20,9 Prozent für die AfD: Mit diesem Ergebnis steht der Wahlbezirk elf (Oberrheinfelden) sehr alleine da. In keinem anderen Bezirk in der Großen Kreisstadt haben Menschen, die ihre Kreuzchen am Sonntag gemacht haben, den Rechtspopulisten so viele Stimmen gegeben. Ausreißer gibt es auch bei anderen Parteien und bei der Wahlbeteiligung. Und auch ein genauerer Blick auf die Vergabe der Erststimmen lohnt sich.

Die Briefwahl: Der Trend zur Briefwahl hat sich auch in Rheinfelden gezeigt. Von insgesamt 16 438 abgegebenen gültigen Zweitstimmen gingen 4351 per Brief ein. Davon entfielen 37,5 Prozent auf die CDU, 18,2 auf die SPD und 15,7 Prozent auf die Grünen. Die FDP erhielt 10,5, die AfD 9,1 Prozent der Stimmen. Von den per Briefwahl abgegebenen Erststimmen entfielen knapp 44 Prozent auf Armin Schuster (CDU), 22,3 Prozent auf Jonas Hoffmann (SPD) und 13,3 Prozent auf den Grünen Gerhard Zickenheiner. 8,7 Prozent stimmten für Wolfgang Fuhl (AfD), 7,1 Prozent für Christoph Hoffmann (FDP).

Bei der Briefwahl wird nicht zwischen den einzelnen Stadtteilen unterschieden, weshalb auch keine Unterschiede oder Gemeinsamkeiten bei der Stimmenverteilung nachvollzogen werden können. Bei den folgenden Angaben sind daher ausschließlich die persönlich im jeweiligen Wahlbezirk abgegebenen Stimmen einbezogen, die Briefwahlstimmen jedoch nicht.

Die Parteien: Der Anstieg der Rechten, besonders in Oberrheinfelden, ist enorm: Bekam die AfD bei den Bundestagswahlen 2013 hier gerade mal 5,5 Prozent der Stimmen, sind es nun 20,9. Das zweitbeste Ergebnis konnten die Rechten im Wahlbezirk 9 (Eichendorffschule) einfahren, hier gaben ihnen 15,5 Prozent der Wahlberechtigten, die sich nicht für Briefwahl entschieden hatten, ihre Stimme. Ganz anders hat der Dinkelberg gewählt. In Eichsel setzten 26 Bürger ihr Kreuz hinter die AfD, was 6,6 Prozent bedeutet und auch in Karsau und Degerfelden blieb das Ergebnis einstellig.

Einstellig blieb auch die Linke in allen Wahlbezirken mit Ausnahme des Gambrinus. 11,1 Prozent der Wahlbeteiligten setzten hinter die Partei ihr Kreuzchen. Im Vergleich zu 2013 gewonnen haben die Liberalen und zwar besonders in Nollingen. Im Bezirk 18 (Hebelschule I) fuhr die FDP mit 14,9 Prozent ihr stadtbestes Ergebnis ein und gewann satte acht Prozentpunkte hinzu. Zu den Siegern dieser Wahl gehört auch Bündnis 90/Die Grünen. Im Gesamtergebnis bilden sie die drittstärkste Kraft hinter CDU und SPD und im Wahlbezirk 20 (Rathaus Herten) kratzten sie sogar an der 20-Prozent-Marke: 19,1 Prozent der Bürger setzten ihr Kreuzchen hinter die Grünen. Abgestraft wurde hingegen die CDU.

Zwar bleibt die Partei mit insgesamt 5769 Stimmen die stärkste Kraft – die Verluste in den einzelnen Bezirken sind jedoch enorm, gerade in der Kernstadt: Im Wahlbezirk 1 (Realschule) stürzten die Christdemokraten von 41,9 Prozent auf 28,2 und mit 27,7 Prozent bekam die CDU im Bezirk 7 (Gambrinus) das schlechteste Ergebnis. Auf dem Dinkelberg hingegen schaffte die Partei überall eine Drei vorm Komma, in Adelhausen wählten sie sogar 47,7 Prozent – das beste Ergebnis 2017.

Auch die SPD hat keinen echten Grund zur Freude, das schlechte Ergebnis von 2013 verschlechterte sich weiter. Im 17. Wahlbezirk (Halle Nollingen) rutschten die Sozialdemokraten von 20,6 Prozent auf 14 ab, und im Bezirk 26 (Schule Degerfelden) verloren sie mehr als acht Prozentpunkte und konnten nur 19,15 Prozent der Bürger überzeugen. Allerdings – im Gegensatz zur CDU, die in jedem Bezirk verloren hat, kann sich die SPD zumindest in einigen mit leichten Zuwächsen trösten. Zum Beispiel im Bezirk 6 (Rathaus), wo sie sich von 18,8 Prozent auf 22,5 steigern konnte.

Die Erststimmen: Bei den Erststimmen liegt CDU-Bundestagskandidat Armin Schuster mit insgesamt 39,9 Prozent klar vorne. Dennoch musste er im Vergleich zur letzten Bundestagswahl, wo er knapp 51 Prozent holte, deutliche Verluste hinnehmen. Auf Schuster folgen SPD-Kandidat Jonas Hoffmann mit 24,2 Prozent der Erststimmen, Gerhard Zickenheiner (Grüne) mit 11,9 Prozent, Wolfgang Fuhl (AfD) mit 10,6 und Christoph Hoffmann (FDP) mit 6,9 Prozent der Stimmen. Dem Linken David Trunz gaben 4,9 Prozent der Rheinfelder Wähler ihre Erststimme, Sabine Schumacher (Piraten) ist mit 1,4 Prozent weit abgeschlagen – in Nordschwaben kam sie aber immerhin auf knapp über zwei Prozent.

Auch in den anderen Ortsteilen ist eine teilweise deutlich unterschiedliche Gewichtung zu erkennen. Während Armin Schuster etwa in Stadtzentrum mit 37 Prozent am wenigsten Erststimmen bekam, votierten in Adelhausen ganze 63,6 Prozent für den CDU-Kandidaten, in Eichsel 53,1 Prozent. Nur 10,8 Prozent der Adelhausener stimmten für SPD-Mann Hoffmann, in Nordschwaben hingegen 28,6 Prozent. Sehr große Unterschiede gibt es auch bei der Verteilung der AfD-Wähler: Während in Eichsel lediglich 4,8 Prozent der Wähler Wolfgang Fuhl ihre Erststimme gaben, waren es in Degerfelden mehr als 12 Prozent, im Stadtzentrum 11,5 Prozent.

Die Wahlbeteiligung: In der Gesamtstadt lag die Wahlbeteiligung höher als 2013: Machten damals noch 68,1 Prozent der Bürger von ihrem Stimmrecht Gebrauch, wählten nun 72,2. In den einzelnen Bezirken gibt es jedoch große Unterschiede. Trauriger Spitzenreiter ist der Bezirk 12 (Goetheschule II): Schon 2013 lag die Wahlbeteiligung mit 45,4 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt. Nun gaben nur noch 37,1 Prozent ihre Stimme ab.

Ganz anders im Bezirk 17: 63,8 Prozent der Bürger gingen am Sonntag in die Hebelhalle und setzten ihr Kreuzchen – das beste Ergebnis in den 29 Wahlbezirken.