Bei den Projekttagen „Eine für alle, alle für eine – Vielfalt als Normalfall“ stand für die Grundschüler der Hans-Thoma-Schule etwas ganz Besonderes auf dem Programm: Sie haben ihr eigenes Musikvideo gedreht. Von Montag bis Mittwoch hatten die Schüler zunächst Liedtext, Kostüme und Requisiten selbst erarbeitet. Mit professioneller Unterstützung der Band „Otto Normal“ aus Freiburg haben sie das Ergebnis mit der Kamera festgehalten.

„HTS, hab‘ meine Freunde an der HTS“

„HTS, hab‘ meine Freunde an der HTS“, singen die Schüler lauthals in der Mensa der Hans-Thoma-Schule. Besonders die drei Buchstaben, die als Abkürzung für den Namen der Grundschule stehen, schmettern sie Peter Stöcklin besonders laut entgegen. Stöcklin ist der Sänger der Band „Otto Normal“ aus Freiburg, der die Schüler zusammen mit dem Gitarristen Sebastian Scheipers bei dem Projekt begleitet. Zur Finanzierung der Musiker und des Kameramanns hatte die Schule Unternehmen als Spender gewonnen.

Am Ende ist Peter Stöcklin zufrieden

„Nein, ihr habt nicht zusammen angefangen. So bringt das nichts“, sagt Stöcklin und bricht den Song ab. Nochmal von vorne. Das gemeinsame Singen haben die Erst- bis Viertklässler noch nicht wirklich verinnerlicht, am Gesang lässt sich noch feilen, doch die Kinder haben sichtlich Spaß und sprühen vor Energie. Viele können beim Singen kaum ruhig stehen bleiben. Die Wiederholung des Refrains klappt besser. „Nach dem ,HTS‘ am Ende der ersten Zeile geht es gleich ohne Luftholen weiter. Das ist die Schwierigkeit im Refrain“, erklärt Stöcklin und probt mit den Kids gezielt die Stelle. Zum Schluss wird der Refrain nochmal in Gänze gesungen. Stöcklin ist zufrieden.

Interviews und Berichte auf der Webseite

Das Lied ist ein Gemeinschaftswerk. Alle 195 Schüler der inklusiven Grundschule haben sich an den Projekttagen beteiligt. Neben der Textgruppe gab es Gruppen für Requisiten, Kostüme, szenische Umsetzung, Tanz, Geräusche und Öffentlichkeitsarbeit. Einige der Kinder sind die ganze Zeit über mit Fotoapparat und Kameras unterwegs, um Interviews und Berichte für die Website und die Premierenfeier zu erstellen. Kilian findet es cool, mit Videokamera und Fotoapparat zu arbeiten und Armir erzählt, wie sie Fragen gestellt haben und die Mitschüler bei ihrem Tun gefilmt haben.

Jaroslav und Luan singen unter Anleitung von Peter Stöcklin ein.
Jaroslav und Luan singen unter Anleitung von Peter Stöcklin ein. | Bild: Horatio Gollin

Premiere folgt nach den Pfingstferien

Das Ergebnis der musikalischen Tage ist ein Musikvideo, das die Kinder am Mittwoch mit professioneller Untersetzung aufgenommen haben. Bei der Premiere nach den Pfingstferien soll den Eltern das Projekt aus Sicht der Schüler präsentiert werden. Außerdem soll das Video auf Youtube und auf der Website der Initiative „Norm braucht Vielfalt“ veröffentlicht werden, die sich für Inklusion von Menschen mit Behinderungen engagiert.

Weil es im Lied um ihre Schule geht

Während die zwei Strophen des „HTS-Songs“ von einzelnen Schülern und kleinen Gruppen eingesungen werden, singen den Refrain alle zusammen. „Das ist unsre Welt, Wahnsinn, was es alles gibt; Breakdance, Bildung, Blödsinn und ein Affe, der ins Weltall fliegt; Wir rappen und tanzen, in der Pause kurz Verstecken spiel‘n; In der Zentrale des Wahnsinns hat jeder sein Spezialgebiet“, heißt es darin. Die „Zentrale des Wahnsinns“ ist die Lieblingsstelle von Ava, die in der Öffentlichkeitsarbeitsgruppe mitmacht. Sie mag das Lied wegen der „vielen verrückten Sachen“ und weil es um ihre Schule geht.

Idee entsteht im Lehrerkollegium

Aus dem Zirkusprojekt im vergangenen Jahr hatten die Lehrer mitgenommen, dass es Schüler und Lehrer zusammenschweiße, wie Lehrerin Kristina Boos erzählt. In diesem Jahr sei im Kollegium die Idee aufgekommen, ein Musikvideo zu drehen. „Musik hatten wir noch nicht“, so Lehrer Sebastian Heinricht.

An pädagogischen Inhalten mangelt es nicht

In das Projekt sind nicht nur die Lehrer eingebunden, sondern auch Helfer der Dieter-Kaltenbach-Stiftung im Tutti Kiesi. „Zentral für uns war, dass die Kinder es in der Hand haben“, meint Boos. Die Lehrer mussten situativ auf Vorschläge und Ideen der Schüler reagieren und nur lenkend eingreifen. An pädagogischen Inhalten mangle es aber nicht. Boos und Heinricht zählen auf: Selbsttätigkeit, Förderung des Selbstbewusstseins, Selbstverwirklichung, Kreativität und Medienkompetenz. Vor allem geht es aber um Gemeinschaft. „Im Video soll Vielfalt als Normalfall gelten. Das wird hier an der Schule auch gelebt“, sagt Heinricht