Eigentlich habe er erst zwei Jahre abwarten wollen, bevor er entscheide, wie es mit Schloss Beuggen weitergehe, sagt Kai Flender. Doch die Zusammenarbeit mit Christian Herzog habe eine unverhoffte Dynamik in die Planungen gebracht. Erstmals verraten Flender, der Investor, und Herzog, der Gastronom und Hotelier, was sie ab dem kommenden Jahr mit der bislang kirchlichen Anlage vorhaben.

„Mit Stille allein kann man kein Geld verdienen“, sagt Herzog ohne Umschweife: „Es wird in Zukunft schon Halli-Galli geben.“ Das Gelände sei zum Beispiel für Hochzeiten einzigartig in der Region: „Kirche, Hotel, Apéro, Wagenremise – alles ist schon da.“ Flender hingegen nennt „Stille, Ruhe, Insichgekehrtsein“ durchaus als Ziel für die zukünftige Vermarktung des Anwesens. Er wolle allerdings „das Nutzungskonzept umdrehen“, sagt er: „Bisher war Schloss Beuggen stark nach innen orientiert. Wir wollen es aus seinem Dornröschenschlaf wecken.“

Das Hauptansinnen der beiden sei es, „eine Marke am Hochrhein“ zu kreieren, „nicht nur in Rheinfelden“, sagt Herzog, so wie es der Europa-Park in wirtschaftlicher – nicht inhaltlicher – Hinsicht für den Oberrhein sei. Herzog steht laut eigener Aussage in Kontakt mit Reiseveranstaltern aus Baden-Württemberg, den Benelux-Staaten, der Schweiz und Israel. „Der Europa-Park hat gute Hotels: Aber man spricht von ihm als Gesamtkonzept; und jeder weiß, was mit dem Namen gemeint ist. So soll es auch mit der Dachmarke Schlosshotel Beuggen werden“, präzisiert Flender: „Ich will, dass man nicht mehr erklären muss, was Schloss Beuggen ist.

“ In Zukunft werde es deshalb zum Beispiel nicht mehr heißen: „Diga-Gartenmesse in Schloss Beuggen“, sondern „Schloss Beuggen veranstaltet die Diga-Gartenmesse“. Als kleine charmante Idee spricht Flender auch von einem Weihnachtsmarkt.

Die Schlosskirche wird künftig für Hochzeiten genutzt.
Die Schlosskirche wird künftig für Hochzeiten genutzt. | Bild: Ingrid Böhm-Jacob

Mit dem Seminarhotel unter Herzogs Leitung sei „der erste Baustein“ für diese Entwicklung gesetzt, sagt Flender. Restaurant und Hotel sollen bereits im März 2017 eröffnen. Das Restaurant wird den Namen „Restaurant Beuggen 11“ tragen, nach der Hausnummer des Hauptgebäudes. Herzog, der seit zehn Jahren den „Goldenen Knopf“ in Bad Säckingen betreibt, will eine kreative, aber bodenständige badische Küche bieten, die auch für den Rheinspaziergänger bezahlbar sein soll. Andererseits sagt er: „Die Kundenstruktur wird sich durch die neue Preisstruktur ändern.“ Auch das Hotel spiegelt diese Doppelstrategie wider und wird mit Zimmern im Zwei-Sterne- und im Drei-Sterne-Standard eingerichtet. Ausdrücklich will Flender auch Velo-Reisende zur Übernachtung willkommen heißen. Er habe Schloss Beuggen zuvor nie wahrgenommen, gibt Christian Herzog zu: „Das Wort Begegnungsstätte hat keine Emotionen in mir geweckt.“ Tatsächlich ist die Zusammenarbeit mit Flender bereits die zweite Chance für Herzog. Zuvor war er der gastronomische Partner der Kommunität Beuggen, die der Landeskirche ebenfalls ein Kaufangebot unterbreitet hatte. Als schließlich Kai Flender den Zuschlag erhalten hatte, wurde er vom Verkaufsbetreuer der Landeskirche mit Herzog zusammengebracht. Für Herzog war aber auf den ersten Blick klar, dass er sich in Schloss Beuggen verliebt habe.

Auch Flender sagt von sich, er liebe Schloss Beuggen: „Ich befasse mich nur noch mit denkmalgeschützten Objekten. Ich spüre, ob es ein Gebäude wert ist, sich damit auseinanderzusetzen; da lasse ich mich von Schimmel oder Efeu nicht abschrecken.“ Sein klares Urteil: „Beuggen ist ein Juwel, das alle hundert Jahre mal auf den Markt kommt.“ In welchem Ausmaß die Evangelische Landeskirche in Baden die Angebote der Erwachsenenbildung und der Studienleitung auf Schloss Beuggen aufrechterhalten wird, ist noch offen. „Wir sind in intensiven Gesprächen“, sagt Investor Kai Flender und auch Dekanin Bärbel Schäfer bestätigt, dass bis Ende Jahr noch verhandelt werde. Klar ist, dass die Kirche in Zukunft wie alle Nutzer Miete sowohl für die Büros als auch für die Seminarräume zahlen wird. Auch die Verpflegung der Gäste wird in Zukunft zwingend über das neue Schlossrestaurant erfolgen. In mehreren Seminar- und Bankettsälen – unter anderem wird auch die bisherige Kapelle im Rittersaal genutzt – rechnet Flender mit insgesamt 800 bis 1000 Plätzen.