Der Förderverein Kreiskrankenhaus möchte frühzeitig darüber entscheiden, wie es mit dem Krankenhausgebäude und der medizinischen Versorgung in Rheinfelden weitergeht, wenn das Zentralklinikum in Lörrach fertig ist. Das war das zentrale Thema der Mitgliederversammlung am Montag. Beirat Ludwig Fritze hält ein medizinisches Versorgungszentrum im ehemaligen Kreiskrankenhaus für den Weg der Zukunft, Oberbürgermeister Klaus Eberhardt setzt auf dien Standtort Innenstadt.

Verein stellt 15000 Euro zur Verfügung

Im Schnelldurchlauf hakte Vorsitzender Rudolf Henche die Tagesordnung ab. In seinem Bericht informierte er darüber, dass der Verein dem Krankenhaus in den vergangenen Jahren 150 000 Euro zur Verfügung gestellt hat. „Die Arbeit ist sicherlich segensreich und hilft den Kranken und den Pflegenden, dass sie ihre Arbeit besser machen können“, so Henche. Der Kassenbericht blieb ohne Beanstandung und die Entlastung des Vorstandes fiel einstimmig aus.

Bericht über die künftigen Möglichkeiten

„Wir müssen uns Gedanken machen, was mit unserem Kreiskrankenhaus geschehen soll“, leitete Henche zum Vortrag von Beirat Ludwig Fritze über, der die Entwicklung der Ärzteversorgung in Rheinfelden sowie die künftigen Möglichkeiten der medizinischen Versorgung vor Ort darstellte.

Bürokratie erschwert das Arbeiten

Fritze berichtete, wie die früher begehrte Hausarztpraxis durch die Zunahme an Bürokratie für die neue Generation an Medizinern unattraktiv geworden sei. „Das Vergütungssystem für Ärzte war einfacher und durchschaubarer.“ Viele der jungen Mediziner strebten ein Angestelltenverhältnis an, und wegen der fehlenden Bereitschaft, Hausarztpraxen zu übernehmen, überaltere die Hausärzteschaft. Die jungen Ärzte nähmen Regressbedrohungen und Honorarkürzungen nicht mehr hin, und in Grenznähe locke das Ausland mit Angeboten.

Zehn Hausärzte sind schon über 60 Jahre alt

In Rheinfelden haben laut Fritze von 22 Hausärzten schon zehn das 60. Lebensjahr überschritten, drei davon sind älter als 66. Ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) könnte als Alternative zur hausärztlichen Versorgung durch Ärzte selbst, durch Krankenhäuser oder die Kommune geführt werden, sagte Fritzes, der das MVZ als Versorgungsform der Zukunft ansieht. Er deutete an, dass ein Rheinfelder Arzt bereit wäre, ein solches MVZ in seinen letzten Berufsjahren in angestellter Position zu leiten. Fritze stellte die Frage in den Raum, ob das Kreiskrankenhaus mit dem Krankenhausneubau in Lörrach abgerissen oder nicht schon zuvor ein MVZ dort etabliert werden sollte.

OB: Kommunales MVZ als letzter Weg

Vor der anschließenden Diskussion erteilte Henche Oberbürgermeister Klaus Eberhardt das Wort. Eberhardt erklärte, dass er zum überwiegendem Teil die Analyse Fritzes teile, schränkte aber ein, dass ein kommunales MVZ für ihn „der letzte Weg“ wäre. Ein Standort in der Innenstadt sei für ältere Menschen besser geeignet. Eine Nachnutzung für Kreiskrankenhaus zu vereinbaren, sei derzeit auch nicht möglich, da mögliche Nachnutzer ein definites Auszugsdatum bräuchten.

Hinweis auf die vorhandene Infrastruktur

In der Diskussion hielt ein Rheinfelder Mediziner dem OB entgegen, dass das Krankenhaus gut mit dem Bus zu erreichen sei, während es in der Innenstadt Parkplatzprobleme gebe. Eberhard verwies auf Gespräche mit Experten und möglichen Nachnutzern, die ein MVZ in der Innenstadt für besser hielten. Henche wies auf leerstehende Räume im Kreiskrankenhaus und die vorhandene medizinische Infrastruktur hin. Ein Hausarzt berichtete, dass andernorts Kommunen Ärzten kostenlos Praxisräume anböten. „Man muss was Lockendes hinstellen, dann kommt auch einer“, so der Arzt.

Eberhardt braucht ein Datum

Eberhardt betonte, dass er sich einer Nachnutzung des Krankenhauses als MVZ oder als Reha-Klinik nicht versperre. „Aber, um disponieren zu können, brauche ich ein Datum, wann die Räume zur Verfügung stehen.“ Darüber hinaus sei die Bauuntersuchung des Kreiskrankenhauses nicht gut ausgefallen. Für mindestens sechs Jahre bleibt das Kreiskrankenhaus noch in Betrieb. Henche rief dazu auf, sich weiter frühzeitig Gedanken über die Zukunft zu machen.

Kontakt: Infos über den Förderverein Krankenhaus gibt es im Internet (www.foerderverein-kreiskrankenhaus-rheinfelden.de).

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