Einem 25-jährigen Mann wird vorgeworfen, er habe im Januar 2015 eine Taxifahrerin, die ihn von einer Fasnachtsveranstaltung nach Hause bringen sollte, in ihrem Taxi vergewaltigt. Der Mann bestreitet die Tat. In der Beweisaufnahme am ersten Verhandlungstag am Amtsgericht Lörrach sprach eine DNA-Spur gegen ihn. Vieles schien ihn aber zu entlasten.

Vorgeworfen wird dem 25-Jährigen, er habe sich stark betrunken von Wehr in einen Rheinfelder Teilort fahren lassen. Unterwegs habe er der Fahrerin die Hand auf den Schenkel gelegt, sie dann in einen Feldweg gelotst und sie so heftig an den Haaren gezogen, dass sie das Fahrzeug stoppte. Dann habe er den Autoschlüssel abgezogen und die Fahrerin unter Anwendung von Gewalt zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Erst im April erfuhr der Angeklagte bei der Vernehmung wegen einer anderen Sache, dass er dieser Tat verdächtigt wurde. Tatsächlich war er am fraglichen Abend auf der Fasnachtsveranstaltung in Wehr und fuhr mit dem Taxi nach Hause. Wenn er von Wehr, wo sein Bruder zeitweise wohnte, mit dem Taxi nach Hause fuhr, habe er die Fahrer immer über einen Feldweg gelotst, um Zeit und Kosten zu sparen. „Aber es war ein Mann, der uns an diesem Abend gefahren hat“, sagte der Angeklagte. Außerdem war er nicht alleine, ein Bekannter, den er in Wehr getroffen habe, sei mit im Taxi gesessen. Dieser bestätigte das vor Gericht.

Widersprüchliche Aussagen

Die Taxifahrerin, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen worden war, hatte gesagt, der Täter sei zu Fuß geflüchtet. Die ehemalige Freundin des Bruders des Angeklagten sagte aber, der Angeklagte sei in der Nacht mit dem Taxi bis vor die Haustür gefahren worden, und es sei noch ein zweiter Mann mit im Taxi gewesen, der auch ausgestiegen sei. Der Angeklagte sei so betrunken gewesen, dass er in ein Gebüsch gefallen sei.

Die Polizei hatte bei der Taxizentrale in Wehr ermittelt, dass in der fraglichen Nacht nur eine Fahrt von Wehr nach Rheinfelden registriert war, allerdings nicht von der Fahrerin, die vergewaltigt worden war. Die Unterwäsche, die die Taxifahrerin noch aufbewahrt hatte, war nicht kriminaltechnisch untersucht worden. Die Taxifahrerin hatte den Täter zunächst als 1,70 bis 1,75 Meter groß, 45 Jahre alt, untersetzt, mit Brille und Ohrstecker beschrieben. Davon trifft nichts auf den Angeklagten zu. Allerdings hatte die Taxifahrerin, als ihr die Kriminalpolizei mehrere Fotos von in Frage kommenden Männern vorgelegt hat, beim Foto des Angeklagten spontan gestutzt und später gesagt, das sei der Täter gewesen. „Bei nächtlichen Vorfällen schätzen Zeugen das Alter oft meilenweit daneben“, meinte eine Kriminalbeamtin.

Verdächtig machte sich der Angeklagte auch, weil er sich bei der Polizei missverständlich geäußert hatte. Und ein Umstand spricht gegen den Angeklagten: Im Taxi hat man, allerdings erst zwei Wochen nach der Tat, nach Spuren gesucht, und auch eine DNA-Spur gefunden. Es war eine Mischspur, die von mindestens vier verschiedenen Personen stammt, in der sich aber zahlreiche DNA-Merkmale des Angeklagten fanden. Das deutet stark darauf hin, dass er in diesem Taxi saß, eindeutig nachweisbar sei es aber nicht, sagte eine Sachverständige vom Landeskriminalamt. Der Angeklagte hatte aber zuvor schon gesagt, er sei, weil er zu dieser Zeit keinen Führerschein besaß, jedes Wochenende mit einem Taxi gefahren.

Dem Angeklagten wird weiter vorgeworfen, am Morgen des 1. Januar 2016 bei einer Silvesterparty in Minseln seinen Bruder geschlagen und verletzt zu haben und eine Frau beleidigt und ebenfalls geschlagen zu haben. Zudem soll er bei einer Fasnachtsveranstaltung in Warmbach am 5. Februar dieses Jahres einen Türsteher in den Arm gebissen haben, weil dieser ihn nicht hineinließ, da er keine Eintrittskarte besaß. Die Verhandlung wird Ende der Woche fortgesetzt.