Der Wald kann vieles sein: Lebensraum für Pflanzen und Tiere, Arbeitsplatz, Wirtschaftsraum und Erholungsort. Das Ökosystem muss gepflegt werden, wird immer wieder bedroht, oft durch Menschen selbst. In einer Serie stellen wir den lokalen Wald mit seinen Facetten vor. Heute geht es um die Grillplätze im Wald.

Pflege und Aufwertung mit viel Aufwand

Der Kalkofen und der Eigenturm in Herten, die Krailochhütte in Degerfelden, die Lehrütti in Eichsel, die Bettelküche in Riedmatt und – am bekanntesten – das Lebküchli in Nollingen sind die Grillplätze, die sich im Wald befinden und damit in den Zuständigkeitsbereich des Revierförsters Gerd Fricker und seines Kollegen Thomas Hirner fallen. Am Waldrand gibt es außerdem das Mättlikreuz in Minseln und den Altreb in Nordschwaben, die aber jeweils von der Ortsverwaltung betreut werden. Am Beispiel des Kalkofens in Herten erklärt Fricker, mit welchem Aufwand die Stadt seiner Meinung nach die Waldgrillplätze pflegt und aufwertet.

Ortsverwaltung vermietet Anlagen

Der Kalkofen befand sich ursprünglich 100 Meter oberhalb des heutigen Standorts auf dem Waldparkplatz in einem alten Steinbruch – daher der Name. Weil dort aber Felsbrocken so groß wie sein Jeep von der Wand gefallen seien, sei er verlegt worden. Erst vor wenigen Jahren ließ die Stadt auf dem Grillplatz eine Schutzhütte im Blockhausstil mit drei Sitzgarnituren errichten. Auch der Grillplatz am Lebküchli habe eine solche Schutzhütte; die Krailochhütte in Degerfelden müsse allerdings über die Ortsverwaltung gemietet werden und sei sonst verschlossen. Als Ort für Vereinsfeiern werden vor allem das Mättlikreuz, der Kalkofen und das Lebküchli genutzt, regelmäßig am Vatertag und am 1. Mai. Die Genehmigungen für solche Feste erteilen die Stadt und die Forstbehörde im Landratsamt.

Müll ist ein großes Problem

Müll ist auch an den Waldgrillplätzen ein Problem (wir berichteten); Fricker lobt deshalb die Mitarbeiter der Bauhöfe in den Ortsteilen, die regelmäßig die Grillstellen abführen und aufräumten. „Da ist viel Unappetitliches dabei; aber der Steuerzahler übernimmt ja die Rechnung“, ärgert sich Fricker. Besonders Minseln sei schlimm: „Da finden vor allem im Sommer ganze Gelage statt.“ Er weiß, wie sich vor allem Wanderer und Velofahrer über saubere Waldgrillplätze freuen.

Revierförster Gerd Fricker
Revierförster Gerd Fricker | Bild: Boris Burkhardt

Eigene Grills dürfen nicht mitgebracht werden

Eigene Grills dürfen nicht an die Waldgrillplätze mitgebracht werden: „Die Grillstellen sind mit Bedacht gewählt“, sagt Fricker vor allem im Hinblick auf die Waldbrandgefahr: „Wer meint, er könne seinen Grill hinstellen, wo er wolle, handelt genauso wie ein Autofahrer, der gegen das vorhandene Tempolimit sagt, er wisse schon selbst, wie schnell er auf dieser Strecke fahren könne.“ Man dürfe den Funkenflug nicht unterschätzen. So habe vor kurzem auf dem Grillplatz Bettelküche ein Feuer im Grill gebrannt, das jemand zurückgelassen habe. Eine Spaziergängerin habe die Stadt informiert; und Fricker selbst habe das Feuer gelöscht. Von der Anbringung von Feuerlöschern hält Fricker trotzdem nichts: „Die stehen keine 14 Tage dort.“ Wie schnell solche Angebote an die Allgemeinheit aus Bösartigkeit oder Leichtsinn missbraucht würden, habe ihm das 200-Liter-Plastikfass mit Sand am Eigenturm gezeigt. Eigentlich gedacht zum schnellen Löschen des Feuers sei der Sand überall verstreut und das Fass zugemüllt worden.

Bereitgelegtes Holz wird einfach geklaut

Das rücksichtslose Verhalten der Menschen mache es auch unmöglich, Holz für das Feuer an den Grillstellen bereit zulegen, wie man es aus Kanada, Skandinavien oder der Schweiz kennt. „Ich bin oft darauf angesprochen worden“, erzählt er. Tatsächlich habe Ortschaftsrat Helmut Wolpensinger am Kalkofen in Herten zwei Jahre lang Holzscheite gerichtet und gestapelt. Doch das Holz sei geklaut oder als „Schwedenfeuer“ zum Wärmen so lange in den Bodengrill nachgeworfen worden, bis alles aufgebraucht gewesen sei. Das sei nicht der Sinn der Grillstellen: „Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass er damit aufgehört hat“, sagt Fricker. Selbst an der Krailochhütte sei Holz aus dem Bretterverschlag geklaut worden, bis er durch einen massiven Metallverschlag ersetzt worden sei.