Aus eigener Erfahrung weiß Priya Thangiah, wie schwer es als Mutter ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Deshalb hat sich die 37-Jährige entschieden, als Tagesmutter zu arbeiten und sich entsprechend weiterzubilden. Damit verschafft sie Eltern, die keinen Kitaplatz bekommen haben, mehr Raum und Flexibilität in der Betreuung.

Sie hat die Pflegeerlaubnis bekommen

Entgegen jeder Erwartung ist es sehr ruhig, als Priya Thangiah ihre Haustüre öffnet. Ein Mädchen sitzt am Tisch und spielt mit Memorykarten, ein weiteres kommt heute etwas später, das dritte Kind ist krank. Tangiah arbeitet als Tagesmutter. Seit etwa einem Jahr besucht sie den Qualifizierungskurs für Kindertagespflegepersonen im Familienzentrum und hat im September eine Pflegeerlaubnis für fünf Kinder bekommen.

Geeignete Räume sind ein Kriterium

Geeignete Räume sind ein Kriterium, das man erfüllen muss, um eine Pflegeerlaubnis zu erhalten. Diese sollen einen Schlafbereich, eine Wickelmöglichkeit und einen Spielbereich haben. Weitere Kriterien sind ein Erste-Hilfe-Kurs für Säuglinge und Kleinkinder, ein polizeiliches Führungszeugnis für jedes volljährige Haushaltsmitglied, eine Einschätzung durch den Fachdienst Kindertagespflege und die Absolvierung des ersten Teils der Qualifizierungskurses. Tatsächlich hat Thangiah aktuell sieben laufende Verträge, doch die Betreuungszeiten der Kinder sind so gestaffelt, dass eigentlich nie mehr als drei Kinder gleichzeitig anwesend sind.

Die Kinder sind in Einliegerwohnung betreut

Thangiah setzt sich zu dem Mädchen, das selbstvergessen die Karten in die Verpackung sortiert, sie wieder ausleert und neu einsortiert, an den Tisch. Gemeinsam spielen sie ein wenig, dann steht das Mädchen auf und holt ein weiteres Memory-Spiel. „Dann lass uns mal das da wieder aufräumen“, sagt Tangiah und hilft dem Kind, die Karten einzupacken. Betreut werden die Kinder in einer eigens dafür vorgesehenen Einliegerwohnung, in Thangias Privaträumen halten sich die Tageskinder nur zu den Essenszeiten auf, denn da kommen alle zusammen.

Drei eigene Kinder von drei bis sieben Jahre

Drei eigene Kinder im Alter von sieben, fünf und drei hat die 37-Jährige. Sie sind auch der Grund, wieso sich Thangiah entschieden hat, sich zur Kindertagespflegeperson ausbilden zu lassen.

Sie gibt Kinder ihrer Mutter

Damals noch in der Schweiz in der Pflege für Menschen mit Behinderung tätig, hatte sie selbst keine Betreuung für ihre beiden größeren Kinder. Da sie trotzdem arbeiten musste, traf sie eine der schwersten Entscheidungen ihres Lebens und gab ihre Kinder zu ihrer Mutter nach Nordrhein-Westfalen. Durch 600 Kilometer getrennt, verpasste sie die ersten Lebensjahre der beiden.

Sie kann es nicht noch einmal so machen

„Bei der Geburt meines dritten Kindes war mir klar, dass ich das nicht noch einmal kann“, erzählt Thangiah. Es sei hart für sie gewesen, die Entwicklung ihrer Kinder nicht miterleben zu können. Mit dem Wiedereinstieg ins Berufsleben, als ihr kleinster Sohn in den Kindergarten kam, hätte also auch eine Richtungsänderung dazugehört.

Eltern haben keinen Kindergartenplatz gefunden

Es klingelt und das zweite Mädchen wird gebracht. Es ist viereinhalb Jahre alt und Thangiah hat sich bereit erklärt, das Kind aufzunehmen, weil die Eltern keinen Kindergartenplatz für sie gefunden haben, obwohl Thangiah ursprünglich nur Ein- bis Dreijährige betreuen wollte. Durch ihre Arbeit gebe sie Familien die Möglichkeit, ihre Kinder flexibel und familiär betreuen zu lassen, um nicht, wie sie selbst, in Bedrängnis zu geraten. Gleichzeitig könne sie ihre Kinder jetzt um sich haben, wenn sie aus Schule und Kindergarten nach Hause kommen. Das schätze sie sehr."

Das hat Thangiah gebraucht

„Tschüss Mama“, ruft das Kind, rennt hinein, sucht sich gleich etwas zum Spielen und setzt sich damit auf den Teppich inmitten des Raumes. Thangiah setzt sich zu ihr, kurz darauf folgt auch das erste Mädchen und möchte mitspielen. Die beiden kennen sich und scheinen gut miteinander auszukommen, sie lachen und quatschen in ihrer Kindersprachen. Für Thangiah ist das genau das, was sie gebraucht und vermisst hat: ein Haus voller Kinderstimmen.