Das Thema heißt zwar Rheinfelder Friedhöfe 2050. Doch bis dahin will sich die Stadt nicht Zeit für eine Entwicklungskonzeption lassen. Seit November ist die Verwaltung bereits vorbereitend am Werk. 15 Betriebe, die mit Landschaftsarchitektur und Friedhofsplanung zu tun haben, wurden angefragt, ob sie Interesse haben, einen Plan zu erarbeiten für den Hauptfriedhof der Stadt, die Friedhöfe Herten/Degerfelden und Minseln.

75 Prozent sind heute Urnenbestattungen

Allein der Stadtfriedhof bietet heute rund 5000 Grabstellen, in Karsau sind es etwa 800, in Herten-Degerfelden um die 1200. Bis zu 350 fassen die Friedhöfe Minseln, Eichsel-Adelhausen und Nollingen. Der kleinste Friedhof liegt in Nordschwaben mit rund 100 Grabstellen. Weil mittlerweile 75 Prozent der Bestattungen in Urnen erfolgen, hat sich der ursprünglich angenommene Flächenbedarf für die Friedhöfe verändert und es entstehen Freiflächen, die zu gestalten sind, weil die früher von Generation zu Generation gepflegten Gräber aufgegeben werden.

Die Nachfrage spielt eine Rolle

Bei allem was künftig geplant wird, spielt die Nachfrage eine Rolle, wobei, wie Frank-Michael Littwin auf Nachfrage erklärt, der Bestand harmonisch zu integrieren sei. „Die Aufgabe besteht nun darin, so zu planen, dass die Friedhöfe zukunftsfähig sind.“ Das gilt ganz besonders für den Stadtfriedhof.

Arbeitsgruppe bewertet Kriterienkatalog

Acht Firmen haben dem Leiter des Bürgerbüros mitgeteilt, dass sie ausgelastet sind, drei Büros haben nicht geantwortet. Vier Betriebe haben Interesse an diesem Entwicklungsprojekt angemeldet. Kurz vor der Sitzung des Hauptausschusses nahmen die Büros an einer Ortsbegehung mit der Verwaltung teil, damit sie eine eigene Vorstellung von den Anlagen bekommen. In der kommenden Woche erwartet die Stadt die Angebote. Danach wird eine Arbeitsgruppe nach einem Kriterienkatalog bewerten. Es schließen sich Workshops an mit Vertretern der Gremien, sachkundigen Bürgern sowie Betrieben vor Ort. Angestrebt werden Lösungen auf „breiter Ebene“, so Littwin.

Garten der Erinnerung ist voll belegt

Die Kommunalpolitiker sehen den Handlungsbedarf. Für den Hauptfriedhof zeichne sich ab, so Littwin , dass das seit 2007 gärtnerbetreute Feld „Garten der Erinnerung“ mit 1700 Quadratmetern, das die Arbeitsgemeinschaft der örtlichen Bestattungsunternehmen und Friedhofsgärtner betreut, voll belegt ist. Die Genossenschaft der Gärtner hat deshalb nach einer weiteren zusammenhängenden Fläche nachgefragt. Zwei bieten sich laut Littwin an. Das angrenzende Grabfeld P mit 830 Quadratmeter und eine freie Fläche im Feld U2 mit 480 Quadratmetern in Nähe des Hinterausgangs. Die Plätze, die von der Genossenschaft gepflegt werden, werden laut Littwin stark nachgefragt.

In Minseln brennt das Problem

Paul Renz (CDU) schien die Zielsetzung für den Stadtfriedhof schlüssig, allerdings dauert ihm der Vorlauf zu lange, denn in Minseln brenne das Problem „auf den Nägeln“. Dort drängen in der Hanglage Gestaltungsfragen, die Verbesserung der Aufenthaltsqualität, die Wegführung Er forderte deshalb, mehr Tempo vorzulegen. Der Zeitplan der Verwaltung sieht, wie Bürgermeisterin Diana Stöcker erklärte, vor, dass die Konzeption bis zur Sommerpause stehen soll. Sie merkte an, dass nie eine Umsetzung für 2019 versprochen worden sei.

Insgesamt legten die Fraktionen Wert darauf, dass die Anregungen von vor Ort, so Karin Reichert-Moser (FWV), berücksichtigt werden. OB Klaus Eberhardt sprach sich für die Workshops beim sensiblen Thema Friedhof aus, aber auf einer aussagekräftigen Arbeitsgrundlage.