Das hat es bisher an der Rheinfelder Musikschule noch nicht gegeben: 55 Schüler, Lehrkräfte und andere musikbegeisterte Mitspieler aus Rheinfelden und Umgebung formieren sich zu einem großen Projektorchester. Die Instrumentalisten aus drei Generationen werden am 6. April im Rheinfelder Bürgersaal unter Leitung von Wilhelm von Dungen Werke von der Klassik bis zur Filmmusik aufführen.

55 Streicher und Bläser

Im Lichthof des Georg-Büchner-Gymnasiums fand die erste gemeinsame Probe statt. Musikschulleiter Bernward Braun freute sich, dass dieses erstmalige Orchesterprojekt einen so positiven Anklang gefunden hatte. Auf seinen öffentlichen Aufruf hin hatten sich 55 Streicher und Bläser gemeldet, die mitmachen wollten.

Aufruf mit erfreulicher Resonanz

Darunter sind zum größten Teil Schülerinnen und Schüler der Musikschule Rheinfelden, wobei auch Grenzach-Wyhlen mit einbezogen ist, aber auch etliche Lehrkräfte dieser Institution. Auch ehemalige Schüler, Jugendliche, die von Privatlehrern unterrichtet werden, und Eltern machen mit. Gezielt hatte sich Braun auch an die örtlichen Musikvereine gewandt, so dass auch einige Aktive aus den hiesigen Blasorchestern mit von der Partie sind. „Die Resonanz war sehr erfreulich“, erzählt Braun über das Projekt, das vom Kulturamt unterstützt wird.

Die Jüngsten sind neun und zehn Jahre

So versammelten sich die Mitwirkenden zur ersten Orchesterprobe. Die Jüngsten, die um die neun oder zehn Jahre alt sind, spielen mit erfahrenen Musikern zusammen. Die erste Probe diente, wie es Dirigent Wilhelm von Dungen nannte, dem Kennenlernen: „Wir tasten uns erst mal aneinander heran.“ Die Herausforderung für ihn sei, diese Vielzahl von jugendlichen und erfahrenen Musikern, die sich vorher nicht kannten und sonst nicht in dieser Form zusammenspielen, zu einem Klangkörper zusammenzuführen. In relativ kurzer Probenzeit einen harmonischen Orchesterklang zu formen, sei ein bisschen Nervenkitzel, aber eine reizvolle Aufgabe, sagt von Dungen. Er unterrichtet an der Musikschule Mittleres Wiesental und hat viel Erfahrung mit Orchesterleitung. So dirigiert er unter anderem das New Philharmonic Sound Orchestra, mit dem er viel Filmmusik macht, und das Orchester der Waldorfschule Schopfheim.

Spannende Auswahl an Stücken

„Es soll spannend sein und alle Altersgruppen ansprechen“, sagt von Dungen über die Auswahl der Stücke, die er in Absprache mit Musikschulleiter Bernward Braun und den Lehrkräften getroffen hat. Auf dem Programm stehen der erste Satz aus Mozarts Sinfonie Nr. 40, zwei Sätze aus der Suite „Aus Holbergs Zeit“ von Edvard Grieg, Filmmusik aus „Mission Impossible“ von Lalo Schifrin und der Soundtrack zu „Dances with Wolves“ von John Barry. Also eine bunte Mischung aus Klassik, Romantik und Filmmusik.

Von Dungen: "Die Chemie stimmt"

Diese Stilrichtungen müssen auch entsprechend gespielt werden: „Wir versuchen schon, diesen Stücken gerecht zu werden.“ Für Mozart schwebt dem Dirigenten ein „schlanker, eher kammermusikalischer Klang“ vor, bei Grieg gilt es, die barockisierenden und romantischen Elemente herauszuholen, bei der Filmmusik darf es pompöser, dramatisch und schwelgerisch klingen. Die erste Probe verlief jedenfalls vielversprechend und in bester Stimmung. „Das klappt schon sehr gut, die Chemie stimmt“, sagt von Dungen, der auf Anhieb ein gutes Gefühl hatte. Man merke auch, dass die Musikschüler die Stücke vorab intensiv mit ihren Lehrkräften eingeübt hätten. „Das macht sich bemerkbar, dass da schon viel vorbereitet und vorgearbeitet wurde“, sagt der Dirigent. Anders wäre so ein Programm auch nicht machbar.

Dirigent Wilhelm von Dungen.
Dirigent Wilhelm von Dungen. | Bild: Roswitha Frey

Von Mozart bis "Mission Impossible"

Souverän, ruhig und unaufgeregt steht er vor dem Projektorchester und geht zunächst einmal den Mozart-Satz und das „Mission Impossible“ durch. Nach einer Pause kommen dann zwei Sätze aus der „Holberg-Suite“ von Grieg dran, darunter die Gavotte. Mit weit ausholenden Gesten dirigiert von Dungen diesen Tanzsatz, achtet darauf, dass der tänzerische Charakter prägnant und heiter beschwingt herausgearbeitet wird: „Das Tempo ist jetzt gut.“

Dirigent gibt präzise Anweisungen

Dramatisch und fulminant klingt es, als sich das Orchester die Filmmusik zu „Dances with Wolves“ vornimmt. Diese Musik zu dem Kinohit „Der mit dem Wolf tanzt“ erzeugt richtigen Breitwandklang mit schwärmerischen Melodien, bei denen man die Weite der Landschaft vor Augen hat, kontrastiert von knalligen, harten, heftigen Klängen vom Schlagzeug. „Das Schlagzeug muss wie Gewehrschüsse klingen, das gehört zum Stück“, erklärt von Dungen. In einem Thema sind die Bässe und Celli besonders gefordert. Trompeten und Posaunen dürfen im blechlastigen Teil etwas kräftiger hervortreten, fordert der Dirigent. In der wehmütigen, sehnsüchtig-elegischen Passage sollen sich die Musiker Zeit lassen, schön leise herangehen, damit man die Flöte gut hört, und die Melodie behutsam ausspielen.

Verzicht auf Filmprojektionen

Mehrfach lässt von Dungen diese schwierige Stelle wiederholen. „Jetzt haben wir einen schönen Sound“, lobt er seine Musiker. Auf Filmprojektionen wird beim Konzert allerdings verzichtet, weil die Besucher von den Filmbildern oft zu sehr ablenkt würden. „Bei uns steht die Musik im Mittelpunkt, sie soll Bilder und Emotionen hervorrufen“, so von Dungen.

Noch drei Proben bis zum Auftritt

Auch Musikschulleiter Braun machte sich vor Ort einen Eindruck und freute sich, dass die erste Probe so gut gelaufen ist. Man spüre, dass sich die Teilnehmer mit viel Spielfreude und Enthusiasmus ins Zeug legten. Braun ist auch dankbar dafür, dass das Musikschulprojekt von der Sparkasse und der Aluminium Rheinfelden finanziell unterstützt wird. Die nächsten Orchesterproben sind am 16. und 30. März vormittags im Lichthof des Gymnasiums sowie am Nachmittag vor dem Konzert am 6. April im Bürgersaal anberaumt.

Termin: Konzert am 6. April, 19 Uhr, Bürgersaal Rheinfelden. Karten an der Abendkasse