Zum traditionellen Neujahrsempfang des Gewerbevereins kamen am Freitagabend nicht nur Vereinsmitglieder, sondern auch zahlreiche Gäste aus der Stadtverwaltung, der Kommunalpolitik und der Nachbarstadt Rheinfelden/Schweiz.

Rege Kontakte nicht nur aus Höflichkeit

Raymond Keller, Präsident des dortigen Gewebevereins, freute sich in seinem Grußwort, dass die regen Kontakte nicht nur aus Höflichkeit bestehen, sondern über Sachthemen sehr intensiv beraten und so für beide Seiten stets ein nützlicher Dialog geführt wird. Er schaue mit Respekt auf die wirtschaftliche Entwicklung der badischen Nachbarstadt. Nicht nur die großen Industriebetriebe zeigten eine gute Entwicklung, auch die Handwerker und Dienstleister verdienten große Anerkennung für die ideenreich und nutzbringende Arbeit.

Einiges ist der Kommunalpolitik zu verdanken

Gerne griff Gustav Fischer, Vorsitzender des Gewerbevereins Rheinfelden/Baden, dieses Lob auf. Doch sei die günstige Entwicklung durchaus auch der Förderung durch die Kommunalpolitik zu verdanken. „Der Gemeinderat machte vielfach die Erfordernisse der Händler und Gewerbetreibenden zum eigenen Anliegen," lobte er. „Die gute Zusammenarbeit mit der gesamten Verwaltung und mit der Wirtschaftsförderungs GmbH zahlte sich erneut aus.“ In diesem Zusammenhang erwähnte er auch die Bürgerstiftung, überhaupt alle, die in freiwilliger Tätigkeit für das Gemeinwohl Aufgaben erfüllen. „All diese vielfältigen Helfer tragen zum Funktionieren unserer Stadt bei“, meinte Fischer.

Festhalten an verkaufsoffenen Sonntagen

Mit gewohnter Scharfzüngigkeit sprach der Vorsitzende des Gewerbevereins aber auch Probleme an. Fachkräftebedarf und nachlassendes Inlandsgeschäft machen den Firmen derzeit zu schaffen, sie seien momentan das größte Risiko. Erfreut bekräftigte er nochmals, dass der Gewerbeverein an den verkaufsoffenen Sonntagen festgehalten werde. Gerade diese seien für Handel und Gewerbe dringend notwendige Veranstaltungen, um auch außerhalb der täglichen Öffnungszeiten mit den Kunden in Kontakt zu kommen. Das derzeit gemeinsam von Wirtschaftsförderung, Süma Meier und dem Leistungsverbund zu erarbeitende Konzept für besondere Veranstaltungen werde sicherlich jüngste Erfahrungen einfließen lassen und so größere Wirksamkeit bewirken.

Kritik: Kein Konzept für die Friedrichstraße

Kritik übte Fischer an dem noch fehlenden Konzept für die Entwicklung der Friedrichstraße, schließlich sei die ein Kernstück der urbanen Struktur. In dieser Geschäftsstraße gebe es schädliche Brüche, mehr Neben- als Miteinander. Ebenso kritisierte er die Überlegungen zur Erweiterung der Fußgängerzone auf die Kapuzinerstraße. Zunächst sollte mit den dort ansässigen Unternehmen gesprochen werden, was sie von dieser Idee halten, dann erst könnten weitere Schritte angegangen werden.

Internet verringert Kundenzahlen vor Ort

Oberbürgermeister Klaus Eberhardt ging in seinem Grußwort nur auf das Thema Friedrichstraße ein und bestätigte, dass dies weiterhin für die Stadtverwaltung ein wichtiges Thema sein wird. Intensiv widmete er sich dem Strukturwandel, den der Handel derzeit durchlebt und dem er sich mit neuen Arbeitsformen stellen muss. Der wachsende Einkauf über das Internet verringere drastisch die Kundenzahlen vor Ort, vor allem Textil- und Schuhsortimente seien davon betroffen.

OB versteht das veränderte Kaufverhalten

Die Geschäfte könnten diesem Trend wohl am besten widerstehen, indem sie neben ihren Ladengeschäften auch eine attraktive Internet-Präsenz betreiben. Er verstehe das veränderte Kaufverhalten der Kunden, das wohl unter anderem durch die stärker Berufstätigkeit der Frauen beeinflusst sei. Online-Präsenz diene aber nicht nur dem direkten Verkauf, sondern erhöhe ebenso die attraktive Sichtbarkeit der Geschäfte außerhalb der Öffnungszeiten. Der verstärke Einkauf beeinflusse aber auch andere Bereiche des städtischen Lebens, zum Beispiel mit deutlich vermehrten Zustellfahrten.

Abwärmenetz auch für das Gewerbe interessant

Für das Gewerbegebiet Einhäge wünscht sich Eberhardt schnelle Bautätigkeit. Dieses Gebiet diene mit seiner günstigen Lage vor allem örtlichen Betrieben, die eine Strukturveränderung mit neuem Standort benötigen. Große Aufmerksamkeit widmete der Oberbürgermeister dem Ausbau des Wärmenetzes. Die Möglichkeit der Nutzung von Evonik-Abwärme schaffe auch für gewerbliche Kunden durchaus günstige Bedingungen. Alle Immobilienbesitzer sollten darüber nachdenken, denn damit entfällt der gesamte Aufwand für ein eigene Heizanlage. Die Teilnehmer des Neujahrsempfangs nutzen die Begegnung zu vielfältigen Gesprächen im kleinen Kreis, zumal sich etliche im Arbeitsalltag nur selten direkt begegnen.