Frau Dolabdjian, sagen Sie, welches Kursangebot richtet sich an Migranten und Flüchtlinge?

Wir haben derzeit neun verschiedene Integrationskurse im Angebot, davon sechs normale Deutschkurse und drei Alphabetisierungskurse für Migranten, die nicht in der lateinischen Schrift oder sogar in der eigenen Sprache nicht alphabetisiert sind. Die ganze Diskussion dreht sich immer um Flüchtlinge, aber so viele haben wir gar nicht. Derzeit haben wir 153 Teilnehmer in den Kursen und davon beziehen lediglich 40 Teilnehmer Sozialleistungen, die anderen sind zum Beispiel Europäer oder andere Migranten, die Deutsch lernen, weil sie ein Arbeitsvisum haben oder im Zuge der Familienzusammenführung dazu verpflichtet wurden.

Der Vorstand der Volkshochschule mit Dieter Meier und Eveline Klein an der Spitze freut sich mit VHS-Leiterin Gabi Dolabdjian mit Stephanie Krenze die Lösung für die Nachfolge in der Leitung gefunden zu haben.
Der Vorstand der Volkshochschule mit Dieter Meier und Eveline Klein an der Spitze freut sich mit VHS-Leiterin Gabi Dolabdjian mit Stephanie Krenze die Lösung für die Nachfolge in der Leitung gefunden zu haben. | Bild: Ingrid Böhm-Jacob

Wie bereitet die Volkshochschule die Teilnehmer von Deutschkursen auf den Arbeitsmarkt vor?

Zunächst sehen wir uns als Sprachkursanbieter und nicht als Vermittler in den Arbeitsmarkt. Es gibt Kurs-Formate mit konkretem Berufsbezug, aber die haben wir derzeit nicht, da das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) derzeit keine weiteren Anbieter zulässt. Die beruflichen Möglichkeiten von Migranten stehen und fallen natürlich mit den Deutschkenntnissen und wir halten ständig die Augen offen, ob es die Möglichkeit gibt, sich in diese Richtung zu bewegen. Auch weil sich die Ansprüche der Migranten verändern. Es gibt viele, die die Basisqualifikation haben und sich weiterentwickeln möchten. Aber dazu benötigen sie und wir finanzielle Unterstützung.

Mit welcher Befähigung schließen die Kurse ab?

Im Prüfungszeitraum der letzten 16 Monate haben 220 Teilnehmer eine Deutschprüfung, die sogenannten B1-Prüfung, abgelegt, die sie für die Einbürgerung brauchen, und um überhaupt eine Möglichkeit zum Einstieg in den Arbeitsmarkt zu haben. Darunter sind auch Externe, die nur die Prüfung ohne vorausgehenden Kursbesuch machen. Während unsere Kursteilnehmer die B1-Prüfung zu 70 bis 80 Prozent bestehen, sieht es bei den Externen schlechter aus. Bei den normalen Integrationskursen haben wir eine gute Quote. Bei den Alphabetisierungskursen liegt die Quote allerdings deutlich niedriger. Das hängt damit zusammen, dass es nur 300 Stunden mehr gibt, um die Alphabetisierung nachzuholen. Dass man da nicht so gut werden kann, ist nachvollziehbar. Da wäre noch mehr Bedarf vorhanden.

Wie kommt es zu der guten Quote bei den normalen Integrationskursen?

Wir haben großartige Lehrkräfte, die sehr gut aus- und weitergebildet sind, sowie regelmäßig die Fortbildungsverpflichtungen für Integrationskursleiter wahrnehmen. Unsere Kursleiter machen deutlich mehr, als vorgeschrieben ist, und engagieren sich darüber hinaus mit großer Empathie für die Teilnehmer, etwa mit unentgeltlichen Zusatzstunden vor den Prüfung. Diese Betreuung wirkt sich einfach positiv aus, wenn das Betriebsklima stimmt, dann kümmern sich auch die Teilnehmer besser umeinander und nehmen sich gegenseitig mit.

Kümmert sich die VHS noch in anderer Weise um die Kursteilnehmer, sodass diese einen guten Kursabschluss erzielen?

Wir bieten montags bis donnerstags am Vormittag und am Nachmittag sowie Freitagvormittag eine Kinderbetreuung im Haus an. Diese Versorgung trägt dazu bei, dass gerade Frauen an einem Kurs teilnehmen können, weil sie ihre Kinder in dieser Zeit versorgt wissen.

Was sind die größten Schwierigkeiten für die Teilnehmer?

Neben der Kinderbetreuung ist das oft die Berufstätigkeit. Seit mehreren Jahren bieten wir Abendkurse an, damit die Teilnehmer tagsüber arbeiten können. Diese Leute machen langsamere Fortschritte, weil die Konzentration nach einem Arbeitstag nicht mehr lange hält, aber eine Mindeststundenzahl pro Woche ist vorgeschrieben. Derzeit haben wir hier ein ganz spezielles Format für die Berufstätigen: Der Kurs findet freitag-, samstagabends und sonntagnachmittags statt. Aber dafür muss man auch erst einen Kursleiter finden, der das noch mit Engagement macht.

Fragen: Horatio Gollin

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