Die menschliche Sammelleidenschaft kennt vermutlich keine Grenzen, wie die Ausstellung „Leidenschaften im Koffer“ zeigt, die mit einer gut besuchten Vernissage am Dienstag eröffnete. Im Schauraum in der Innenstadt zeigen 15 Rheinfelder ihre Leidenschaften in 22 Koffern.

Narrenmasken, Kugelschreiber, Kreisel und Briefmarken sind ebenso Objekte der Sammelleidenschaft wie gravierte Pottwalzähne, Aufkleber von Südfrüchten oder naturbelassene Tannenzapfen und Zweige. Die unterschiedlichen Gegenstände bieten einen schönen Anblick, wie sie in der Ausstellung in Koffern präsentiert werden.

Dabei ist jeder Koffer eine kleine Welt für sich: Aus einem Koffer schauen unzählige Hasenfiguren in allen Größen. Modelle von Kränen und Baggern aus vergangenen Tagen dürften auch heute noch Kinderherzen höher schlagen lassen. Antike Fotoapparate und Lochkameras finden als Sammelobjekte ebenso Gefallen wie Sand aus aller Welt in kleinen Flaschen und Zündholzetiketten aus Rheinfelden und Umgebung.

Sammelwut beginnt oft schon als Kind

Zahlreiche Interessierte kamen zur Vernissage im Schauraum, die Kulturamtsleiter Claudius Beck eröffnete. „Sammeln heißt Zeit anhalten“, sagte Beck. „Wir wollen das Alte erhalten, das Schöne von damals, das Besondere, die Erinnerung festhalten.“ Er führte aus, dass sich schon Kinder durch eine „gesunde Form“ des Sammelns von Steinen, Spielzeug oder Federn auszeichneten, die systemisches Denken und Geduld förderte.

„Vermutlich ist das Sammeln von Erfahrungen die gesündeste Form von Sammeln“, stellte Beck fest. Um eine breite Vielfalt an Sammelleidenschaften in einer Ausstellung zu zeigen, hatte der Kulturamtsleiter die Größe der einzelnen Sammlungen auf einen Koffer beschränkt. „Die Leidenschaft wird sozusagen gebändigt.“ In 22 Koffern zeigen 15 Rheinfelder ihre Sammlungen. Eine Sammlerin von Porzellanpuppen war krankheitsbedingt ausgefallen.

Einige der Sammler waren da und tauschten sich mit den Besuchern gerne über ihre Sammlungen aus. In ihrem Koffer präsentiert Birgit Räuber eine Sammlung an Melitta-Geschirr aus den 50ern und 60er Jahren. Porzellan-Kaffeefilter, Kannen und Tassen in Pastellfarben stapeln sich in ihrem Koffer. Die 49-Jährige hatte vor 30 Jahren mit dem Sammeln angefangen. „Mir gefallen einfach die Farben“, erklärte sie. Im Laufe der Zeit ist die Leidenschaft aber abgeflaut. Sie möchte die Stücke wieder verkaufen, da sie keinen Platz mehr hat und das Geschirr ihr für den Keller zu schade ist. Aber als sie von der Ausstellung hörte, wollte sie die Stücke nochmal zeigen, erzählte Räuber.

Musiker schaffen tolle Stimmung

Begeistert gingen die Besucher durch die Ausstellung und bestaunten Comic-Hefte und Groschenromane aus den 50er und 60ern, Ausgaben der französischen Modezeitschrift L‘Echo de la Mode aus dem Jahr 1957 und kleine Figürchen aus Steinen und Holz. „Wenn ich das jetzt so sehe, hätte ich auch einen Koffer zusammenstellen und bringen können“, stellte eine Besucherin aus Degerfelden fest. „Erstaunlich, was die Leute alles so sammeln“, meinte ein Besucher und seine Begleiterin sagte: „Mir gefällt, wie schön das alles in den Koffern arrangiert ist.“ Während die Besucher in der Ausstellung immer wieder Neues entdeckten, spielten die zwei Musiker Jürgen Heubüschl und Tschabou mit leisen Anschlägen Coversongs auf ihren Akustikgitarren.

 

Info: „Leidenschaften im Koffer“ im Schauraum des Kulturamtes, Karl-Fürstenberg-Straße 17, kann noch bis Freitag, 30. April, montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr besucht werden.