Die Nachnutzung des Kreiskrankenhauses auf dem Vogelsang ist grundsätzlich ein Thema für die Stadt. Schnelle Lösungen für ein vom Krankenhausförderverein vorgeschlagenes medizinisches Zentrum mit zusätzlicher Pflegeheimfunktion aber zeichnen sich nicht ab. Für die Kreiskliniken erklärt Geschäftsführer Armin Müller auf Anfrage, dass Interesse bestehe, Gelände und Klinikgebäude an die Stadt zu verkaufen, nicht aber, bevor das neue Zentralklinikum 2025 in Betrieb gehe. "Ein Besitzerwechsel vorab ergibt für uns keinen Sinn."

Förderverein: "Stadt soll Areal und Klinik kaufen."

Genau darauf aber zielt die Initiative des Fördervereinsvorstands unter Hans Rudolf Henche ab. Der ehemalige Chefarzt der Orthopädie am Kreiskrankenhaus erklärt es für wünschenswert, dass die Kommune bereits frühzeitig Eigentümer wird. Dahinter steht auch die Überlegung, die Bausubstanz zu erhalten, in die die Kliniken GmbH nicht mehr investiere, weil sie ihre Kräfte jetzt für den zentralen Neubau in Lörrach bündle.

Kreiskliniken wollen einen sauberen Schnitt

Dass die Kliniken bis zum Auszug als Mieter auftreten, wie es der Förderverein für denkbar hält, stellt für Müller keine gangbare Lösung dar. Warum sollten die Kliniken, solange sie die Gebäude nutzen, dafür bezahlen? „Wir möchten gerne Eigentümer bleiben“, erklärt er, denn auch mit Blick auf die Fördergelder spielt der Rheinfelder Standort für den Träger bei den Investitionen für das Zentralklinikum eine Rolle. Müller spricht sich für einen sauberen Schnitt aus, sieht den Zeitpunkt dafür aber erst in der Zukunft.

Angedachte Nachnutzung ist eine denkbare Option

Prinzipiell bescheinigt er der Idee des Krankenhausfördervereins aber einen gewissen Charme, denn die angedachte Nachnutzung stelle eine denkbare Option dar. Dass der Gebäudezustand des Kreiskrankenhauses sich bis 2025 so sehr verschlechtere, dass die sich nicht mehr realisieren lasse, sieht der Geschäftsführer nicht: „Wir sanieren gerade einen OP-Saal." Außerdem werde, solange Menschen im Krankenhaus sind und es gebraucht wird, auch etwas für seine Instandhaltung getan.

Gespräche mit der Stadt zum Vogelsang laufen

Dass es ungenutzte Räume gebe, ändere nichts daran. Aus Müllers Sicht wird eine Nachnutzung dennoch Generalsanierung bedeuten: „Das Grundproblem ist die Hülle." Vor dem Schritt zwei, Verkauf der Kliniken, setzt Armin Müller aber auf Schritt eins. Das heißt Verkauf des nicht bebauten Vogelsang-Geländes unterhalb des Krankenhauses mit dem einstigen Schwesternwohnheim an die Stadt. Dazu laufen die kommunalpolitischen Gespräche bereits.

Ungeklärte erschließungstechnische Probleme

Die Verhandlungen bestätigt Oberbürgermeister Klaus Eberhardt, weist dabei aber auch auf noch ungeklärte erschließungstechnische Probleme hin. Das Themenpaket Kauf des Kreiskrankenhauses stehe dazu in einem deutlichen zeitlichen Abstand, auch wenn die Stadt grundsätzlich Interesse daran habe, die Klinikeinrichtung zu übernehmen. Über den richtigen Zeitpunkt entscheide aber zunächst der Aufsichtsrat. Die Fläche im oberen Teil des Vogelsangs in der Qualität der Bausubstanz zu bewerten, stelle sich außerdem als kompliziert dar.

Gemeinderat soll Ziele und Strategie beraten

Es gebe zwar Aussagen der Kliniken GmbH, aber nach welchen Kriterien Grundlagen ermittelt seien, sei unklar. Dazu verweist der OB auf Äußerungen, wonach sich Instandsetzung nicht mehr lohne. Über den Preis lasse sich heute somit nicht viel sagen. Die Linie lautet deshalb, zuerst eine Substanzbewertung vollziehen, dann könnte Ankauf ein Thema werden. Die grundsätzliche Absicht für die Stadt bleibe aber bestehen, auf dem Vogelsang das Schicksal in die Hand nehmen. Das müsse aber mit einer sinnvollen Zielsetzung und strategischer Ausrichtung im Gemeinderat geschehen. Den Zeitpunkt, um Positionen in Einklang zu bringen, sieht Eberhardt aber noch vor 2025.

Paul Renz: "Wir haben noch sieben Jahre Betrieb."

Jetzt schon über den kommunalen Erwerb des Krankenhauses zu sprechen, hält auch CDU-Fraktionschef Paul Renz in einer ersten Reaktion für keinen gangbaren Weg: „Wir haben noch sieben Jahre Betrieb“, gibt er zu bedenken. Für ihn liegt der Kauf des darunterliegenden Geländes näher. Der Bereich ist im Flächennutzungsplan zur Bebauung vorgesehen. Renz zeigt Verständnis dafür, dass die Kreiskliniken sich zum Neubau nicht weitere Projekte ans Bein binden wollten, sondern erst mal alle Ressourcen ausschöpften. Das knapp 2,5 Hektar große Grundstück als Bauerwartungsland unterhalb des Krankenhauses im südlichen Vogelsang zu kaufen, habe Vorrang für die Stadt. Dennoch befindet Renz die Idee des Krankenhaus-Fördervereins als nicht verkehrt und plädiert dafür, dass sich die Stadt ein Vorkaufsrecht für die Klinik sichere. Bei der Nachnutzung müsse der Markt zeigen was gehe. Ein medizinisches Versorgungszentrum alleine sei wohl nicht ausreichend.

Ludwig Fritze erkennt raschen Handlungsbedarf

Mediziner und Ärztesprecher Ludwig Fritze allerdings erkennt nach der vor Ort gestarteten Erhebung zur medizinischen Versorgung sehr wohl raschen Handlungsbedarf für ein Versorgungszentrum in der Hand der Stadt. Nach dem Beispiel in Büsum könne dies in kommunaler Regie Ärzte von administrativen Aufgaben entlasten und Arbeitsmodelle im Angestelltenverhältnis bieten. Genau dies sei bei jungen Ärzten gefragt. "Von lokal 23 praktizierenden Hausärzten sind vier teils weit im Rentenalter“, gibt er zu bedenken. "Wenn sie aufhören, gäbe es ein Problem, weil hunderte von Patienten nicht versorgt werden." Im Altersbereich 60 bis 65 Jahre zählt er sieben Kollegen, die Ärzte darunter seien meist auch über 50.

Vorschlag: Mischanlage für Wohnen und Medizin

Bei der zunehmenden Überalterung sei es höchste Zeit, sich ernsthaft Gedanken zu machen: „Wir sitzen auf dem Pulverfass." Für ideal hält er, leere Räume im Krankenhaus jetzt für ein neues, beginnendes Versorgungssystem zu nutzen. Die Kassenärztliche Vereinigung unterstütze Modelle, bei denen Kommunen einen Eigenbetrieb dafür gründen. Auch die medizinische Versorgung von Patienten, die heute im Heim leben, lasse sich verbessern, wenn im Kreiskrankenhaus für sie Pflegebetten eingerichtet würden in Verbindung mit einem Versorgungszentrum. Eine Möglichkeit dafür sieht Fritze auch nach Abriss des Schwesternwohnheims. Die Stadt müsste dann dort eine Mischanlage für Wohnen und Medizin bauen.