Mit einem unabhängigen Beratungsangebot und der Durchführung von Quartierskonzepten hofft die Stadt auf eine Zuschussquote von 65 Prozent. Die Mitglieder des Bauausschusses haben den Plänen in einer öffentlichen Sitzung am Donnerstag einstimmig zugestimmt.

Bereits 2014 wurde mit dem Bau eines Wärmenetzes im Norden Rheinfeldens, im Bereich Herbert-King-Park, begonnen. In den Folgejahren haben die Stadtwerke immer mehr Gebäude an diese Grundstruktur angeschlossen. 2017 bauten sie das Netz im Bereich Adolf-Senger-, Pestalozzi-, Hardt- und Jahnstraße aus und schlossen drei Schulen, einen Kindergarten, die katholische Kirchengemeinde, die Gewerbeschule und ein privates Pflegeheim an. Die Abwärme kommt von der Firma Evonik und steht im südlichen Werkteil in einem Abhitzekessel zur Verfügung. Auch die bestehenden Biomassekessel der Gewerbe- und Goetheschule wurden in das Netz integriert.

In den kommenden Jahren möchte die Verwaltung das Abwärmenetz deutlich ausbauen. Dazu soll noch in diesem Jahr in einem ersten Schritt eine Leitung zum Georg-Büchner-Gymnasium gelegt werden. Die dafür nötigen Tiefbauarbeiten übernimmt die Firma Bau GmbH Wehr, die Spülbohr- und Rohrlegearbeiten Lienhard und Co. in Waldshut. Der Vergabe an die beiden Firmen haben die Mitglieder des Bauausschusses am Donnerstag einstimmig zugestimmt. Ebenfalls noch 2018 soll die bestehende Leitung um den Bereich Friedrich-, Karl-Fürstenberg- und Müßmattstraße erweitert werden. „An dieser Leitungstrasse besteht großes Potenzial zur Anbindung von privaten Gebäuden“, erläuterte Daniel Weiß von den Elektrizitätswerken Schönau (EWS), die die Stadtwerke beim Nahwärmenetz beraten. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit sei es, möglichst viele Abnehmer zu finden. Für 2019 ist dann der Ausbau im Westen Richtung Schwimmbad geplant (zweites Quartierskonzept).

Da die Stadt bereits gute Erfahrungen mit Quartierskonzepten gemacht habe, sollen diese laut Oberbürgermeister Klaus Eberhardt auch bei den geplanten Arbeiten eingesetzt werden. Bei den Quartierskonzepten handelt es sich um ein Förderprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), mit dem Konzepte zur energetischen Optimierung von ganzen Stadtteilen gefördert werden. Da der Ausbau eines Wärmenetzes und gerade die Anbindung von Privatkunden sehr kommunikations- und personalintensiv sei, so Eberhardt, umfassen die Quartierskonzepte auch Sanierungsmanager. Diese sollen potenzielle Kunden unabhängig über die Vorteile des Wärmenetzes informieren und sie beraten.

Insgesamt rechnet Weiß mit Investitionskosten für das gesamte Projekt von acht bis zehn Millionen Euro für die kommenden fünf Jahre. Die Kosten für Quartierskonzepte und Sanierungsmanager unterstützt die KfW mit bis zu 65 Prozent. Diesen und weitere Förderanträge hat die Stadt bereits gestellt und erwartet Rückmeldung bis Mitte 2018.

Der Zweckverband Breitbandversorgung hat bereits bei den Bauarbeiten zum Wärmenetz 2017 parallel Leerrohre zu Glasfaserversorgung mitverlegt. Auch beim weiteren Netzausbau sollen Synergieeffekte genutzt werden, oder, wie Eberhardt es ausdrückte: „Wenn wir eh aufbuddeln, kommt auch gleich Breitband rein.“

Die Fraktionen äußerten sich allesamt positiv zu den Ausbauplänen und den Quartierskonzepten. Dieter Meier (CDU) betonte, dass man die wirtschaftlichen Vorteile bei der Akquise herausstellen und auch die örtliche Industrie einbinden müsse. „Niemand wird sich einer solchen ,Win-win-Situation’ entziehen“, sagte Heiner Lohmann (Grüne), und auch Karin-Reichert Moser signalisierte für die Freien Wähler Zustimmung. Ähnlich äußerte sich Wilhelm Hundorf (SPD): „Bei uns müssen sie keine Türen einrennen, die sind offen.“