Der Wald bedeutet nicht nur Erholung, Sport und Freizeit, sondern ist auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Holz aus Rheinfelden geht sogar bis nach China, während frisches Wild fast ganzjährig beim Jäger bezogen werden kann.

Holzsplitter fliegen durch die Luft, während mit einem Greifarm des Lkw-Hackers Baumstämme langsam in den Zerkleinerer geschoben werden. Über ein Rohr fliegen die Holzhackschnitzel in einen Anhänger, den eine zweite Zugmaschine zieht. Die zu schreddernden Baumstämme liegen schon am Rand der Wirtschaftswege bereit.

Hauptfaktor ist Holznutzung

„Der Hauptwirtschaftsfaktor im Stadtwald ist die Holznutzung“, erklärt Förster Thomas Hirner. Etwa 20 Prozent von den jährlich zu schlagenden 9000 Festmetern im etwa 1300 Hektar großen Stadtwald werden zu Hackschnitzel verarbeitet oder als Brennholz losgeschlagen. Im Wirtschaftsplan 2018 sind 705 000 Euro Einnahmen kalkuliert, von denen 584 000 Euro auf den Holzverkauf entfallen. Holz mit guter Qualität für den Möbelbau oder die Furnierholzproduktion gibt es allerdings weniger als Brennholz oder Hackschnitzelholz. Die restlichen Einnahmen stammen aus Verpachtungen oder Entschädigungen zum Anlegen von Ausgleichsflächen für den Bau der Autobahn 98.

Rohstoff auf dem Weltmarkt gehandelt

Geduld muss man aber haben, denn eine Fichte braucht 90 bis 100 Jahre, bis sie hiebreif ist und dann im Idealfall 2,5 bis 3 Festmeter bringt, die sich zusammen für 300 Euro verkaufen lassen. Bei einer 300 Jahre alten Eiche bringt der Festmeter 400 bis 500 Euro, in guter Qualität auch mehr. „Wir produzieren einen Rohstoff, der am Weltmarkt gehandelt wird, mit den Auflagen und Kosten einer Industrienation. Der Preis entwickelt sich erst nach dem ersten Veredelungsschritt. Das ist eine Zwickmühle“, räumt Hirner ein. Noch dazu sorgen Dürrejahre oder Stürme für wirtschaftliche Einbußen, wenn auf die Trockenheit der Borkenkäfer folgt oder Bäume vor ihrer Zeit fallen.

Hirner erklärt, dass der Forst aber nicht nur aus finanzieller Perspektive betrachtet werden dürfe, da er zugleich auch Naherholungsgebiet, bedeutsamer Trinkwasserspeicher und CO2-Speicher sei. „Vor allem in jungen Jahren nehmen Bäume enorme Menge an CO2 aus der Luft auf“, erklärt Hirner. „Wenn man das Holz verbaut, ist das ein ideales Mittel, um CO2 zu binden.“

Jahresumsatz im Betriebsteil 3,5 Millionen

Etwa 406 Hektar auf Rheinfelder Gemarkung bewirtschaftet der Forst BW-Betriebsteil Lörrach. Hiebsätze und Einnahmen werden aber nicht nach Gemarkungen aufgeschlüsselt. Auf Anfrage erklärt Thomas Herrmann vom Fachbereich Waldwirtschaft beim Landratsamt Lörrach, dass der Hiebsatz für den gesamten Staatswald im Landkreis Lörrach 56 000 Festmeter beträgt und sich auf 7395 Hektar Waldfläche bezieht, also 7,57 Festmeter pro Hektar. Umgelegt auf die Fläche der Rheinfelder Gemarkung kommen rund 3075 Festmeter zusammen. Herrmann erklärt, dass der Forst BW-Betriebsteil Lörrach inklusive Auszubildender 36 Personen beschäftigt, die einen Jahresumsatz von rund 3,5 Millionen Euro erwirtschaften.

Privatwald spielt untergeordnete Rolle

Der klein strukturierte Privatwald spielt dagegen wirtschaftlich nur eine untergeordnete Rolle. In einem Jahr kommen etwa 1500 Festmeter Holz zusammen, die zusammen mit dem Holz aus dem Stadtwald über die Forstbetriebsgemeinschaft Kleines Wiesental gehandelt werden. Die Privatwaldbesitzer unterstützt der Forst mit kostenloser Beratung bis hin zum kostenpflichtigen Sorglospaket inklusive Vermittlung von Unternehmern, die mit ihrer Arbeit im Wald ebenso Geld verdienen, wie auch die sechs festangestellten Facharbeiter im Stadtwald, Transportunternehmen, Sägewerke und alle in der Folge damit beschäftigten Unternehmen. Das Rheinfelder Holz geht in alle Welt, nach Bayern, Vietnam oder China, erklärt Hirner. Auch nicht messbar sind Einnahmen von Imkern, die ihre Beuten im Wald stehen haben, oder von Pilzsammlern, von denen einige mehr als das erlaubte Kilo am Tag mitnehmen und an Gastronomiebetriebe weiterverkaufen.

Wichtiger Wirtschaftsfaktor ist auch die Jagd

Einen wichtigen Wirtschaftsfaktor stellt auch die Jagd dar. Die Rheinfelder Gemarkung liegt im Hegering 2 Dinkelberg, der zwischen Lörrach und Steinen im Norden sowie Schwörstadt und Grenzach-Wyhlen im Süden liegt. Hegeringleiter Roland Heller erklärt, dass es beim Rehwild jährlich zu etwa 650 Abschüsse und beim Schwarzwild zu etwa 450 kommt. Er überschlägt, dass ein Reh etwa verwertbares 15 Kilogramm Fleisch hat, in Summe also rund 10 000 Kilogramm zusammen kommen, die einem Marktwert von 75 000 Euro entsprechen. Bei Wildschweinen geht er von rund 16 000 Kilogramm mit einem Wert von 100 000 Euro. Heller erklärt, dass Schwarzwild anders als Rehwild nahezu ganzjährig, außer in den Schonzeiten im März und April, frisch vom Jäger bezogen werden kann. Und Privatkunden zahlen beim Jäger den gleichen Preis wie Gastronomiebetriebe oder Metzgereien. „Wenn der Kunde bestellt, lebt das Tier noch. Der Kunde bekommt es dann küchenfertig und auf Wunsch auch vakuumiert“, sagt Heller.