Rheinfelden – Nun ist es offiziell: Die Evangelische Landeskirche hat das Schloss Beuggen an den Architekten Kai Flender verkauft. Was in den vergangenen Tagen als Gerücht durch die Stadt geisterte, wurde gestern Mittag beim Pressegespräch in Beuggen bestätigt. Oberkirchenrat Stefan Werner begrüßt den Wechsel: „Sie bietet allen eine Perspektive – dem neuen Eigentümer, der Landeskirche für eine weitere Mitnutzung und der Stadt Rheinfelden und ihrer Bevölkerung für eine weiterhin öffentlich zugängliche wunderschöne Anlage.“

  1. Inwiefern bleibt der Kirche das Schloss erhalten? Das Gelände, auf dem die Kommunität Beuggen lebt, bleibt im Besitz der Landeskirche. Kai Flender hat ihr außerdem bereits den Neubau einer Kapelle im Gewölbe des alten Pfarrhauses zugesichert. Die Kapelle werde stets offen sein, kündigte in diesem Zusammenhang Werner an: „Sie ist künftig der öffentliche Ort des Gebets in Schloss Beuggen.“ Die Schlosskirche dagegen wird kirchlich an Ostern, Weihnachten sowie einem Adventssonntag und für die monatlichen Taizégottesdienste genutzt. Der neue Eigentümer will sie für Ausstellungen, Kulturveranstaltungen, aber auch private Hochzeitsgesellschaften nutzen.
  2. Welche Nutzung ist auf Schloss Beuggen ausgeschlossen? Verbunden mit dem Kaufvertrag ist ein Nutzungsverbot für Zwecke, die dem Ansehen der Kirche schaden, etwa Casinos, Wettbetriebe oder solche aus dem Rotlichtmilieu.
  3. Was wird aus der Tüllinger Höhe und der Tagungsstätte? Während für die diakonische Jugendhilfeeinrichtung Tüllinger
    Höhe vereinbart wurde, am Standort Schloss Beuggen zu bleiben, wird die Tagungsstätte zum Jahresende schließen.
  4. Bleibt das Gelände öffentlich zugänglich? Ja, das wurde sogar vertraglich festgelegt, was besonders OB Klaus Eberhardt freut. Kai Flender kann sich vorstellen, dass der Töpfermarkt und die Gartenmesse Diga in Beuggen auch in der Zukunft bleiben, eine feste Zusage gab er jedoch nicht.

Wie Betroffene auf den Schlossverkauf in Beuggen reagieren und welche Erwartungen sie an den neuen Besitzer haben.

  • Alexandra Mußler (Hotel Storchen): "Ganz früher als Kind war das Schloss für mich ein ehrfurchtvolles Gebäude und geheimnisvoll. Später hat es sich dann geöffnet mit einem Hotel. Wir haben gut zusammen gearbeitet und hatten einen sehr, sehr guten Austausch, das hat immer gepasst. Schloss Beuggen ist eines der wenigen Highlights im Tourismus hier, schön, dass es weitergeht."
  • Jörg Hinderer (Erwachsenenbildung): "Schloss Beuggen bedeutet für mich ein atmosphärisch wunderbarer Ort, öffentlich zugänglich, christlich und kirchengeschichtlich geprägt mit einer allen Menschen offen stehenden Tagungsmöglichkeit. Ich wünsche mir, dass das morgen noch so ist, obwohl der Eigentümerwechsel bedeutet, dass Schloss Beuggen erstmals in seiner Geschichte in Privathand übergeht und nicht mehr per se kirchlich ausgerichtet ist."
  • Franz Reichle (Hausmeister): "Ich bin im Schloss aufgewachsen und seit 25 Jahren hier Hausmeister und sehe die Entwicklung mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Etwas enttäuscht bin ich schon, dass Schloss Beuggen in der Landeskirche eine so schlechte Lobby hat. Es wurde ja geschafft, die Betriebskosten zu decken. Von Herrn Flender habe ich persönlich einen guten Eindruck. Das ist tröstlich und ich glaube, das könnte was werden."
  • Jürgen Räuber (Ortsvorsteher in Karsau): "Der Ortschaftsrat hat leider nicht viel erfahren. Die Geheimniskrämerei zum Verkauf von Schloss Beuggen war für mich nicht in Ordnung. Der Verkauf geht aber in Ordnung, wenn die drei Grundforderungen erfüllt sind und danach sieht es aus. Wir harren jetzt der Dinge, die da kommen. Die Tinte unter dem Vertrag ist jetzt trocken. Ich habe mich gedanklich mit der Entwicklung arrangiert und eine positive Erwartung."
  • Jost Baier (Schlossführer): "Wenn die Tradition der Führungen abbrechen würde, dann kann ich fünf Meter Quellenforschung wegschmeißen. Ich wünsche mir, dass der Geschichtsfaden weiter gesponnen werden darf. Beuggen ist ein Kraftort und des Gebets, das spüren die Leute und das sollte so bleiben."
  • Dieter Maier (Messeveranstalter Süma Maier): "Ich würde mich freuen, wenn die Gartenmesse Diga in Schloss Beuggen fortbestehen würden. Ich habe für die Diga noch einen Vertrag für bis einschließlich 2019 mit der Evangelischen Landeskirche Baden, der bis heute nicht gekündigt ist. Das ist meine Hoffnung, wenn sich daran nach dem Verkauf des Schlosses etwas ändern sollte, wird man sehen müssen, wie es weitergeht." (ibö/ger)