„Nein“ sagen, laut sein, weglaufen und Hilfe rufen. Im Präventionstheaterstück „Mein Körper gehört mir“, aufgeführt von der Theaterpädagogischen Werkstatt, wurden die Schüler der vierten Klassen der Goetheschule am Montag behutsam an das Thema sexuelle Gewalt herangeführt. Mit Spiel, Spaß und einer Menge Charme lernten die Schüler alles rund um die Erkennung von Warnsignalen, dem richtigem Verhalten in Gefahrensituationen und dem Bitten um Hilfe und Unterstützung.

17 Mädchen und Jungen tönen lauthals

„Mein Körper, der gehört mir allein. Du bestimmst über Dein und ich über Mein“, tönte es lauthals aus dem Veranstaltungsraum der Schule, als insgesamt 17 Mädchen und Jungen ihrer Forderung Stimme verliehen. Kurze Schauspieleinheiten, aufgeführt von den Darstellern und gelernten Theaterpädagogen Leah Bukatsch und Gregor Marstaller, zeigten den Kindern alltägliche Situationen, in denen sie Gefahr laufen könnten, Opfer von sexuellem Missbrauch zu werden. Die Gefühlswelt beim Zuschauen stand Kopf. Leichtes Gekicher über die spielerischen Grimassen der Schauspieler wich ernster Miene, und es wurde sofort klar: Die Kinder verstanden, worum es geht.

Die Kinder sollen nicht verängstigt werden

„Es ist nicht leicht, über sexuellen Missbrauch zu reden“, erklärte Marstaller. „Wir wollen die Kinder über das Theater erreichen, ohne sie zu ängstigen.“ Das Stück teile sich deshalb auch in insgesamt drei Abschnitte auf, die mit jeweils einer Woche Pause dazwischen aufgeführt werden. Dadurch wolle man zum Einen verhindern, die Kinder mit der schwerwiegenden Thematik zu „überrennen“, fuhr Marstaller fort, und zum Anderen solle dies den Lehrern und Eltern ermöglichen, die Inhalte mit den Kindern zu vertiefen und auf Fragen einzugehen, die in diesem Rahmen nicht gestellt werden konnten.

Das Interesse ist durchaus da

Denn das Interesse war durchaus da, die Kleinen meldeten sich zu Wort, teilten ihre Gedanken und erzählten gar von Fällen, von denen sie aus dem Fernsehen oder Internet gehört haben. Auch die gespielten Szenen waren nicht frei erfunden: Vom neuen Nachbarn, der einen zum „Spielen“ einlädt, zum Exhibitionisten und Unbekanntem aus dem Online-Chat, alles wurde aufgegriffen und gemeinsam diskutiert. Auch mit vermeintlichen Tabus, wie Missbrauch durch Familienangehörige, wurde gebrochen, weil gerade solche Fälle selten ans Licht kämen und in der Öffentlichkeit nur wenig Gehör fänden.

Ein telefonisches Beratungsangebot

„Wir wollen die Kinder bestärken und ihnen Mut geben, sich anzuvertrauen“, sagte Bukatsch. „Aus diesem Grund verweisen wir auch immer auf die Möglichkeit, sich, abgesehen von den Eltern, auch an die Schulsozialarbeiter zu wenden“, ergänzte Marstaller. Auch die „Nummer gegen Kummer“, ein telefonisches Beratungsangebot für Kinder und Jugendliche, werde den Kindern nach der letzten Vorführung mitgegeben.

Zum Abschluss gibt es einen Elternabend

Selbstverständlich sollen auch die Eltern durch das Programm aufgeklärt werden, weshalb zum Abschluss ein Elternabend stattfinde. „Die sind meist kritischer und fürchten, dass die Kinder dadurch erschreckt werden“, so Marstaller. Die Frage nach dem richtigen Alter, um Kinder mit einem solch dunklen Thema zu konfrontieren, könne wohl nie einstimmig geklärt werden, doch Fakt sei, dass es passiere und deshalb nicht unter den Teppich geschoben werden dürfe. Mit Humor versuche man, das Ganze zumindest kinderfreundlich zu gestalten. Die erlernten Techniken zur Abwehr und Prävention werden die Kinder hoffentlich nie einsetzen müssen, aber allein schon zu wissen, dass sie es könnten, dürfte Eltern ein wenig ruhiger schlafen lassen.