etwas würde ich nur essen, wenn es nichts anderes Essbares, vor allem Gemüse, auf dieser Erde mehr gibt.

In dem neuen Rezeptbüchlein mit alten Gerichten sollen ja hauptsächlich die Köchinnen und Köche aus Adelhausen ihre Rezepte verraten. Warum ist die Suche auf Adelhausen beschränkt, wird nicht auf dem ganzen Dinkelberg ähnlich gekocht?

Kuder: Das stimmt so nicht. Rezepte vom ganzen Dinkelberg werden bevorzugt. Es ist aber beispielsweise auch ein Rezept aus Polen geplant, von einer Dame, die auf dem Dinkelberg wohnt.

Haben Sie schon alte Rezepte erhalten oder aus dem Familienbesitz welche ausgegraben?

Kuder: Nein noch nicht. Im Moment werden gerade die Flyer verteilt. Ich möchte die Menschen in Adelhausen persönlich ansprechen und gleichzeitig um Kuchenspenden für den 30. Benefizlauf rund um Adelhausen, der am 3. Februar stattfindet, bitten.

Fragen: Petra Wunderle

Das Kochbuch „Fotzelschnitte und Öpfelbabbe“ ist wieder erhältlich. Ein Buch kostet 13 Euro, es kann per E-Mail (oepfelbabbe@gmx.de) oder bei der Birlin Mühle in Degerfelden, Reinigung Prüfer in Schopfheim und im Rütte-Hofladen in Wollbach erworben werden.