Wenn das Quartierskonzept planmäßig anläuft, dann macht die Stadt in diesem Jahr beim Ausbau des Wärmenetzes einen großen Schritt nach vorne. Das Freiburger Beratungsbüro „Enduro kommunal“ wurde Ende 2018 vom Gemeinderat beauftragt, ein Konzept zu erarbeiten und Maßnahmen zu ergreifen, um die Gebäudebesitzer im Bereich Müßmatt-, Fritz Rösler- und Karl-Fürstenberg-Straße für einen Anschluss an ein gekoppeltes Wärme- und Breitbandnetz zu gewinnen. Um möglichst viele Bürger mit dem Thema früh zu erreichen, findet am 2. April eine Einwohnerversammlung statt.

  1. .Was ist das Ziel? Rolf Pfeifer von Enduro stellte im Bau- und Umweltausschuss vor, auf was es dem Unternehmen in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken ankommt, und der gab einstimmig grünes Licht. Dabei zeichnet sich ab, dass bei den großen Energieverbrauchern als Erstes Überzeugungsarbeit zu leisten ist, damit das Energie- und Klimaprojekt wirtschaftlich betrieben werden kann. Städtische Wohnbau, das Hochrheincenter und andere sollen Zugpferd sein, damit auch private Hausbesitzer bei der Sanierung ihrer Heizungsanlagen auf der zu bauenden Leitungsstrecke andocken und auf das Wärmenetz umsteigen, das durch die Nutzung der Abwärme von Evonik ab 2020 einen Nutzen hat.
  2. .Was ist geplant? Ende das Jahres soll laut Pfeifer das Konzept stehen. Er erklärte in der Sitzung am Donnerstag, wie ein mehrgleisiges Vorgehen aussehen soll. Für das Quartierskonzept erwartet die Stadt eine 65-prozentige Förderung der Kosten von 193 000 Euro durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) aus dem Programm „energetische Stadtsanierung“. Einen Anschlusszwang in den Quartieren, in die gekoppelt Wärme- und Breitbandrohre gelegt werden, fasst die Stadt nicht ins Auge. In den bebauten Bereichen wird auf Freiwilligkeit gesetzt.

OB Klaus Eberhardt betonte aber auch: „Wir brauchen große Aufgeschlossenheit." Dabei zeigte er sich zuversichtlich „dass die Argumente Klima und wirtschaftliche Aspekte für den Anschluss sprechen“, zumal in Verbindung mit dem Breitbandanschluss bis vor die Haustür in Zusammenarbeit mit dem Zweckverband auch finanziell attraktive Konditionen geschaffen werden sollen. Pfeifer rechnete vor, dass für alternative Energien am Haus im Einzelfall bis zu 50 000 Euro investiert werden müssen, der Anschluss an das Nahwärmenetz soll sich in einer Größenordnung von 10 000 bis 15 000 Euro bewegen.

  1. .Wie wird vorgegangen? Der externe Dienstleister möchte auch Schornsteinfeger und Heizungsbauer für das Wärmenetz als wichtige Zielgruppe einbinden. Das werde nicht einfach, klang in der Diskussion an. Pfeifer appellierte deshalb an die Kommunalpolitiker, „als Stadt politisch dazu zu stehen“. Er stellte einen attraktiven Wärmepreis in Aussicht, mit dem die Stadtwerke erfolgreich beim Netzbetrieb mit Blockheizkraftwerken, Gas und Pellets schon operieren, auch künftig „überleben“.

Für Hausbesitzer liegen die Vorteile aus seiner Sicht außer dem Preis darin, dass keine eigene Heizung mehr betrieben werden muss. Ziel der Stadt sei es nicht, „große Gewinne zu machen“, erklärte der OB. Sie wird große finanzielle Vorleistungen erbringen, damit „Versorgungssicherheit und Klimaschutz stimmen“.

  1. .Was geschieht 2019? Betriebsleiter Daniel Weiß von den Stadtwerken stellte Probebohrungen an der Strecke zwischen Müßmatt- und Karl-Fürstenbergstraße bis zum Rathaus vor. Er kündigte ein Kombiangebot für Wärmenetz mit Breitbandanschluss an, das etwa 100 Euro günstiger als der Standard liege. 140 Hausbesitzer haben Post erhalten, mit dem Ziel, mindestens 50 Anschlüsse zu gewinnen. Im Mai soll der Leitungsbau beginnen. Einer der ersten Kunden wird das Rathaus sein, das 2019 ans Netz soll. Die Preise werden so kalkuliert, dass viele mitmachen, heißt es.
Betriebsleiter Daniel Weiß von den Stadtwerken hat in diesem Jahr viel vor.
Betriebsleiter Daniel Weiß von den Stadtwerken hat in diesem Jahr viel vor. | Bild: Ingrid Böhm-Jacob

Ende 2020 soll es soweit sein, dass Evonik einspeisen kann. Technisch sei dies laut Weiß „problemlos“. Für 2020 planen die Stadtwerke, in die Fußgängerzone zu gehen, mit dem Leitungsbau bis zum Hochrheincenter. 2020/2022 soll die Strecke bis zum Freibad und südlich des Bahnhofs folgen. „Interesse im Markt ist vorhanden“, betonte Weiß.