Die Frauengemeinschaft St. Elisabeth hält den volkstümlichen Brauch des Kräutersträußebindens zum katholischen Feiertag Mariä-Himmelfahrt am Leben. Die gesegneten Kräutersträuße werden nach dem heutigen Gottesdienst verteilt. Die Sträuße sollen Haus und Hof vor Unwettern schützen.

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Ein frischer Duft erfüllt die Luft

Ein frischer Duft erfüllt die Luft vor der Scheune von Doris Portmann. Es duftet nach Blüten und Kräuter, insbesondere Minze dominiert den Geruch. Die Blumen, Kräuter und Ähren liegen sortiert auf einem Tisch oder stecken in Eimern. Acht Frauen der Frauengemeinschaft St. Elisabeth Karsau binden zu Mariä-Himmelfahrt Kräutersträuße, die sie behutsam in bereitgestellte große Körbe legen.

Einer der höchsten Marienfeiertage

„Heute ist die Kräuterweihe. Das ist einer der höchsten Marienfeiertage“, sagt Portmann. Die Kräuterweihe findet üblicherweise am gleichen Tag statt, in Karsau wurde sie auf den kommenden Tag verschoben, da in der Seelsorgeeinheit Pfarrer fehlen. Nach der heiligen Messe am Freitagabend wollen die Frauen die 100 bis 120 gesegneten Kräutersträuße an die Gottesdienstbesucher verteilen.

In katholischen Gebieten noch verbreitet

In die Sträuße kommen Kräuter wie Johanniskraut, Lavendel, Salbei, Schafgarbe und Rosmarin, aber auch verschiedene Blumen und in jeden Strauß drei Ähren. „Das haben früher fast nur Bauern gemacht“, erklärt Portmann. Das Binden von Kräutersträußen gehört zu den volkstümlichen Bräuchen in katholischen Gebieten verbreitet. Etwa in Bayern und dem Saarland ist Mariä-Himmelfahrt ein gesetzlicher Feiertag. Die Ähren weisen auf die bäuerliche Tradition hin, allerdings folgt in Karsau nur noch die Frauengemeinschaft der Tradition.

Es ist Teil des Ferienprogramms

Um sie an nachfolgende Generationen weiterzugeben, wurde das Kräutersträußebinden auch als Ferienprogramm angeboten. Allerdings wurde es dieses Jahr aufgrund zu weniger Anmeldungen abgesagt, während im vergangenen Jahr 15 Kinder teilgenommen hatten. Das Angebot soll kommendes Jahr wieder gemacht werden.

Die Ähren stehen für Fruchtbarkeit

Die Ähren holt Portmann bei Karsauer Bauern. Kräuter und Blumen stammen aus den Bauerngärten der Frauen, anderes wächst wild am Wegesrand und wird gesammelt. Die wilden Pflanzen zu finden, war schon schwieriger. „Ich finde, es ist besser geworden. Die Leute denken ökologischer und es bleibt wieder mehr stehen“, so Portmann. Die Ähren stehen für Fruchtbarkeit, während die Sträuße insgesamt das Haus vor Unwetter und Blitzschlag schützen sollen.

Für ein Jahr lang werden die gesegneten Kräutersträuße bis zum nächsten Mariä-Himmelfahrt aufbewahrt. „Ich stelle meinen Strauß trocken in eine Vase, aber man kann ihn auch aufhängen“, sagt Portmann.

Termin: Die Kräutersträuße werden am heutigen Freitag, 16. August, nach dem Gottesdienst in der Kirche St. Michael um 18.30 Uhr an die Gottesdienstbesucher verteilt.