Die Zahl der in Deutschland ankommenden Flüchtlinge geht weiter zurück. Für die Helfer bedeutet das laut Jörg Hinderer vom Freundeskreises Asyl jedoch keineswegs weniger Arbeit. Im Gegenteil: Die Menge an Aufgaben sei etwa durch Anschlussunterbringung und Jobsuche sogar gewachsen. Auch brauchen die meisten Geflüchteten weiterhin Begleitung bei Arzt- und Behördengängen. Der Freundeskreis Asyl und die Sozialarbeiter in den Gemeinschaftsunterkünften wünschen sich darum weitere Helfer – auch männliche.

In der Anschlussunterbringung ist es anders

Derzeit wohnen in der Gemeinschaftsunterkunft (GU) Schildgasse etwa 230 Menschen, Höchststand waren 450. In der Römerstraße sind es rund 120 (150). Trotz des Rückgangs an Bewohnern sind die Aufgaben laut Hinderer nicht weniger geworden, sondern mehr. Außerdem hätten sie sich verändert. „Viele Menschen leben nun in einer Anschlussunterbringung und brauchen andere Hilfen als die in der Gemeinschaftsunterkunft“, erläutert der Vorsitzende des Freundeskreises Asyl.

Sie helfen auch beim Gang zu den Behörden

Dazu gehört etwa die Jobsuche, zudem träten viele Traumata erst nach einiger Zeit zutage oder hätten sich erst durch die lange Zeit der Ungewissheit gebildet. „Die Sprache ist aber nach wie vor ein großes Thema“, weiß Hinderer. Eine der wichtigen Aufgabe der Helfer ist es daher, die Flüchtlinge zu den Behörden wie dem Jobcenter, zum Arzt und zum Therapeuten zu begleiten und zu übersetzen.

Ein Arzt untersucht in der Schildgasse einen Flüchtling.
Ein Arzt untersucht in der Schildgasse einen Flüchtling.

Die große Welle der Hilfsbereitschaft ist vorbei

Gleichzeitig zu der steigenden Zahl an Aufgaben sei die Zahl der Helfer jedoch nicht gestiegen, sondern eher gesunken, wenn auch nicht wesentlich, so Hinderer. Dennoch sei spürbar, dass die große Welle der Hilfsbereitschaft vorbei sei. Im Freundeskreis stünden etwa 30 bis 40 Helfer bereit, die sich bei Bedarf abrufen ließen. „Der harte Kern besteht aus 15 bis 20 Helfern“, sagt Hinderer, gibt aber auch zu Bedenken: „Natürlich gibt es noch weitere Ehrenamtliche, die außerhalb des Freundeskreises helfen, und das ist auch gut so, es muss nicht alles zentralisiert werden.“

Die Organisationen brauchen mehr Helfer

Dennoch brauche es dringend weitere. Das bestätigt auch Bless Ezhuthanavayalil, Sozialarbeiter der Caritas, der in der GU Schildgasse arbeitet. Er und seine beiden Kollegen begleiten die Bewohner immer mal wieder zum Arzt oder zur Behörde, obwohl das eigentlich nicht ihre Aufgabe ist. „Es wäre wunderbar, wenn es mehr Freiwillige gäbe, die das machen“, so Ezhuthanavayalil.

Beim Übersetzen kommen die Tränen

Danielle Lauer und Eva Schlenker-Gorenflo vom Freundeskreis Asyl übernehmen regelmäßig solche Begleitungen. „Manchmal habe ich jeden Tag einen Termin“, erzählt die gebürtige Französin, die vor allem französischsprachige Afrikanerinnen und Afrikaner begleitet. Außerdem gibt sie Deutschunterricht. Dass dieses Ehrenamt nicht immer einfach ist, macht sie an einem Beispiel deutlich: „Ich habe eine junge Afrikanerin zur Therapie begleitet, die ihre Tochter verloren und viele schreckliche Dinge erlebt hat.“ Beim Übersetzen habe sie selbst die Tränen nicht zurückhalten können, so Lauer. Doch sie habe gemerkt, wie wichtig es für die junge Frau sei, dass sie jemanden zum Reden habe.

Mit jungen Müttern zum Kinderarzt

Eva Schlenker-Gorenflo hat bereits Deutsch- und Schwimmkurse für Flüchtlinge gegeben und übernimmt nun auch viele Begleitungen. So geht sie etwa mit jungen Müttern zum Kinderarzt, wo ihre Babys untersucht werden, auch begleitet sie eine fast blinde Irakerin zu Arzt und zu Behörden. „Ich war sogar mal bei einer Geburt dabei“, berichtet sie.

Dieses Ehrenamt erfordert viel Geduld

Beide Frauen sind sich einig: Dieses Ehrenamt erfordert viel Geduld und man muss mit den schweren Schicksalen, von denen man erfährt, klar kommen – zugleich bekomme man aber sehr viel von den Menschen zurück. „Außerdem schöpft man aus der Gruppe der Helfer Stärke“, so Schlenker-Gorenflo. Auch Hinderer möchte Interessierten die Bedenken nehmen: „Jeder, der sich einbringen will, wird das tun können.“ So könne jeder selbst angeben, wann und wie oft er Zeit hat.

Den Hilfsbedürftigen auf Augenhöhe begegnen

Fremdsprachenkenntnisse seien zwar hilfreich, aber nicht zwingend notwendig. Sicherlicher brauche man auch eine gewissen Frustrationstoleranz, da es schon mal passieren könne, dass man schlussendlich alleine vor der Arztpraxis stehe. „Das Wichtigste ist aber, dass die Helfer den Menschen, denen sie helfen, auf Augenhöhe begegnen und sie mit Respekt behandeln“, so Hinderer.

Viele kommen im Moment aus Afrika

Der Sozialarbeiter Ezhuthanavayalil hat noch einen weiteren Wunsch. Viele der derzeit ankommenden Flüchtlinge seien junge Männer aus Afrika. Unter den Ehrenamtlichen seien aber mehrheitlich Frauen. „Es ist wichtig, dass diese jungen Männer Ansprechpartner haben, sie wollen Anschluss finden“, erläutert er.