Wann hat man schon mal die Gelegenheit, Teil eines Wassermoleküls zu sein, das sich am Ende zu einem Eiskristall zusammenzieht? Die 3000-Schritte-Aktion am Sonntag machte es möglich, als der Biologe und gern gesehene Stammgast beim geselligen Sonntagspaziergang, Thomas Schmidt, aus seinem Wissensschatz schöpfte. Nach dem langen Hitzesommer drehte sich alles ums Wasser. Der Experte hatte auf der Route durch die Stadt eine Fülle an interessanten Informationen darüber parat, welche Strategien Pflanzen, Bäume oder Tiere entwickeln, um lange Trockenzeiten zu überleben. Am Ende fiel das Resümee der über 60 Teilnehmer einstimmig aus: „Wir haben viel dazu gelernt.“

Zauberwort Photosythese

Zum Beispiel bei der ersten Station im Herbert-King-Park, wo es Schmidt gelang, den jeweiligen Prozess trotz chemischer Formeln für den Laien verständlich zu vermitteln. Photosynthese heißt das Zauberwort: Dabei produzieren Pflanzen aus Wasser, Kohlenstoffdioxid und Lichtenergie den Zucker Glucose und Sauerstoff – eine biochemische Reaktion, die das Leben auf unserer Erde erst möglich macht. Das Wasser, welches die Bäume brauchen, gehe in die Blätter, daher sei es sehr wichtig, dass deren Oberfläche gut gegen Wasserverlust angepasst sei, und je nach Baumart die Spaltöffnungen an der Unterseite bei den kühleren Nachttemperaturen möglichst viel CO2 aufnehmen und wenig Wasser abgeben würden.

Interessantes zum Kaktus

Ein ganz spezielles Gewächs sei der Kaktus – der würde tagsüber alles dicht machen, aber nachts, wenn es nicht mehr zu heiß ist, CO2 aufnehmen und als Säure speichern. Wenn man morgens auf einem Kakteenblatt kaut, würde es sauer schmecken. Da jedoch tagsüber die Weiterverarbeitung zu Zucker erfolgen würde, sei der Geschmack am Abend eher süß.

Bewegen wie ein Wassermolekül

Wie gewohnt, verstand es Schmidt, seine Zuhörer auch durch Bewegung einzubeziehen, als er auf der Wiese vor dem Campus alle aufforderte: „Bewegen Sie sich, laufen Sie herum wie ein großes Wassermolekül.“ Es machte allen sichtlich Spaß. Einen Abstecher in die Literatur zum Thema Wasser gab es beim riesigen Wasserhahn auf dem Areal der Schillerschule. Schmidt zitierte nicht nur aus Schillers Werk „Die Bürgschaft“, in dem eine Quelle kühlen Wassers den Helden rettete, er erinnerte auch an bekannte Redensarten zum Wasser: „Am Anfang war das Wasser, Wasser auf die Mühlen der Wahrheit, aus Wasser Wein machen oder kein Wässerchen trüben können."

Da Wasser für alle Lebensvorgänge notwendig ist, galt das Augenmerk beim derzeit ausgetrockneten Dürrenbach den darin vorkommenden Tieren und Insekten, und wie sie einen Wasserverlust vermeiden, so wie der Wasserkrebs, der sich so tief in den Gewässerschlamm einbuddeln würde, dass eine lebensnotwendige Restfeuchtigkeit erhalten bleibt.

Austrocknung nicht so dramatisch

Die derzeitige Austrocknung sei jedoch gar nicht so dramatisch, denn sie führe dazu, dass der Dürrenbach wieder neu besiedelt werden könne und sich andere Arten niederlassen würden. Wäre er ständig von Wasser durchströmt, würden manche Arten zu dominant werden.

Vor dem obligatorischen Apero bei der Tourist-Info bedankten sich die Teilnehmer mit großem Applaus für die kurzweilige Unterrichtsstunde in Biologie- und Chemie.