Der Neubau des Hochbaubehälters in der Grüttgasse wird nötig. Dafür muss die Stadt auch über eine Wassernotversorgung nachdenken. Wasser könnte durch eine in der Autobahnbrücke liegende Wasserleitung aus Schweizer Rheinfelden bezogen werden. Die Nachbarstadt, die über viel mehr Wasser verfügt, als sie braucht, wäre für die Notlieferung bereit, wünscht aber, dass ein festes Kontingent von deutscher Seite übernommen wird.

Technische und hygenische Mängel

Eine Instandsetzung des Hochbehälters HB3000 in der Grüttgasse (Vogelsang) wird wegen baulicher, technischer und hygienischer Mängel nötig, wie Klaus Rhode mitteilte, der Geschäftsführer der Firma Regioaqua, die in Rheinfelden fürs Wasser verantwortlich ist. Mitte 2020 wolle man mit dem Bau des neuen Hochbehälters am gleichen Ort beginnen, wofür rund 5,7 Millionen Euro (samt Planung) nötig sein werden. Ursprünglich war man von einer Sanierung mit Kosten von 1,39 Millionen Euro ausgegangen, hatte aber bald festgestellt, dass ein Neubau unumgänglich wird.

Speisung von drei Tiefbrunnen

Der Hochbehälter Vogelsang wird von drei Tiefbrunnen gespeist. Es ist vorgesehen, während der geplanten Bauzeit die entsprechenden Netzabschnitte direkt von den Tiefbrunnen aus zu versorgen. Im Fall einer Anlagenstörung oder eines Stromausfalls stünden während der Bauphase somit keine Reserven durch ein vorgelagerten Behälter zur Verfügung.

Mit dem Bau der Autobahnbrücke wurde auch eine Wassernetzverbindung zwischen beiden Rheinfelden geschaffen, die zur Zeit noch getrennt ist. Zur dauerhaften Gewährleistung der Versorgungssicherheit des Trinkwassers in badisch Rheinfelden wird daran gedacht, die beiden Netze zu verbinden.

Schweiz könnte bis zu 800 Millionen Liter abgeben

Wie Oberbürgermeister Klaus Eberhardt in der Sitzung des technischen Ausschusses mitteilte, sei es wichtig, der Schweizer Nachbarschaft schnell eine Information zu geben, ob man eine Netzeinspeisung wünsche, da auch andere Kommunen Anfragen an Rheinfelden/Schweiz stellen würden. Die Schweiz könne bis zu 800 000 Kubikmeter Wasser abgeben, also 800 Millionen Liter. Allerdings würden die Nachbarn durch ein festes Kontingent der Einspeisung von regelmäßig 200 Millionen Litern fordern.

Sorgen um Wasserpreis, Frage nach Qualität

Dieter Meier (CDU), machte sich Sorgen, dass die Einspeisung von Wasser aus der Schweiz Auswirkungen auf den Wasserpreis für die Bürger haben könnte. „Kommen mit dem Schweizer Wasser auch Schweizer Preise?“, fragte er. Karin Paulsen-Zenke (SPD) brachte gleich noch die Frage nach der Wasserqualität ins Spiel. Rhode informierte, dass eine feste Preisverhandlung noch nicht stattgefunden habe, aber beim Vorfühlen habe man Werte genannt bekommen, die gut aussehen würden, so dass durch die Einspeisung wohl keine besonderen Preiserhöhungen zu erwarten seien. Allerdings würde sich der Neubau des Hochbehälters sicherlich auf die Kosten auswirken. Der alte HB3000 sei abgeschrieben. Ein Neubau würde auch weitere Abschreibungen mit sich bringen.

Zur Qualität informierte Rhode, dass das Schweizer Wasser eine Härte von 16 habe, während auf deutscher Seite eine Härte von 27 gemessen werde. Bei der Zumischung würde sich der Wasserhärtegrad auf deutscher Seite um nur einen Grad senken, wobei man nicht von einer spürbaren Veränderung oder Enthärtung sprechen könne. „Aber das Wasser wird durch die Zumischung auch nicht schlechter“, warf der OB ein.

Der Ausschuss empfahl einstimmig einen Baubeschluss für den Neubau des Hochbehälters Vogelsang und die dazu notwendige Netzeinspeisung von Rheinfelden/Schweiz. Bezüglich der Wasserqualität und Möglichkeiten der Enthärtung wird es einen eigenen Tagesordnungspunkt zu einem anderen Zeitpunkt geben, wie der OB bereits zu Beginn der Sitzung informiert hatte. Die SPD hatte aufgrund der Fülle der Tagesordnungspunkte beantragt, eine Kürzung zu prüfen.