Derzeit nehmen 46 Schüler der zehnten Klasse des Georg-Büchner-Gymnasiums (GBG) an dem Planspiel „Festung Europa?“ teil. Sie werden von vier Mitarbeitern der Landeszentrale für politische Bildung (Lpb) betreut. Als europäische Regierungschefs diskutieren die Jugendlichen die Flüchtlingsfrage und suchen die besten Lösungen für ihre Länder.

Sofie Maunz und Jakob Kero überzeugen

Die Mächtigen Europas haben sich versammelt. Der deutsche Bundeskanzler, gespielt von Jakob Kero, und die deutsche Innenministerin Sofie Maunz plädieren vor dieser Versammlung der europäischen Regierungschefs für eine gerechtere Verteilung der Flüchtlinge innerhalb der Europäischen Union. Mit viel Applaus für ihre in Partnerarbeit vorbereitete Rede verabschieden die anderen Schüler die beiden, und die Vertreter des nächsten EU-Lands erklären die Positionen ihrer Regierung zur Flüchtlingsfrage.

Sie spielen ihre Rolle überzeugend und erleben die Probleme, Kompromisse einzugehen: Jakob Kero als Bundeskanzler und Sofia Maunz als Innenministerin.
Sie spielen ihre Rolle überzeugend und erleben die Probleme, Kompromisse einzugehen: Jakob Kero als Bundeskanzler und Sofia Maunz als Innenministerin. | Bild: Horatio Gollin

Hintergrundinformationen vom Fachmann

Das fünfstündige Planspiel war zuvor mit einer Informationsrunde gestartet, um Vorwissen zu aktivieren und Hintergrundinformationen zu geben, erklärt Felix Göttler von der Landeszentrale für politische Bildung. Danach arbeiteten die Schüler mit Hilfe von Infomaterial eine Rede zu der Position ihrer Länder aus. Nach einer Diskussion im Plenum und einer informellen Verhandlungsphase der Einzelakteure erstellten sie dann Anträge für ihre Länder, die einen möglichst breiten Konsens erzielen sollen. „Das funktioniert nicht immer“, weiß Göttler von anderen Schulen.

Auch Ungarns Staatschef mit im Spiel

„Das ist nicht wirklich schwierig. Man muss nur die Argumente zusammentragen“, kommentiert ein Schüler den Arbeitsauftrag, die Rede zu erstellen. Die bereit gestellten Materialien lobt er als übersichtlich. Im Planspiel stellt er den ungarischen Ministerpräsidenten dar. „Es gibt immer wieder Arbeitsaufträge, mit denen man nicht übereinstimmt, aber so lange man genug Informationen erhält, kann man den Arbeitsauftrag erfüllen“, stellt der Zehntklässler fest.

Flüchtlinge anteilsmäßig unterbringen

Auch Kero und Maunz hatten keine Probleme, die deutschen Argumente zusammenzufassen. „Wir nehmen die Position ein, dass wir ein System einführen wollen, um die Flüchtlinge anteilsmäßig auf die EU-Staaten zu verteilen“, erklärt Kero. Erfahrungsgemäß führen die Mitarbeiter der Lpb Freiburg ein thematisches Planspiel an bis zu 25 Schulen pro Schuljahr durch, erklärt Göttler. Die Anfragen gehen von der Schulen aus. Das Planspiel hat die Lehrerin Julia Keßler ans GBG geholt. Schon vor einem Jahr führte sie einen bilingualen Aktionstag zum Thema Globalisierung mit der Lpb am GBG durch.

Es ist schwierig, einen Konsens zu finden

Ihr Kollege Christian Schoz meint, dass mit dem Planspiel Politik erlebbar gemacht und den Schüler verdeutlicht werde, wie schwierig es ist, einen Konsens zu finden. „Das Ziel ist es, die Schüler für Politik zu interessieren“, erklärt Schoz. „Das lässt sich mit einem Planspiel besser umsetzen als im Unterricht. Durch die externen Referenten hat das einen ganz anderen Rahmen.“

Besser als eine abstrakte Unterrichtsstunde

Schulleiter Volker Habermaier hält fest: „Gerade bei einem Thema wie Europa ist es wichtig, dass wir die Schüler packen, denn für sie ist Europa Wirklichkeit.“ Habermeier ist sich sicher, dass das „Packen“ mit einem Planspiel besser gelingt als mit einer abstrakten Unterrichtsstunde.

Die Schüler sehen das Menschliche

Eine Schülerin lobt: „Das ist sehr produktiv, weil man sich auch selbst einbringen kann.“ Europa und die Flüchtlingsfrage wurden auch im Unterricht schon behandelt und sind kein unbekanntes Neuland für die Zehntklässler. Wirklich mit dem Thema beschäftigt habe er sich aber noch nicht, sagt der Schüler in der Rolle des ungarischen Ministerpräsidenten. Auch Kero hat sich noch nicht so viele Gedanken über das Thema gemacht. Er meint: „Ich finde, dass man Menschen auf der Flucht einen Platz geben sollte, weil es menschlich ist.“