Vor einem Jahr kreierte Johanna Schwald ihr erstes Kunstwerk aus einer Kinderzeichnung. Heute, ein Jahr später, geht sie voll in ihrem neuen Projekt auf. Zu Hause fertigt die zweifache Mutter Bilder für Ausstellungen, für den Verkauf sowie Auftragsarbeiten an. Aus den Kinderzeichnungen, die sie von Freunden, von Auftraggebern oder aus privaten Sammlungen ihrer Kindheit nimmt, entstehen lebendige Kunstwerke, ausgeschmückt mit Acrylfarben und einem ganz eigenen Charakter.

Eine Ecke mit Staffelei und Tischchen

Gemalt wird bei Schwald zu Hause im Arbeitszimmer. Eine kleine Ecke mit Staffelei und ein Tischchen mit Mal-Utensilien sind alles, was sie zum Arbeiten braucht. Ein paar ihrer Kunstwerke, die nicht gerade in einer Ausstellung hängen, landen auch bei ihr daheim an den Wänden.

Das erste Bild als Geschenk geplant

Die Idee für diese künstlerische Umsetzung von Kinderbildern kam damals plötzlich zu ihr, als sie bei einem Geburtstag gemalte Bilder von der Tochter ihrer Freundin sah. „Ich habe die Zeichnungen angeschaut, und ich wusste, dass ich das einfach malen muss.“ Ihr erstes so entstandenes Bild sollte eigentlich nur als Geschenk für ihre Freundin dienen. Die Begeisterung bei ihren Freunden war jedoch so groß, dass Schwald mehrfach aufgefordert wurde, ihre Arbeiten anzubieten. Zu Beginn wurden die meisten ihrer Bilder noch getauscht, gegen eine eigene Homepage beispielsweise, oder sie gingen einfach an Freunde, die gerne ein Bild ihrer Kinder an den eigenen Wänden hängen haben wollten.

Kinder malen oft einfach drauf los

Doch auch Schwald fand sofort Gefallen an ihrer neuen Beschäftigung. Das Malen und auch Kinderbilder haben die 33-jährige Maulburgerin schon in ihrem Kunstpädagogik-Studium beschäftigt. „Kinderzeichnungen haben eine große Spontanität und Ausdruckskraft. Die Kinder malen ganz oft einfach los, und dabei malen sie nicht so, wie etwas aussieht, sondern wie sie es erleben.“ Während Schwald erzählt, überträgt sich ihre eigene Begeisterung auf einen selbst und man merkt, dass sie zu 100 Prozent hinter ihrem Projekt steht.

Erste Ausstellung in Freiburg

Bei den Auftragsarbeiten, die sie verkauft, bespricht Schwald das Motiv, die später genutzten Farben und die Größe mit ihren Auftraggebern. Der Preis wird nach Größe berechnet. Ihren ersten Verkauf hatte sie im Sommer letzten Jahres, im November folgte dann ihre erste Ausstellung in Freiburg. Dieses Jahr, im Mai, steht eine weitere in Grenzach auf dem Programm.

Was soll es darstellen? Keiner weiß es

Den ganz eigenen Charakter von Kinderzeichnungen mit Motiven, die oftmals für Erwachsene nur schwer zu erkennen sind, nimmt Schwald mit Humor. Bei einigen Bildern wurde oft länger gerätselt, was denn auf der Leinwand zu sehen sei. „Mit einem Bild habe ich mal ein Gewinnspiel gestartet und habe die Leute raten lassen, was es denn darstellen soll. Keiner hat es erraten“, lacht sie.

Wichtig: Original soll erhalten bleiben

Bei ihren Bildern ist es ihr wichtig, dass die Kinderzeichnung im Original erhalten bleibt. Deswegen überträgt sie die Zeichnung per Projektion oder Schablone eins zu eins auf die Leinwand. Danach haucht sie dem Bild mit Farbe auf Spachtel und Pinsel Leben ein. So entsteht ein einzigartiges Kunstwerk, das sowohl den Charakter der Kinderzeichnung als auch den Aspekt der Kunst vereint. „Ich signiere die fertigen Bilder nicht nur mit meinem Namen, sondern auch mit dem Namen des Kindes. Das ist ja auch ihr Werk."

Eines ihrer Kunstwerke: Auch „Cat“ ist einem Kinderbild nachempfunden.
Eines ihrer Kunstwerke: Auch „Cat“ ist einem Kinderbild nachempfunden. | Bild: Sophia Kaiser

Teamwork + Kunstwerk = Teamwerk

Der Name ihrer Webseite, Teamwerk, ist eine Zusammensetzung der Wörter „Teamwork“ und „Kunstwerk“ – das Kind und Schwald sind auf einer künstlerischen Ebene. „Meine Bilder sind ein Dialog zwischen der Kinderzeichnung, die ich sehe, und meiner künstlerischen Umsetzung davon. Es wird dann ein gutes Bild, wenn dieser Dialog funktioniert“, erklärt sie.

50 Euro pro Bild gehen nach Nepal

Um den Kindern ein Teil des Geldes, dass sie für die verkauften Bilder bekommt zurückzugeben, spendet Schwald 50 Euro pro Bild an OneLoveOneWorld, ein privater Verein aus Nepal. Dieser unterstützt Menschen, die in Armut leben, und ermöglicht ihnen eine Chance auf Bildung, Essen und eine Unterkunft. Mittlerweile kamen fast 600 Euro zusammen, die teilweise auch durch eine Spendenkasse bei der Ausstellung in Freiburg eingenommen wurden.

Auch Kinder sind stolz auf die fertigen Kunstwerke

Auch die Kinder sind Stolz auf ihre fertigen Kunstwerke. „Als die Tochter meiner Freundin in Freiburg ihr Bild gesehen hat, war sie ganz stolz, dass sie das gemalt hat, und dass es jetzt dort in der Ausstellung hängt“, erzählt sie. „Vor kurzem habe ich sie gefragt, ob sie ein Krokodil für mich zeichnen kann. Sie hat mich nur gefragt: 'Kannst du eigentlich immer noch nicht selber malen?' Ich habe geantwortet: 'Nein, kann ich nicht'. Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, wann ich das Zeichnen verlernt habe. Ich würde das gerne wieder so gut können wie als Kind."

Das Malen als kleine Auszeit vom Alltag

Johanna Schwald genießt das Malen. Das wird bereits daran deutlich, mit welchem Enthusiasmus sie von ihren Erfahrungen mit den Bildern berichtet. Mit einem einjährigen Sohn und einer dreijährigen Tochter ist das Malen eine kleine Auszeit von ihrem Alltag. „Das ist mein Yoga“, scherzt Schwald. „Meine Möglichkeit, mich zu entspannen und nur für mich zu sein.“

Termin: Vernissage in Grenzach, „plots art“, ist am Freitag, 10. Mai, 19 Uhr, im alten Postamt. Johanna Schwald gibt's auch im Internet (www.teamwerk.art).