Wenn Michaela Stratmann zum „Einsatz“ gerufen wird, muss es schnell gehen. „Sonst fliegen sie weg“, erklärt die engagierte Naturschützerin und Mitglied der lokalen Gruppe „Warré-Imker und Bienenfreunde“. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Honigbienen einzufangen (Schwarmfang), wenn sich ein Volk, wie im April/Mai üblich, teilt und seine bisherige Behausung, die Warré-Beute, verlässt, um an anderer Stelle ein neues Volk zu bilden. Diese Imkerei vermittelt der BUND Hochrhein beim Bienenaktionstag im Stadtgärtle.

Ein Abbé entwickelt seine eigene Beute

Abbé Émile Warré war ein französischer Geistlicher und Imker, der eine eigene Bienenbeute entwickelte. Zirka 20 Mitglieder der Warré-Gruppe in Rheinfelden und Umgebung haben in ihrem Garten eine Warré-Beute als Bienenstock aufgestellt. „Wir hoffen, dass sich noch viele neue Leute dazu kommen, um sich gemeinsam der Frage zu stellen: Welchen Lebensraum braucht die Biene, dass es ihr gut geht?“

Das Bienenvolk drängt sich vor dem Eingang der Warré-Beute, als neue Behausung.
Das Bienenvolk drängt sich vor dem Eingang der Warré-Beute, als neue Behausung. | Bild: Claudia Gempp

Sie hängen in einer Traube in einem Baum

Zuletzt folgte Michaela Stratmann einem Anruf von Familie Gorenflo aus Nollingen, weil tausende Honigbienen laut summend die Beute auf dem Balkon verlassen haben und nun als große Traube in einem Baum hängen. Manuela Stratmann wird sie der noch leeren Beute eines anderen Warré-Imkers zuführen, damit auch er ein eigenes Volk hat. Die erforderliche Ausrüstung hat die leidenschaftliche Imkerin stets im Auto: Fangschleier, Blumenspritzer mit Wasser, Bienenbesen, Schwarmfangbeutel und andere Utensilien.

Die Tiere drängeln sich vor der neuen Behausung

Obwohl sie von vielen Bienen umkreist wird, steigt sie ruhig die Leiter hinauf, um die Bienentraube fachgerecht einzufangen. Kollege Martial Chateauvieux begleitet sie bei diesem Fang. Er schätzt, dass der Schwarm etwa 25 000 Bienen umfasst, mit einem Gesamtgewicht der Traube von rund zweieinhalb Kilo. Alles klappt problemlos, und gleich drauf drängeln sich die Bienen vor dem Eingang zu ihrer neuen „Wohnung“. Darüber freut sich auch der Besitzer, denn mit derlei Aktionen werde die Warré-Imker-Gruppe immer größer, sagt Stratmann.

Bienenaktionstag im Stadtgärtle

Wissenswerte Informationen zu diesem Thema gibt es beim Bienenaktionstag im Stadtgärtle zur „Honigbiene und ihrer wilden Verwandtschaft“ im Rahmen des Erlebnisprogramms „Insekten – artenreich und unverzichtbar“ des BUND. Die Warré-Imker und Mitglieder des lokalen Imkervereins begleiten dabei mit großen Fachwissen. Auch Michaela Stratmann ist dabei. Sie verspricht ein „Bienenfest für die ganze Familie“.

Ein Einstieg in den Naturschutz

Sie habe sogar vor, mit einem Kescher auf dem Gelände Wildbienen einzufangen. Die gelernte Schreinermeisterin und Technik-Lehrerin an der Karl-Rolfus-Schule Herten kam 2004 aus der Süd-Heide nach Rheinfelden. Schon von jeher habe sie sich für Insekten und vorrangig Wildbienen sowie Natur- und Artenschutz interessiert. „Die Honigbiene war mir neu.“ Erst vor zwei Jahre habe sie die Imkerei nach Warré für sich entdeckt, denn es sei wie der Titel seines Buches treffend formuliert: „Bienenhaltung für alle“. Stratmann sieht darin auch einen Einstieg in den Naturschutz: „Nur wenn man etwas wahrnimmt, kann man es auch schützen.“

Regale gefüllt mit Fachliteratur

Inzwischen sind ihre Bücherregale gefüllt mit entsprechender Literatur. Vier Aspekte seien für sie ausschlaggebend gewesen, sich der Warré-Imker-Gruppe anzuschließen: Das erlernte Handwerk sei beste Voraussetzung, um die Beuten nach Vorgaben anhand eines Bauplans fertigen zu können. Naturschutz und Handwerk seien für sie „eine gute Kombination“; hinzu käme die Umweltpädagogik sowie das gemeinsame Imkern. Zudem sei es „ein schönes Projekt für die Karl-Rolfus-Schule“, die dafür 2018 von der Erzdiözese Freiburg mit einem Umweltpreis ausgezeichnet wurde.

Und dann gibt es da ja noch den Honig

Das alles habe ihr bereichernde Erfahrungen eingebracht, denn „man steigt in eine neue Welt ein und bekommt einen anderen Blick auf alles, was in der Natur krabbelt und fliegt“. Dann ist da noch der Honig. „Bei einem guten Volk“, so Stratmann, „können wir Honig entnehmen, aber nur so viel, dass die Bienen ihren Vorrat für den Winter behalten.“ Je nach Standort und den Pflanzen unterscheidet sich der Honig in Farbe und Geschmack: dunkel und kräftig aromatisch, oder feincremig und mild.

Termin: Bienenaktionstag mit Besichtigung von Bienenständen und anderen kurzweiligen Angeboten für Groß und Klein findet am Samstag 18. Mai. statt. Der Treffpunkt ist um 14 Uhr in der Metzgergrube bei den Bienenstöcken im Stadtgärtle. Veranstalter ist der BUND Hochrhein.