Gestern, am Donnerstag kurz vor Mittag brüllte die Motorsäge auf. Mehrere Äste einer gesundheitlich angeschlagenen Kastanie auf dem Kastanienpark vor dem Rathaus waren bereits vor Fasnacht aus Verkehrssicherungsgründen abgesägt worden, jetzt musste der ganze Baum fallen. Es dauerte nur wenige Minuten, bis das Rund aus 20 Kastanien um eine ärmer war. Stadtgärtner Hans-Georg Bruttel tat es leid, den Baum jetzt fällen lassen zu müssen. Aber es gab offenbar keine andere Lösung.

Der erste Ast bricht fast eigenständig ab

„Der Baum war stark vom Pilz befallen und dadurch so marode und krank, dass er zum Risiko wurde“, erklärte Bruttel im Gespräch. Als vor Fasnacht der zweijährlich anstehende Kopfschnitt vorgenommen wurde, ein Sonderschnitt, der für für einen stärkeren Schattenwurf sorgt, brach bei den Arbeiten bereits der erste Ast eigenständig ab. „Wir versuchen, die Bäume so lange wie möglich zu erhalten, aber diese Kastanie war nicht mehr zu retten“, so der Leiter der Stadtgärtnerei.

Die Bäume sind gut über 50 Jahre alt

Die Kastanien seien gut über 50 Jahre alt. Er schätzt, dass sie in den 1960er Jahren eingesetzt wurden. Damals sei der Kastanienplatz ein Festplatz mit sandigem Boden gewesen. Als das Rathaus gebaut und der Platz überplant wurde, seien wahrscheinlich schon die Wurzeln der Bäume geschädigt worden.

Dazu komme, dass Kastanien nicht zu den robustesten Baumarten zählen würden. „Sie sind anfällig für Krankheiten, für Pilze und vertragen Wetterextreme nicht besonders gut“, so Bruttel. Zudem gebe es als Schädling die Kastanienminiermotte, die auch in der Kastanien-Allee am Schwarzen Weg die Bäume beeinträchtigt hat. „Und dazu kommt es fast in jedem Jahr zu Klimaextremen“, erinnert Bruttel. 2018 war es die lang andauernde Hitze, die die Bäume geschwächt hätte.

Hinweise, dass die Standsicherheit abnimmt

„Die Kastanien in Rheinfelden stehen als Straßenbäume unter ständigem Stress.“ Die anderen, den Kastanienplatz, schmückenden Bäume seien zwar noch vital, es gebe aber Hinweise, dass ihre Standsicherheit abnimmt. Ob sie in zehn Jahren noch stehen würden, könne man nicht sagen. „Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, dass man reagieren muss“, sagt Bruttel.

Neupflanzung ist eine politische Entscheidung

Vor mehreren Jahren war schon einmal eine der Kastanien gefällt worden. An ihrer Stelle wurde eine neue Kastanie gepflanzt. Bruttel zweifelt, ob man das dieses Mal auch tun wird. „Ob man neue Kastanien anpflanzt oder eine andere Baumart wählt, ist eine politische Entscheidung“, sagt er deutlich. Vielleicht würde in den nächsten Jahren auch eine widerstandsfähigere Kastanienart gezüchtet. „Immerhin ist der Platz landläufig Kastanienpark bekannt“, so Bruttel. Er fände es eigenartig, wenn andere Bäume dort wachsen würden.

Rund 4000 Bäume auf städtischen Flächen

Rheinfelden hat auf städtischen Flächen rund 4000 Bäume, die im Baumkataster erfasst sind und in regelmäßigen Abständen überwacht werden. Wurde ein Baum als gefährdet klassifiziert, wird er zwei Mal jährlich von Baumkontrolleur Stefan Trautmann von der Stadtgärtnerei begutachtet. Gesunde Bäume werden in einem längeren Intervall besucht.

Werden Krankheiten, Totholz oder Missbildungen festgestellt, wird mit entsprechenden Maßnahmen darauf reagiert. Im schlimmsten Fall muss eben der Baum gefällt werden, vor allem, wenn er Besitz oder Gesundheit von Menschen bedroht. Diese Maßnahmen werden von der Gärtnerei in Absprache mit Grün- und Landschaftsplaner Patrick Pauli beraten und zum Teil an Fremdfirmen beauftragt.