Das Haus Elisabeth ist ein sehr altes Gebäude des St. Josefshauses Herten. 1890 erbaut, wurde es schon fünfmal umgebaut. Derzeit wird es wieder für knapp fünf Millionen Euro umgebaut und ist der Beginn eines spannenden Projekts: „DAsein“ – die inklusive Familienhilfe im St. Josefshaus.

Den ehrenamtlichen Helfern der Einrichtung wurde das Konzept vorgestellt, sie konnten die Baustelle besichtigen. Bis Sommer sollen die Umbauten abgeschlossen sein, zum Schuljahresbeginn können bis zu 30 Kinder im Haus Elisabeth wohnen, sagte Projektleiter Thomas Mürle.

Wohngruppen auf zwei Etagen

Es wird ein Haus für Kinder, auf zwei Stockwerken entstehen für sie Wohngruppen mit hellen Räumen und großen Bädern. Geplant sind auch Räume, in denen Eltern oder ihre Kinder vorübergehend wohnen können. „Damit kann eine schnelle und unkomplizierte Hilfe zur Entlastung von Notsituationen in Familien ermöglicht werden“, informierte Mürle. Für Familien mit einem behinderten Kind soll das Haus Elisabeth ein Ort werden, an dem sie Unterstützung bekommen können, im Alltag, in Fragen der Pflege oder der Erziehung.Mürle erklärte: „Zum Beispiel wenn ein Kind eine Magensonde bekommt und die Eltern damit noch Probleme haben, können sie kommen und werden hier von erfahrenem Personal beraten.“ Auch externe Partner werden gerne mit einbezogen. Aus den Reihen der Ehrenamtlichen schoss sofort die Frage – und wer trägt die Kosten? Mürle verwies auf die Pflegekasse und die Eingliederungshilfe. „Dies ist ein Pilotprojekt, wir müssen erst Erfahrungen sammeln.“ 

Durch das Konzept von Haus Elisabeth sollen einerseits Familien so lange wie möglich unterstützt werden, um einen stationären Aufenthalt von Kindern zu vermeiden. Das andere zu erreichende Ziel ist Inklusion, denn das Haus soll ein Treffpunkt für alle werden. Im Sommer werden 30 Kinder zwischen sechs und 18 Jahren einziehen, die Ältesten in einer Wohnung für Wohntraining. Dabei lernen die jungen Erwachsenen selbstständig zu leben, waschen, putzen, einkaufen, alles was dazu gehört so zu leben, wie die Menschen das selbst möchten. Ziel ist ein möglichst selbstständiges und eigenverantwortliches Wohnen nach dieser Trainingsphase. Mürle berichtete von den Herausforderungen, die der Umbau mit sich brachte. Zum Beispiel wurde das Haus Elisabeth lange als Krankenhaus genutzt und hat deshalb die typischen langen Flure. Innenarchitektonische Elemente wie Lampen in den Fluren sollen mehr Wohnlichkeit herstellen. In den Bädern müssen Lifterkonstruktionen, eine Hubwanne, eine hohe Toilette mit Halterungen und Dusche untergebracht werden. Auch die Küchen sind nicht sehr groß, es wurde „gepuzzelt, damit alles passt“.Wäre ein Neubau nicht billiger und einfacher gewesen? Mürle: „Ein Neubau wäre nicht so schnell zu realisieren gewesen. Außerdem hat das Haus einen besonderen Charakter, der erhalten bleiben soll.“ Dabei klopfte er auf eine sehr dicke Mauer, die 1890 Außenmauer war und nun mitten im Gebäude liegt. Das Erdgeschoss wird für offene Angebote angelegt. Hier gibt es große Räume zum Basteln, hier können Kochkurse, Ferienangebote oder Nachschulbetreuung und Kleinkindangebote gemeinsam mit vielen verschiedenen Partnern der Region stattfinden.

Ein Treffpunkt für alle

„Wir müssen nicht alle Angebote selbst abdecken. Es gibt viele kompetente Partner, denen wir gerne Räume zur Verfügung stellen, oder mit denen wir gemeinsame Angebote entwickeln. Wir wollen Rahmenbedingungen für Netzwerke zur Verfügung stellen, die Familien zu Gute kommen“, meinte Mürle. Das Erdgeschoss ist als Treffpunkt für alle geplant. Damit ist gemeint, dass auch Nichtbehinderte aus der Nachbarschaft zum Spielen oder Lernen hierher kommen können, dass Geschwister daran teilnehmen können oder einfach Menschen, die sich dafür interessieren. „Um diese Angebote realisieren zu können, sind wir auch auf zusätzliche Spendengelder angewiesen“ betonte Mürle. Die Projektgruppe, die hinter dem Konzept steht, nennt das Vorhaben „DAsein“. Auf der Webseite der Einrichtung steht zu lesen „DAsein heißt, wir freuen uns über alle, die bei dem Projekt dabei sind“. Das Haus Elisabeth für Kinder ist ein inklusives Modell, bisher einmalig im Landkreis Lörrach. Aus diesem Grund muss noch viel entwickelt werden und viel Dialog stattfinden, um den richtigen Weg gehen zu können. Am 4. März wird das Projekt Mitarbeitern, Kindern, Jugendlichen und dem Heimbeirat vorgestellt.Zum Sommerfest sollen die Räume fertig gebaut mit einem Tag der offenen Tür der Öffentlichkeit vorgestellt werden, mit dem Schuljahresbeginn 2016/17 wird das Haus mit Leben erfüllt sein.