Die steigenden Anforderungen an den Erzieherberuf erfordern gut ausgebildetes Personal. Früher konnten sich die Einrichtungen ihre Auszubildenden noch aussuchen, heute sorgen verlängerte Öffnungszeiten und der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für einen Mangel an Fachkräfte.

Das könnte Sie auch interessieren

„Jeder andere Betrieb stellt sich vor und präsentiert sich. Beim Erzieherberuf hielt man das bisher nicht für nötig,“ sagt Constanze Selzer, Leiterin des katholischen Kindergartens St. Michael. Die Kindergärten der katholischen Seelsorgeeinheit präsentieren sich im März auf der Job- und Bildungsmesse Cult in Lörrach. „Früher war es noch andersrum, da konnte man sich die Auszubildenden aussuchen“, meint Selzer. „Heutzutage muss man um Auszubildende werben.“

Ausbildung als Riesenthema

Auf der Cult soll zunächst für die klassische Ausbildung zum Erzieherberuf geworben werden, aber auch über andere Wege in den Beruf, Praktikum, Freiwilliges Soziales Jahr oder die Ausbildung zur Kinderpflegerin sowie über die katholischen Kindergärten in Rheinfelden wird informiert. „Ausbildung ist für uns als Träger ein Riesenthema“, verweist Pastoralreferent Matthias Wößner darauf, dass in acht Einrichtungen über 700 Betreuungsplätzen geboten werden, wozu 180 Mitarbeiter beschäftigt werden, wovon das Gros pädagogische Kräfte darstellt. Aktuell zählt die Seelsorgeeinheit 18 Auszubildende. „Der Fachkräftemangel wird durch den demographischen Mangel verschärft“, führt Martina Rückert, Leiterin des Kindergartens St. Josef an. Eine große Zahl der Erzieher nähert sich dem Rentenalter und in der Vergangenheit wurde zu wenig ausgebildet.

Das könnte Sie auch interessieren

Andrea Geiger, Leiterin des Kindergartens St. Elisabeth, erklärt, dass mit dem verbindlichen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz zwar viele neue Plätze gebaut, aber nicht das nötige Personal ausgebildet wurde. Trotzdem sehen die drei Leiterinnen Express-Ausbildungen und Quereinsteiger eher kritisch.

Mehr als Basteln und Spielen

„Jeder hat einen Kindergarten durchlaufen und meint zu wissen, was man da macht. Nur das stimmt nicht“, sagt Pastoralreferent Kassian Burster-Hake und Geiger meint: „Dieses Kindergärtnerinnen-Bild von früher ist überholt. Der Job ist weit mehr als Basteln und Spielen. Der ganze Alltag hat sich gewandelt.“ Die Einrichtungen haben nicht nur länger geöffnet und weniger Ferienzeiten, sondern auch die Dokumentation der Kindesentwicklung und die Zusammenarbeit mit externen Stellen hat zugenommen. Rückert sagt, dass die Erzieher einen Bildungsauftrag haben, der im Orientierungsplan für Bildung und Erziehung für die baden-württembergischen Kindergärten festgehalten ist. Wobei auch Spielen wichtig ist. „Kinder lernen im Spiel. Unsere Aufgabe als Erzieher ist es, die Umgebung entsprechend zu gestalten“, sagt Selzer.

Das könnte Sie auch interessieren

„Man hat begriffen, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Einrichtung und Elternhaus ist. Früher hat die Arbeit an der Kitatür geändert, aber es bringt nichts, wenn unsere Arbeit nicht zu Hause weiter getragen wird“, erklärt Selzer. Die Zunahme an Elternarbeit stellt gerade junge Erzieher vor Herausforderungen, meint Geiger, da braucht es Selbstbewusstsein und Fertigkeiten in Gesprächsführung und Kommunikation. Ein Ausbildungskonzept wurde erstellt, um die eigenen Auszubildenden zu halten und neue zu gewinnen. Für die neuen Auszubildenden wurde im Herbst ein Willkommenstag veranstaltet. Günter Schmidt, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats, erklärt, dass die Ausbildenden zwischen den verschiedenen Einrichtungen wechseln und Erfahrungen sammeln können. „Das ist ein Pfund für die Auszubildenden“, meint auch Burster-Hake.

Das könnte Sie auch interessieren

Beim Gehalt ist bei Erziehern noch Luft nach oben, sind sich die drei Leiterinnen einig. Aber es geht nicht nur ums Geld, sondern auch um die Personalstärke, merkt Selzer an. Auf 25 Kinder kommen nur 1,8 Stellenanteile. Trotzdem ist Erzieher ein wunderschöner Beruf.

„Es ist einfach ein facettenreicher Beruf. Jeder Tag ist anders. Es ist nie langweilig“, sagt Rückert und Geiger meint: „Ein Kinderlachen bringt einen auch an einem schlechten Tag wieder auf den Boden zurück.“ Auf der Cult wollen sie Menschen erreichen, die sich für den Beruf begeistern können. Eine echte Zielgruppe gibt es nicht. Für die klassische vierjährige Ausbildung ist die mittlere Reife die Voraussetzung. „Wichtig ist die Persönlichkeit und der Mensch, der dahinter steht“, sagt Selzer.